Geplante Feuerstein-Arena

Geplante Feuerstein-Arena: Platzt in Schierke ein Traum?

Wernigerode - Der Bau der Feuerstein-Arena verschlingt offenbar viel mehr Geld als geplant. Sachsen-Anhalt steigt aus und das Landesverwaltungsamt prüft die Ausgaben.

Von Ralf Böhme 13.07.2017, 21:16

Eines der spektakulärsten Bauprojekte im Harzer Wintersportort Schierke könnte als Investitionsruine enden. Die Finanzierung der Feuerstein-Eisarena droht zu kippen, weil das Land kurzfristig aus der Förderung ausgestiegen ist. Offenbar gibt es Zweifel, ob der bisherige Zuschuss von 6,7 Millionen Euro rechtens eingesetzt worden ist. Träger des Projektes ist die Stadt Wernigerode.

Nun soll das Landesverwaltungsamt die Verwendungsnachweise kurzfristig unter die Lupe nehmen. Laut Bauministerium wird dann ersichtlich, ob es in der Vergangenheit „möglicherweise Unregelmäßigkeiten oder nicht nachvollziehbare Entscheidungen“ gegeben habe. Die Untersuchung ist inoffiziell als besonders dringlich eingestuft. „Das Ergebnis der Vorprüfung erwarten wir Ende dieses Monats“, sagte Ministeriumssprecher Peter Mennicke am Donnerstag.

Das Bauministerium reagiert damit auf eine Stellungnahme des Landesrechnungshofes. Dessen Präsident Kay Barthel meint: „Der Bau ist weder verhältnismäßig, noch mit den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit vereinbar.“ Besonders kritikwürdig sei, dass die Stadt den Planungsauftrag nicht an den wirtschaftlichsten Bieter vergeben habe.

Eine Baukostensteigerung um 270 Prozent könne nicht erklärt werden. Zudem seien dem Rechnungshof trotz mehrfacher Nachfragen angeforderte Unterlagen nicht vorgelegt worden.

Feuerstein-Arena in Schierke spaltet die Kommunalpolitik

Die ersten Reaktionen in Wernigerode lassen sich so zusammenfassen: Allenthalben Bestürzung über die Absage per Mail aus Magdeburg, andererseits unbedingter Wille zur Fortführung des Vorhabens: Aus dem Büro von Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) heißt es auf MZ-Anfrage, man werde alles daran setzen, damit die Übergabe des Objektes wie geplant am 15. Dezember stattfinden kann.

Das Problem: Dazu muss die Kommune schnell mindestens eine halbe Million Euro auftreiben. Andernfalls droht ein Baustopp. Man versuche, eine Umschichtung im Haushalt vorzunehmen, hieß es. Die Verwaltung erarbeite gerade Lösungsansätze. Auf alle Fälle muss der Stadtrat das weitere Vorgehen absegnen. Ob das in Kürze und ohne Reibungsverluste klappt, ist mehr als ungewiss.

Die Feuerstein-Arena erweist sich seit Jahren als Zankapfel und spaltet die Kommunalpolitik. Kritiker aus den Reihen der Linken, der Grünen, der CDU und der Wählergemeinschaft hatten frühzeitig die Bau- und Betriebskosten hinterfragt. Befürworter des Projektes kommen vor allem aus der SPD.

Eisstadion in Schierke: Inzwischen ist von mehr als neun Millionen Euro die Rede

Ihr Hauptargument: Das Eisstadion mit der geschwungenen Dachkonstruktion gilt - bei optimistischer Betrachtung - als unverzichtbarer Baustein der touristischen Entwicklung des Ortes.

Zumindest das reine Zahlenspiel gibt bislang nur den Skeptikern recht. Der ursprüngliche Finanzaufwand von drei Millionen Euro steht nur auf dem Papier. Inzwischen ist von mehr als neun Millionen Euro die Rede, die das Schmuckstück am Fuße des Brocken am Ende kosten soll. Kopfzerbrechen bereitet zunehmend auch die Frage, wie die Arena kostendeckend arbeiten soll. Ein Pächter lässt sich bislang einfach nicht finden.

Die Kommune plant die Arena „in Eigenregie“ zu betreiben. Allerdings erwartet man selbst dann ein jährliches Defizit von etwa 200.000 Euro. Ob das eine realistische Angabe ist, daran gibt es selbst im örtlichen Finanzausschuss erhebliche Zweifel.

100.000 Besucher pro Jahr sind im Eisstadion geplant

Wenn die angepeilten 100.000 Besucher pro Jahr ausbleiben, geht die Rechnung nicht mehr auf. Und das wäre nicht die erste böse Überraschung. Ähnlich verhält es sich beim neuen Parkhaus in der Ortsmitte. Statt der erwarteten rund 60.000 Fahrzeuge jährlich kommen nur 20.000 Autos. Das sind zu wenige, um die roten Zahlen zu verlassen.

Beim Landtagsabgeordneten Sebastian Striegel (Grüne) schrillen die Alarmglocken: „Wir sagen schon länger, dass das Wintersportkonzept in Schierke nicht nachhaltig ist, im Gegenteil. Deswegen finden wir es jetzt auch folgerichtig, dass das Geld vorerst nicht mehr fließt. Wir haben Sorge, dass sich die Stadt da hoffnungslos in etwas verrennt.“ (mz)