Jubiläum

Fraßdorf: 750-Jahr-Feier übertrifft alle Erwartungen

Fraßdorf - Die Zahl der Besucher der 750-Jahr-Feier am Sonnabend in Fraßdorf hat alle Erwartungen übertroffen. Ein dichtes Spalier säumte die Straßen des kleinen Ortes in der Stadt Südliches Anhalt, als kurz nach 10 Uhr der Festumzug ...

Von Claus Blumstengel

Die Zahl der Besucher der 750-Jahr-Feier am Sonnabend in Fraßdorf hat alle Erwartungen übertroffen. Ein dichtes Spalier säumte die Straßen des kleinen Ortes in der Stadt Südliches Anhalt, als kurz nach 10 Uhr der Festumzug vorüberzog.

In 35 Bildern stellten rund 150 Mitwirkende die Geschichte des 1266 erstmals erwähnten Ortes dar. Erstaunlich, was der Dorfclub mit dem Ortschaftsrat und der Freiwilligen Feuerwehr da auf die Beine gestellt hat, und das bei nur rund 200 Einwohnern.

Umliegende Orte wie Quellendorf mit seinem Dorfmuseum und Hinsdorf mit der Akkordeongruppe, mit landwirtschaftlichen Maschinen und der Feuerwehr-Kindergruppe „Löschbären“ haben den Umzug bereichert. Auch die Wäscherei Sitex aus Köthen und Fleischer Heiko Schmidt aus Zehmigkau waren mit liebevoll gestalteten Wagen vertreten.

Fraßdorfer wandeln auf Pfaden ihrer Vorfahren bei Umzug

Erstaunt stellte so mancher Besucher fest, dass Fraßdorf bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein sich nahezu selbst versorgen konnte. So waren im Umzug nicht nur historische Zeugnisse der einstigen Schule und des Kindergartens zu bewundern, hier gab es Bäcker, Schlachter, Schuhmacher, Gärtner, Maler, Müller, Stellmacher, eine Wäscherei, zwei Läden und sage und schreibe drei Kneipen.

Obwohl die letzte schon seit der Wende geschlossen ist, haben die heutigen Bewohner der einstigen Gaststätten Both in der Alten Lindenstraße und Hartge in der Etzdorfer Straße zur Feier des Tages vor den Häusern noch einmal Getränke ausgeschenkt. An Rößlers Ecke war das leider nicht mehr möglich, die Kneipe Ecke Etzdorfer Straße/Bäckerplatz wurde abgerissen.

In die Rollen der Bauern, Arbeiter und Handwerker waren nicht irgend welche Leute geschlüpft. Viele Fraßdorfer stellten im Festumzug ihre Vorfahren dar, andere wiederum wohnen heute in den längst geschlossenen Werkstätten, in der Schule, der Schnitter-Kaserne oder der Mühle.

Besonderer Wagen mit Kunstschmiederei

Ein wahres Prunkstück in dem Zug war die rollende Schmiede, ein gewaltiger Wagen mit Schmiedefeuer und Gerätschaften wie Amboss, Reifenbiegemaschine und Reibspindelpresse, der von einem Traktor Lanz Usus gezogen wurde.

Gerald Paetzel hat den Wagen vier Wochen lang aufgebaut, um an die Schmiede seines Großvaters Alfred und seines Vaters Gerhard zu erinnern, die 1768 in Fraßdorf gegründet worden war. Janos Bucs leistete auf dem Wagen am Schmiedefeuer Schwerstarbeit und hat den Festbesuchern dieses Handwerk auch am Nachmittag beim Schauschmieden veranschaulicht.

Fraßdorf feiert bis in die Abendstunden

„So etwas erlebt man doch nur einmal“, war immer wieder von Zuschauern und Mitwirkenden zu hören. Deshalb hatte sich auch Heike Mölle nicht lange bitten lassen, ist in die Arbeitskluft einer Postfrau geschlüpft und schob das schwere Dienstfahrrad mit Zeitungen, Karten und Briefen durch die Straßen.

Wie viele andere Mitwirkende hatte auch sie eine besondere Beziehung zu ihrer Rolle, ihre Familie wohnt in der ehemaligen Dorfpoststelle. In die Rollen der Konsum-Verkäuferinnen schlüpften Brigitte Elze und Ramona Geilke. Schauspielerisches Talent brauchten die beiden nicht, haben sie doch tatsächlich bis zur Schließung 1991 im Konsum auf dem Bäckerplatz gearbeitet, in dem Familie Elze heute wohnt.

Fröhliches Gedränge herrschte anschließend auf dem Festplatz, wo die eigens zur 750-Jahr-Feier wieder gegründete Fraßdorfer Schalmeienkapelle frenetischen Applaus erntete. Beim Tanz mit der „Acoustic GbR“ feiern die Fraßdorfer und ihre Gäste am Sonnabend noch bis in die späte Nacht. (mz)