Kritik am „Blindflug“

Corona-Pandemie und Schulalltag: Was die Gewerkschaft in Mansfeld-Südharz bemängelt

Tägliche Corona-Tests, Maskenpflicht und Präsenzunterricht - so sieht der Schulalltag in Mansfeld-Südharz aus. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zieht Bilanz

Von Helga Koch 18.01.2022, 13:45
Maske, Abstand, Tests: Das alles gehört in der Schule zum Alltag.
Maske, Abstand, Tests: Das alles gehört in der Schule zum Alltag. (Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp)

Sangerhausen/Eisleben/Hettstedt/MZ - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Mansfeld-Südharz bewertet den Schulstart nach den pandemiebedingt verlängerten Weihnachtsferien zwiespältig. „Es gibt sehr wenige infektionsbedingte Krankheiten oder Quarantänefälle“, stellt der Kreisvorsitzende Torsten Richter fest. Dennoch übt die GEW Kritik: „Bildungsministerium und Landesschulamt fliegen im Blindflug orientierungslos durch das schulische Pandemiegeschehen.“ Die Schulen benötigten dringend „einen planbaren Rahmen“.

Das Kultusministerium Sachsen-Anhalt hatte am Freitag angekündigt, zunächst an den geltenden Maßnahmen - tägliche Tests. Maskenpflicht, Präsenzunterricht - festzuhalten und die Schulleitungen zeitnah über das weitere Vorgehen bis zu den Winterferien zu informieren.

Kritik an den Corona-Tests

In Mansfeld-Südharz, im Dezember noch mit einer Sieben-Tages-Inzidenz sogar im vierstelligen Bereich, ist das Infektionsgeschehen erst mal stark abgeflaut. Dank verlängerter Ferien, Tests, reduzierter Kontakte, Impfkampagne, Hygiene- und Abstandsregeln... An den Schulen erfolgen in den ersten beiden Wochen seit den Ferien täglich für alle Tests.

Davon gebe es ausreichend, sagt Richter. Doch gehörten „die zur Verfügung gestellten Tests zu denen, die vom Paul-Ehrlich-Institut als nicht sehr verlässlich eingeschätzt werden“, beanstandet der Gewerkschafter. Sie zeigten zwar in jedem Fall die Infektion bei einer 100-prozentigen Virenlast an, schlügen aber unter 50 Prozent weniger verlässlich an. Und wenn Infektionen zu spät erkannt würden, warnt Richter, könnte das „bei der Omikron-Variante äußerst misslich“ sein.

Sie gilt nach den bisherigen Erkenntnissen als äußerst ansteckend. Positiv: Inzwischen verfügten alle Schulen im Landkreis über CO2-Ampeln, sagt der Kreischef. Damit werde das Lüftungsregime in den Klassenräumen sinnvoll unterstützt. Gelegentlich trügen die Schüler im Unterricht zwar auch mal eine Jacke, aber die Heizungen funktionierten gut.

Schulen ohne Luftfilter

Sehr bedauerlich sei hingegen, dass es in den Schulen noch immer so gut wie keine Luftfilter gibt: „Das wurde versäumt.“ Man wisse einzig von zwei Geräten an der Grundschule Kelbra. Dabei würden Luftfilter und das Lüften erheblich mehr Sicherheit vor einer Infektion im Klassenzimmer bieten, ist Richter überzeugt. Und das umso mehr, weil nach den Vorgaben der Landesregierung nur noch infizierte Kinder und Jugendliche in Quarantäne geschickt werden, während unmittelbare Kontaktpersonen wie etwa der Banknachbar weiter in der Schule bleiben.

Das Unterrichten mit Maske sei recht schwierig, schildert Richter, vor allem in den Grundschulen. „Die Schüler haben sich zwar daran gewöhnt, aber die Arbeit an Buchstaben und Lauten ist erheblich erschwert.“ Deutliches Sprechen sei nur eingeschränkt möglich. In weiterführenden Schulen fehlten ebenso die Möglichkeiten der Kommunikation mit Mimik. „Das ganztägige Sprechen nur mit Maske im Unterricht ist schon hinderlich.“

Musikunterricht mit Maske

Musikunterricht finde mit Maske statt, Sportunterricht ohne, wobei möglichst Abstand gehalten und Körperkontakt vermieden würden. Die Maskenpflicht im Unterricht sei sicher nötig, die Wirkung aber durchs Absetzen der Maske beim Essen und Trinken im Raum fraglich. Essenspausen im Freien wären keine Alternative, aber eine Verkleinerung der Klassengrößen.

Ganz wichtig wäre den Lehrern endlich eine Art Rahmenplan, bei welcher Inzidenz - oder welchen Werten auch immer - welcher Plan in Kraft tritt: „Wir hangeln uns derzeit von Woche zu Woche.“ Auf diese Weise sei es nicht möglich, sich sinnvoll auf mögliche Maßnahmen vorzubereiten, etwa den Übergang zum Klassenleiter- oder Wechselunterricht, den Übergang zum Hybridunterricht oder Distanzlernen. „Es besteht nicht einmal Klarheit, welche Variante eintreten wird.“