Bergbautradition

Warum der Harzklub in Bad Suderode hoffnungsvoll in die Zukunft blickt

„Die Tradition und die Geschichte des mehr als 3.000-jährigen Bergbaus im Harz soll hier bewahrt werden“, erklärte der Vorsitzende.

Von Uta Müller 14.10.2021, 13:56
Die einstige Grube am düsteren Berg und spätere Lessinghöhle soll ein Schuabergwerk werden.
Die einstige Grube am düsteren Berg und spätere Lessinghöhle soll ein Schuabergwerk werden. Foto: Detlef Anders

Bad Suderode/MZ - Aus Elbingerode, Mansfeld, Sangerhausen, Morsleben oder Nachterstedt sind ehemalige Bergleute nach Bad Suderode gereist, um das feierliche Anfahren der „Neuen Hoffnung“ – auch wenn keine Bodenschätze rausgeholt werden – zu erleben.

Für viele der anwesenden Bergleute war dies ein sehr emotionaler Moment. „Alle anderen schließen ihre Bergwerke und wir machen eines auf“, sagt Mario Steder. Der Vorsitzende des Harzklub-Zweigvereins Bad Suderode erklärt, dass die Lessinghöhle am düsteren Berg wieder touristisch nutzbar gemacht werden soll.

Ein bisschen versteckt im Kalten Tal, südwestlich des Kurparks, befindet sich die Lessinghöhle und das einstige Bergwerk am düsteren Berg. Das feierliche Anfahren der Grube – so nennen es die Bergleute, wenn der Steiger und seine Hauer den ersten mit Abraum beladenen Hunt ans Tageslicht befördern – markiert den Beginn der Arbeiten.

Ein erster Schritt war die Umbenennung des Bergwerks in Grube „Neue Hoffnung am düsteren Berge“. „In den Stollen wurde im Mittelalter Flussspat, Arsenkies, Kupferkies und Bleiglanz gefördert“, sagt Mario Steder. Vor 300 bis 400 Jahren kamen die Arbeiten zum Erliegen und seitdem wird die Grube nicht mehr genutzt, erklärt der Vorsitzende des Harzklub-Zweigvereins Bad Suderode.

Ehemaliges Bergwerk wurde auf der Suche nach Schotter für Straßenbau entdeckt

Im Rahmen der Gewinnung von Schotter für den Straßenbau nach Friedrichsbrunn entdeckten Arbeiter in den 1870er Jahren den Zugang zu dem ehemaligen Bergwerk wieder. Der aus Berlin stammende Forscher C. F. A. Lessing erkundete im Jahre 1877 die Hohlräume hinter den drei Eingangsstollen.

Bei seinen Vermessungen mit einem Lot stellte er fest, dass der erhaltene Teil 41 Meter lang war und in den Schächten das Wasser bis zu 25 Meter hoch stand, erzählt Steder zur Geschichte des einstigen Bergwerks. Schwer vorstellbar, aber angeblich sei er sogar mit einem Boot in den mit Wasser gefüllten Hohlräumen gepaddelt.

In völliger Unkenntnis, dass es keine Höhle, sondern ein von Menschenhand geschaffenes Bauwerk war, wurde die Grube am düsteren Berge ihm zu Ehren „Lessinghöhle“ genannt. Wie beschwerlich sich hier mittelalterliche Bergbauleute in den Fels gehauen haben, soll eines Tages für Besucher greif- und sichtbar gemacht werden.

„Die Tradition und die Geschichte des mehr als 3.000-jährigen Bergbaus im Harz soll hier bewahrt werden“, so Steder. Der Bergbau sei gerade im Harz sehr bedeutend gewesen, dass sogar Könige schauten, wie vor Ort Blei gewonnen wurde. Viele wüssten darüber kaum noch etwas. Dabei seien die Zeichen überall sichtbar. Bremer Teich, Osterteich und nicht zuletzt der Fichtenhochwald, zählt Steder auf, seien reine Hinterlassenschaften des Bergbaus.

Dem Vorsitzenden des Zweigvereins in Bad Suderode ist es sehr wichtig, auf die Geschichte aufmerksam zu machen. Allerdings will er dabei den Tierschutz auch nicht außer Acht lassen. In einem der drei Eingänge befindet sich ein geschütztes Fledermausquartier.

Ein von einem Felssturz stammender Schuttberg muss beseitigt werden

Steder liege viel daran, den Fledermausschutz mit dem Altbergbau zu verbinden. „Ohne den Bergbau gäbe es die Höhle nicht“, so Steder und damit auch keinen Rückzugsort für die geschützten Tierarten. In Zusammenarbeit mit der unteren Naturschutzbehörde weisen Tafeln auf die geschützte Fledermaus, die Höhlenkreuzspinne und den Altbergbau hin.

Doch bis das Bergwerk wieder zum Leben erweckt werden kann, wartet auf den Harzklub-Zweigverein und die Berg- und Hüttenknappschaft Bad Suderode noch sehr viel Arbeit. In dem rechten Stollen befindet sich noch ein riesiger Schuttberg von einem Felssturz.

Hier müsse zunächst die Grube nach oben abgestützt werden, da es da ein Loch gibt. Ein Stück Gleis wurde dafür mit verlegt. „Ich bin gespannt darauf, was uns dahinter erwartet“, so Steder. Er hoffe auf einhundert Meter und mehr und eventuell sogar ein paar alte Werkzeuge, die unter dem Geröll vergraben liegen.

Bis Besucher den Stollen begehen können, werden wohl noch vier bis fünf Jahre vergehen, schätzt Steder. Auf den geführten Wanderungen des Harzklubs können die Besucher zumindest jetzt schon einen Blick in die Höhle werfen.