Landkreis Harz

Landkreis Harz: Fische knabbern Patienten in Thale an

THALE/MZ. - In der Therme in Thale (Landkreis Harz), wo am Montag der erste Spatenstich für das Projekt stattfand, soll die alternative Heilmethode im großen Stil angeboten werden.

Von DOROTHEA HECHT
Zehnfacher Spatenstich auf dem 13 900 Quadratmeter großen Gelände gegenüber der Talstation der Seilbahn. Eröffnung soll im Januar 2011 sein. (FOTO: MICHAEL HESSE)

In der Therme in Thale (Landkreis Harz), wo am Montag der erste Spatenstich für das Projekt stattfand, soll die alternative Heilmethode im großen Stil angeboten werden.

Die Garra Rufa, das sind Fische aus dem türkischen Kangal-See, sollen vor allem Menschen helfen, die an Schuppenflechte leiden. "Die Fische ernähren sich von Eiweißen, die in den toten Hautpartikeln der Patienten vorhanden sind", erklärt Ernest Buck, Sprecher von "Therapiefisch System". Dahinter verbirgt sich eine neue, patentierte Therapiemethode, die neben Thale nur noch an zwei anderen Standorten in Deutschland angewendet werden soll.

Die Patienten sitzen dabei in Wannen, in denen etwa 100 Fische schwimmen, und lassen sich "beknabbern". Laut Buck sollen in Thale tausende Kangal-Fische gehalten werden und zehn Wannen ständig in Betrieb sein. Eine Therapie beinhaltet dabei etwa sieben Behandlungen, pro Tag soll das etwa 95 Euro kosten. Man sei, so Buck, im Gespräch mit Krankenkassen, die eventuell einen Teil der Finanzierung übernehmen.

Bisher wird die Therapie in Deutschland nur von wenigen Heilpraktikern eingesetzt. In Sachsen-Anhalt ist den Verbänden niemand bekannt. Heilpraktikerin Céline Vermee aus Andernach (Rheinland-Pfalz) hat mit Kangal-Fischen nach eigenen Angaben schon gute Erfahrungen gemacht. "Die Fische heilen zwar nicht vollständig, die Beschwerden lassen aber stark nach und die Haut wird besser", sagt Vermee.

Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie der Medizinischen Universität Wien aus dem Jahr 2005. Dabei gab es keine Testperson, die gar nicht auf die Therapie reagierte. Und im Gegensatz zu einer Cortison-Behandlung seien laut Studie keine Nebenwirkungen aufgetreten. Allerdings, so warnen Mediziner, müsse die Therapie unter strengen hygienischen Auflagen stattfinden, da die Fische Krankheiten übertragen könnten.

Diesen Ansprüchen hofft Thomas Balcerowski (CDU), Bürgermeister von Thale, mit dem Betriebssystem in der Therme gerecht zu werden. Da es 1,7 Millionen Menschen in Deutschland gebe, die an Schuppenflechte leiden, sieht er für seine Stadt großes Potential. "Ich denke, wir können die Therapie gut mit dem Tourismus verbinden."

Die Therme soll rund 19,7 Millionen Euro kosten. Den Zuschlag hatte eine Investorengruppe aus Leipzig und Stuttgart erhalten. Dank der Therme sollen rund 40 Arbeitsplätze geschaffen werden. Das 13 900 Quadratmeter große Gelände entsteht gegenüber der Talstation der Seilbahn. Die Eröffnung ist für Januar 2011 geplant.

Kangal-Fische werden in Thale eingesetzt. (FOTO: ARCHIV)