Ausstellung in Ballenstedt

Ein Kämpfer und Comic-Held

Das Stadtmuseum zeigt, wie unterschiedlich Albrecht der Bär über die Jahrhunderte dargestellt wurde.

Von Rita Kunze
Eine Ausstellung im Stadtmuseum Ballenstedt zeigt die Darstellung von Albrecht dem Bären, die sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert hat. (Foto: Rita Kunze)

Ballenstedt - Er hält das Kreuz hoch und schaut kühn nach vorn: So hat sich der Bildhauer Walter Schott (1861–1938) den Markgrafen Albrecht der Bär (um 1100-1170) vorgestellt. Die Berliner Rocker von Rammstein haben die Statue aus Kaiserzeiten in ihr bild- und wortgewaltiges Video „Deutschland“ aufgenommen, das wiederum ein Teil der aktuellen Ausstellung im Ballenstedter Stadtmuseum geworden ist. Albrechts wegen.

Als Standbild, genau gegenüber dem Eingang positioniert, gehört die Videosequenz gewissermaßen zu den Exponaten und zeigt, worum es geht: Wie wurde und wird die Person des Begründers Anhalts und der Mark Brandenburg wahrgenommen? Mit vielen Schaustücken und Bildtafeln wird verdeutlicht, wie sehr sich die Darstellung der historischen Person in mehr als 100 Jahren verändert hat - und welche Bandbreite von Interessen bedient wird.

Die Ausstellung zeigt Albrecht auf Münzen und in geschichtlichen Darstellungen, in Comics und auf Sammelbildern bis zur Interpretation durch die Nationalsozialisten, die Albrecht zum „Wegbereiter ins deutsche Ostland“ erklärten.

Viele private Sammlerstücke

Albrecht soll als „Sohn der Region“ gezeigt werden, von dem aber keiner sagen kann, wie er aussah, sagt Karl-Heinz Meyer. Als Mitglied des Hausordens Albrecht der Bär ist er maßgeblich am Zustandekommen der Ausstellung beteiligt, die von der Stadt Ballenstedt, dem Hausorden und dem Kulturverein „Wilhelm von Kügelgen“ gemeinsam präsentiert wird. Die Vorbereitungen haben mehr als ein Jahr gedauert, sagt Meyer. Ein Dank gelte Wolfgang Fischer vom Signa Graphic Design Atelier Fischer für die Unterstützung bei der Raumgestaltung. Viele der Schaustücke stammen aus Meyers Privatsammlung, andere sind Leihgaben unter anderem vom Ballenstedter Schlossmuseum und von Künstlern.

Die ersten Darstellungen Albrechts stammen aus dem Mittelalter. „Nicht wirklich lebensnah, mit den Symbolen seiner Macht“ habe man den Markgrafen dargestellt, so Meyer. Jahrhunderte später, in einem Kupferstich von Anton Friedrich König (1756-1838), wirkt der erste Markgraf von Brandenburg doch recht weichgezeichnet, während ihn eine Darstellung im Buch „Aus Anhalts Geschichte für Schule und Haus“ von 1895 beim „Einzug in die Mark Brandenburg“ schon in deutlicher Herrscherpose hoch zu Ross zeigt.

Münzen und Grafiken mit Albrecht-Darstellungen.
(Foto: Rita Kunze)

Schließlich kamen die Denkmale: 1896 schuf der Bildhauer Walter Schott im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. das Standbild von Albrecht dem Bären, das heute in der Zitadelle Berlin zu sehen ist. 1899 entstand für den Stadtpark in Ballenstedt ein Albrecht-Denkmal nach einem Entwurf des Berliner Bildhauers Arthur Schulz. Seit 1950 ist es verschollen, eine 1997 aufgestellte Sandsteinkopie wurde stark beschädigt. Aus DDR-Zeiten überliefert ist auch die Figur eines alten Ritters von eher trauriger Gestalt, die keineswegs an einen durchsetzungsfähigen Herrscher erinnert.

So reifte die Idee, ein neues Denkmal an einem neuen Standort aufzustellen. Auf dem Vorplatz des Ballenstedter Schlosses steht seit 2019 die jüngste Albrecht-Darstellung, die gänzlich anders ist als ihre Vorgänger.

Karl-Heinz Meyer erinnert sich an die Anfänge im Jahr 2009. Damals sei bedauert worden, dass Albrecht eine so geringe Wertschätzung erfahren habe. Das habe sich mit dem Jubiläum „Anhalt 800“ etwas gebessert, damals seien auch mit dem Quedlinburger Metallgestalter Jochen Müller die ersten Entwürfe für das neue Denkmal entstanden. Ganz unumstritten ist es nicht. Es bricht mit Sehgewohnheiten allein schon dadurch, dass der Markgraf nicht auf, sondern neben einem Sockel steht, auf Augenhöhe mit dem Betrachter und mit einem verspielten jungen Bären zu seinen Füßen - heldenhaft erscheint das nicht.

Mit der Präsentation der Entwürfe bis hin zum fertigen Standbild wolle man eine „Bedienungsanleitung zum Denkmal“ geben, so Karl-Heinz Meyer. „Albrecht wurde nicht entthront, sondern steht auf dem Boden der Realität.“ Ein Denkmal, setzt er hinzu, sei „immer ein Spiegelbild der gegenwärtigen Erinnerungskultur“.

„Albrecht der Bär“ in Plüsch und die Orden des Hausordens Albrecht der Bär.
(Foto: Rita Kunze)

Ritter als Comicfigur

Wie also sieht die Gesellschaft den mittelalterlichen Herrscher heute? Die Künstlerin Ilka Lörke beispielsweise zeigt ihn als „Batman the bear; Boss der Fledermäuse“ in der Pose eines Comic-Helden. Und sie blickt auf seine Beine: „Spiel- oder Standbein der Macht“ heißt die Serie, zu der das Bild gehört und zeigt, wie Albrecht - das christliche Kreuz mit der rechten Hand hochhaltend - seinen linken Fuß auf den Kopf einer slawischen Gottheit setzt. Schließlich liefert Lörke noch ein kleines, ikonenhaft anmutendes Porträt des Fürsten in Gold.

„Jeder kann sich ,seinen’ Albrecht so gestalten, wie er möchte“, zieht Karl-Heinz Meyer ein Fazit der Ausstellung, die eins deutlich macht: Das eine Bild des Markgrafen, das die Jahrhunderte überdauert hätte, gibt es nicht. Die Person ist vielschichtig, Quellen gibt es nicht allzu viele. Coronabedingt ist das Stadtmuseum derzeit geschlossen. Sobald eine Öffnung möglich ist, wird auch die Ausstellung für Besucher zugänglich gemacht. (mz)