Schloss Ballenstedt

Schloss Ballenstedt: Zu Besuch bei der Herzogin

Ballenstedt - Schloss Ballenstedt hat ein Stück seiner Geschichte zurückbekommen. Dem aus dem Fernsehen bekannten Kurator wird eine besondere Ehre zuteil.

Von Susanne Thon

Im weißen Speisesaal ist der Tisch schon eingedeckt. Die Äpfel liegen blank poliert in der Schale. Die Keksdose ist aufgefüllt, und auf der Anrichte wartet ein mit Puderzucker bestäubter Topfkuchen auf seinen Verzehr.

Es ist, als käme sie gleich, die Herzogin Friederike Caroline Juliane von Anhalt-Bernburg (1811 bis 1902). Auf dem Waschtisch in ihrem lapislazuliblauen Schlafzimmer steht und liegt bereit, was Frau braucht, um sich fertigzumachen: ein Spiegel, Bürsten, und allerhand andere Accessoires, silbern glänzend.

Und im rosafarbenen Musikzimmer ist schon das Notenblatt aufgeschlagen; die Herzöge waren Musikliebhaber. „Man kommt hier jetzt in eine ganz andere Welt“, sagt Ursula Szobries.

Sie ist die für das Schloss zuständige Mitarbeiterin der Ballenstedter Stadtverwaltung, und ihr Mann hat zur Feier des Anlasses den Kuchen gebacken. Seit dem Wochenende können die Besucher im Südflügel des Schlosses Ballenstedt höfische Wohnkultur erleben.

Ursprünglich habe man nur einen Raum herrichten wollen, „daraus sind acht Zimmer geworden“, sagte Ballenstedts Bürgermeister Michael Knoppik (CDU), für den die Ausstellungseröffnung am Sonnabend „keine normale“ war.

Und Kurator Carl Ludwig Fuchs, bekannt aus der Sendung „Kunst und Krempel“, sprach sogar vom „geistigen Wiedereinzug der angestammten askanischen Familie“.

Dazu wurden die Räume in nur achtmonatiger Umbauzeit von Grund auf umgestaltet: Die Wände bekamen neue, farbenfrohe Anstriche. Die 200 Jahre alten Fußböden wurden wieder aufgearbeitet und passende Möbel aufgespürt.

Die spiegeln nicht nur den Zeitgeist des ausgehenden 19., beginnenden 20. Jahrhunderts wider, sondern hätten auch dem persönlichen Geschmack der damaligen Bewohner entsprochen.

Die Einrichtungsgegenstände sind, wie etwa das Bett, Ankäufe der Stadt und Leihgaben von Kunstliebhabern. Viele Sachen stammen aus Süddeutschland, einige aus dem Privatbesitz der Familie von Anhalt, aber auch Stücke aus Ballenstedt haben Einzug gehalten.

Durch sie erzählen die Räume wieder Geschichte. Eine Geschichte, der sie beraubt worden waren.

„Alles, was ein Residenzschloss ausmachte, war nicht mehr vorhanden“, sagt Fuchs.

1945 wurde das Schloss von sowjetischen Truppen besetzt, die Familie vertrieben und enteignet. Es diente erst als Lazarett, später als Forstfachschule. Für Eduard Prinz von Anhalt - auch wenn er erst vier Jahre alt war, als er fliehen musste - eine prägende Zeit, „weil die Familie von nichts anderem als über die Heimat gesprochen hat“.

Nun im Schloss, dem Ort seiner Kindheit, Wohnräume zu wissen, „ist sehr, sehr bewegend. Meine Emotionen schlagen zu hoch“, natürlich würden Erinnerungen wach, sagt das Oberhaupt des Hauses Anhalt-Askanien, und dann, an Fuchs gewandt, dass er mitgebracht habe, was man brauche, „um die Wurzeln der Familie kenntlich zu machen“.

Doch nicht nur ihm gebührte sein Dank: „Dass sich so viele Menschen engagiert haben, ist ergreifend.“

Umgestaltet wurde auch der Eingangsbereich und ein Rundgang geschaffen, ausgehend von der historische Ausstellung „Die Frühen Askanier“, die der Schloss- und Schlossparkverein betreut. Zudem können Besucher mit ihrer Eintrittskarte den Westturm, die Schlosskirche und die Krypta besichtigen.

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Die Ausstellung „Höfisches Wohnen“ ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr und ab November von 10 bis 16 Uhr zu besichtigen. Der Eintrittspreis beträgt 5 Euro, mit Ermäßigung 3. Führungen sind nach Anmeldung möglich. (mz)