Tourismus

Gibt es ein Müll-Problem am Ditfurter See?

Die Mehrheit der Badegäste sei verantwortungsvoll, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde reagiert – im Rahmen der Möglichkeiten.

Von Uta Müller
Der Ditfurter See ist ein beliebtes Ausflugsziel. Doch nicht jeder hält sich an die Regeln, und der zunehmende Abfall  bereitet Probleme.
Der Ditfurter See ist ein beliebtes Ausflugsziel. Doch nicht jeder hält sich an die Regeln, und der zunehmende Abfall bereitet Probleme. (Foto: Uta Müller)

Ditfurt/MZ - An warmen Tagen strömen Hunderte Menschen an den See, sonnen sich, gehen schwimmen und hinterlassen Müll. In den vergangenen Tagen sah man sie wieder häufiger, etwa in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram: Fotos von Müll am Ditfurter See.

So tauchte ein Bild von einem Müll-Haufen nach einer Abschlussfeier auf. Dabei hatten die jungen See-Besucher ihren Müll eingesammelt und ordnungsgemäß in Säcke verpackt, um sie gleich am nächsten Tag zu entsorgen.

Jedoch hatten die Jugendlichen die Rechnung wohl ohne die Wildtiere gemacht, die sich aus den Müllsäcken noch ein paar fressbare Reste stibitzen wollten. Da war die Überraschung am nächsten Morgen groß.

Und trotzdem ärgert es Bürgermeister Matthias Hellmann (FDP), wenn gerade solche Bilder in den sozialen Netzwerken auftauchen. „Das sind alles nur Momentaufnahmen“, sagt er. Denn die jungen Menschen hätten den auf der Wiese verteilten Unrat verantwortungsbewusst eingesammelt und vorschriftsmäßig entsorgt.

So wie sie handeln die meisten der Badegäste rund um den See, so Hellmann. Die meisten seien kooperativ und nähmen ihren Müll mit, aber ein paar seien immer dabei, die sich am Ende aus Übermut oder wegen des vielen Alkohols nicht daran hielten.

Ein Schwan mit einer  Angelschnur, die aus seinem Schnabel hängt.
Ein Schwan mit einer Angelschnur, die aus seinem Schnabel hängt.
(Foto: Uta Müller)

Dem stimmt auch Detlef Kittel vom Angelverein Ostharz (AV) zu. Die absolute Mehrheit sei verantwortungsvoll, aber schwarze Schafe gebe es überall. Angeblich sei ein Schwan an einer liegengelassenen Angelschnur verendet.

Als verantwortungsvoller Angler wolle er sein Material heil wieder mit nach Hause nehmen, so Kittel. Er vermutet, dass die Schnur nicht von einem Angler, sondern von spielenden Kindern vergessen wurde. „Ein Angler, der eine Schnur auslegt, geht auf Wels“, erklärt der Fisch-Experte. Und dieser Fisch lebe am Grund.

Unter normalen Umständen würde sich nie ein Vogel darin verheddern, so der Angler. Zumal das Gewässer hier stellenweise bis zu zwölf Meter tief sei und der Angler die Schnur danach wieder einholt. „Dadurch, dass jetzt mehr Menschen nach draußen streben, ergibt sich zwangsläufig, dass mehr Schmutz und Dreck produziert wird“, sagt der Bürgermeister, der ebenfalls gern rund um den See spazieren geht.

Die achtlos weggeworfenen Flaschen, Dosen, Verpackungspapiere und Folien sind auch ihm ein Dorn im Auge. „Der Unrat wird irgendwo in die Büsche oder unter die Bänke geworfen“, schildert er seine Beobachtungen.

„Dadurch, dass jetzt mehr Menschen nach draußen streben, ergibt sich zwangsläufig, dass mehr Schmutz und Dreck produziert wird.“

Bürgermeister Matthias Hellmann (FDP)

Längst ist der Ditfurter See auch ein Refugium für Wasservögel. Ihnen allein ist die Insel mitten im See vorbehalten. Es könnte alles so idyllisch sein für die Schwanenfamilie, die ihr Zuhause rund um den rund 30 Hektar großen See hat.

Doch rücksichtslose Angler, Besucher und Wassersportler sorgen dafür, dass das Leben der Schwäne und anderer Wasservögel, die sich in den Schnüren verheddern, bedroht wird. Auch Wassersportler, die ohne Rücksicht auf Booten in das Schilf hineinfahren, stören die Tiere.

Hellmann weist darauf hin, dass sämtliche Arten von Booten auf dem See verboten seien. Einzig der Wassersportverein dürfe seine SUVs zum Paddeln auf dem See verleihen. Benutzer bekommen hier eine spezielle Einweisung. Auch Detlef Kittel vom Angelverein Ostharz scheut sich nicht um Verantwortung.

Ditfurts Bürgermeister Hellmann ließ Mülltonnen rund um den See aufstellen

„Die Angler sammeln selbst Unrat vom Kiessee-Ufer“, so der Vorsitzende des Angelvereins. Jeder Angler müsse eigentlich wissen, dass man seinen Müll wieder mitnehmen nehmen soll. Gemeinsam mit der Gemeinde gebe es mehrmals im Jahr Aufräumaktionen rund um den See. Auch regelmäßige Kontrollen bei den Anglern selbst seien nichts Ungewöhnliches.

Bürgermeister Hellmann ließ Mülltonnen rund um den See aufstellen. Besucher können ihre Abfälle in den acht Behältern entsorgen. Die Gemeindearbeiter würden die Behälter regelmäßig entleeren und mehrmals in der Woche liegengelassenen Müll einsammeln.

Das Naherholungsgebiet bietet viel Potenzial, aber auch viel Arbeit für Politik und Verwaltung. Das Gebiet werde Stück für Stück weiter entwickelt, so Hellmann. Unter Einbeziehung aller Beteiligten – Angler, Badegäste, Wassersportler, Naturkundler, Einwohner – versuche man alles unter einen Hut zu bringen. Zu Jahresbeginn erhielt der See die lange erhoffte Anerkennung als europäisches Badegewässer. Hellmann und Kittel appellieren an die Seebesucher: „Alle mögen bitte ihre Sachen wieder mitnehmen und nicht einfach wegschmeißen, man sieht ja, was dann passiert.“