Schulentwicklung

Kampf um Standorte von Gymnasien im Harzkreis - Landrat pocht auf Koalitionsvertrag

Von Rita Kunze 22.10.2021, 09:27
Blick in einen Klassenraum.
Blick in einen Klassenraum. Foto: imago images/Eibner

Halberstadt/MZ - Der Kreistag sollte im Dezember über die mittelfristige Schulentwicklungsplanung beraten. Dazu wird es wohl „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ nicht kommen, sagte Landrat Thomas Balcerowski (CDU) im Kreisausschuss: Das Landesschulamt habe signalisiert, den Planungsentwurf des Kreises vor allem bei den Gymnasien nicht mittragen zu wollen.

Es geht dabei um die gymnasialen Oberstufen am Wolterstorff-Gymnasium Ballenstedt, am Fallstein-Gymnasium Osterwieck und am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode. Dort wird es nach derzeitigem Stand ab dem Schuljahr 2023/24 weniger als 50 Schüler in den neu zu bildenden zehnten Klassen geben, in Ballenstedt ab 2024/25.

Bislang war das ein Problem, weil vom Land deutlich höhere Schülerzahlen gefordert wurden. Doch im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung, die die „Möglichkeit eines wohnortnahen Zugangs zu Schulen mit einer gymnasialen Oberstufe in allen Regionen des Landes“ als „wichtiges Anliegen der Koalitionspartner“ nennt, steht es nun so: „Die Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe an allen Schulformen kann mit einer Mindestjahrgangsstärke von 50 Schülern eingerichtet werden. Diese kann an allen zutreffenden Schulformen geringfügig unterschritten werden. Die Schulentwicklungsplanungsverordnung ist dementsprechend anzupassen.“ Eben darauf beruft sich jetzt der Harzer Landrat und fordert Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) auf, den Koalitionsvertrag umzusetzen.

Er sei nicht bereit, „in vorauseilendem Gehorsam eine Planung zu beschließen, hinter der ich nicht stehe“, sagte Balcerowski. „Wenn wir diese Schulen vor Ort zurückfahren, hat das gravierende Auswirkungen auf die betroffenen Städte.“ Werde die Sekundarstufe II - also die 10. bis 12. Klassen - an einen anderen Standort verlegt, sterbe das Gymnasium, so Balcerowski mit dem Verweis auf das Thalenser Europagymnasium, das inzwischen eine Außenstelle des Gymnasiums „Am Thie“ in Blankenburg ist. Balcerowski sieht darin einen Abbau der Infrastruktur im Landkreis.

Der Landrat will nun Gespräche mit dem Ministerium führen. Ziel soll es sein, eine Genehmigung für die Schulentwicklungsplanung zu erhalten.