Entscheidung wirft Fragen auf

Entscheidung wirft Fragen auf: Landkreis verleiht Corona-Impfstoff nach Magdeburg

Anhalt-Bitterfeld - In der Landeshauptstadt ist die Freude groß. In Summe 2.880 Impftermine stehen seit Dienstag bis zum 12. März in Magdeburg zur Verfügung. Geimpft wird gegen das Coronavirus: mit dem Vakzin von Astrazeneca und mit Dosen, die für den Landkreis Anhalt-Bitterfeld gedacht ...

Impfstoff aus Anhalt-Bitterfeld wurde nach Magdeburg weiter gereicht.

In der Landeshauptstadt ist die Freude groß. In Summe 2.880 Impftermine stehen seit Dienstag bis zum 12. März in Magdeburg zur Verfügung. Geimpft wird gegen das Coronavirus: mit dem Vakzin von Astrazeneca und mit Dosen, die für den Landkreis Anhalt-Bitterfeld gedacht waren.

50 davon reichen, um 500 Personen zu impfen. Es ist genau die Menge an Wirkstoff, die der Landkreis nun Magdeburg zur Verfügung stellt. „Ich kann den Sachverhalt bestätigen“, erklärt Anhalt-Bitterfelds Kreissprecher Udo Pawelczyk.  Und fügt hinzu, dass es sich um eine Leihgabe handele. „Bekommt Magdeburg wieder Impfstoff, bekommen wir die entsprechende Zahl an Dosen zurück.“

Entscheidung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld dürfte bei Ungeimpften für Unmut sorgen

Bei impfwilligen Einwohnern des Landkreises, die unter 65 Jahre alt sind und bislang nicht geimpft werden, dürfte diese Aktion dennoch für großen Unmut sorgen. In der Kreisverwaltung in Köthen geht man vom Ende der Leihe in der nächsten Woche aus. Ob dem  wirklich so ist, bleibt allerdings offen.

Denn Magdeburg rennt einem riesigen Bedarf an Impfstoff für die unter 65-Jährigen hinterher. Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra verweist auf eine Erklärung der Sozialbeigeordneten Simone Borris. Demnach habe man  darauf vertraut, dass der Astrazeneca-Wirkstoff schnell in Masse zur Verfügung stehen würde.

Unter Angehörigen medizinischer Berufe, Grundschullehrern und Erziehern wurde vor Wochen der Impfwunsch erfasst. Wunsch und Wirkstoffanzahl passten am Ende nicht. „Die Beigeordnete hat beim Sozialministerium nachgefragt. Anhalt-Bitterfeld hilft nun mit dem Impfstoff aus“, so Kinszorra.

In Magdeburg ist die Freude über den zusätzlichen Impfstoff groß

In Magdeburg verhehlt man die Freude nicht. Aber in Anhalt-Bitterfeld? Dort erklärt Pressesprecher Pawelczyk, „eine große Menge an Impfstoff“ zu haben. Am 18. Februar wurden  200 Dosen Astrazeneca geliefert. Für gestern waren weitere 120 Dosen angekündigt. Von großen Impfaktionen wurde  bisher nur eine einzige für gut 150 Personen am Samstag vor einer Woche bekannt. Gibt es keinen Bedarf in Anhalt-Bitterfeld?

Der Landkreis will sich erst heute zur  Impfstrategie äußern. Wie in Magdeburg wurde auch in Anhalt-Bitterfeld eine Befragung der für die Impfung in Frage kommenden Personen angeschoben. 124 Kitas, 37 Grundschulen und sieben Förderschulen hat der Kreis im Blick. Antworten auf seine Anfragen sollen ebenfalls bis heute eingereicht werden.
Bitterfeld-Wolfen hat es getan. „Uns liegt  am Schutz der Mitarbeiter in den Kitas und Horten“, sagt Stadtsprecher Detmar Oppenkowski. Man warte jetzt auf eine  Impfstrategie des Kreises.

In der Gemeinde Muldestausee ist man  einen Schritt weiter. „Wir haben für Erzieherinnen und Lehrer am Freitag einen  Impftermin in Pouch. Drei Personen, die nicht mit Astrazeneca geimpft werden sollen, werden im Wolfener Impfzentrum versorgt“, teilt Bürgermeister Ferid Giebler (parteilos) mit. In Sandersdorf-Brehna will Bürgermeister Andy Grabner (CDU) nicht ins Detail gehen. Er habe allerdings nach einem ersten Blick auf die  Rückmeldungen den Eindruck, dass sich die Impfwilligkeit bei dem in Frage kommenden Vakzin eher in Grenzen halte.

Warum ist der Landkreis bei der Erfassung der Impfwilligkeit langsamer als Magdeburg?

Ob der Landkreis seine Entscheidung für die Leihe des Impfstoffes an einer solchen vermeintlichen Zurückhaltung gegenüber der Impfung festgemacht hat, blieb am Dienstag unbeantwortet. Offen ist auch, warum der Kreis  bei der Erfassung der Impfwilligkeit und der Terminvergabe offenbar deutlich langsamer als Magdeburg agiert hat. (mz)