Kluge Köpfe, zu wenig Patente

Kaum Innovation in Sachsen-Anhalt: Kluge Köpfe, zu wenig Patente

Halle/Magdeburg - Viele Manager und Wissenschaftler in Sachsen-Anhalt sprühen vor Unternehmergeist. Warum hinkt das Land bei den Erfindungen dann hinterher?

Von Walter Zöller
Ein Schild vom Patent- und Markenamt in Berlin
Ein Schild vom Patent- und Markenamt in Berlin imago stock&people

In Sachsen-Anhalts Firmen, Hochschulen und Forschungsinstituten arbeiten viele kluge Köpfe, die herausragende Produkte auf den Markt bringen. Gleichzeitig hinkt das Land bei Innovationen im Vergleich zu anderen Bundesländern hinterher.

Diese Entwicklung wird an zwei aktuellen Beispielen deutlich: Das Leibniz-Institut für Länderkunde veröffentlichte eine Studie, wonach sich Sachsen-Anhalt bei den Patentanmeldungen 2015 weit hinten befand. Gleichzeitig wurde bei der Vergabe der Hugo-Junkers-Innovationspreise am Donnerstag in Magdeburg sichtbar, was Wissenschaftler und Unternehmer alles leisten.

89 Bewerbungen für Hugo-Junkers-Innovationspreise

Für den wichtigsten Forschungspreis Sachsen-Anhalts, der nach dem Ingenieur Hugo Junkers benannt ist, waren 89 Bewerbungen eingegangen. Unter den Siegern in den fünf Kategorien sind ein Jungunternehmer aus Halle, der ein Navigationssystem für Gebäude entwickelt hat, und Firmengründer aus Wittenberg, die den Einsatz von großen Batteriesystemen perfektioniert haben.

Auf einen ersten Platz kamen auch Forscher der Universitätsmedizin Halle. Sie entdeckten ein Verfahren zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs bei Mundhöhlenkrebs. Zweite und dritte Preise gab es für ein Doping-Testverfahren und einen Scanner, der schnell erkennt, ob eine Pflanze erkrankt ist.

Für Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sind die Wettbewerbsbeiträge „ein beeindruckendes Spiegelbild des Ideenreichtums und Unternehmergeists unserer Wirtschaft und Wissenschaft“. Die „immense Spannbreite“ zeige, welches Potenzial im Forschungs- und Innovationsstandort Sachsen-Anhalt stecke.

Kaum Erfindungen in Ostdeutschland

Das Potenzial ist aber noch nicht so ausgeschöpft, um bei den Erfindungen Boden gut zu machen. Wie das Leibniz-Institut herausfand, kamen 2015 in Sachsen-Anhalt nur 57 Anmeldungen von Patenten, Gebrauchsmustern und Marken (Schutzrechte) auf 100.000 Einwohner, bundesweit waren es 203, in Bayern 306. Schlecht sah es auch bei den absoluten Zahlen aus (siehe Grafik), wobei Ostdeutschland insgesamt nicht gut dastand.

Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle macht dafür vor allem strukturelle Gründe verantwortlich. Im Osten fehlten große Industriebetriebe mit starken Forschungsabteilungen. Mittelständische Betriebe hätten oft zu wenig Substanz für kostspielige Investitionen.

Sachsen-Anhalt auch bei Investitionen weit hinten

Das mache sich bei Patenten, aber auch Investitionen in die Forschung bemerkbar. Auch hier liege Sachsen-Anhalt hinten. Das deckt sich mit Angaben des Stifterverbands der Deutschen Wissenschaft. Danach flossen 2013 in Sachsen-Anhalt 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung, bundesweit waren es 2,8 Prozent. Dieser Trend wird auch für 2016 erwartet.

Die Landesregierung arbeitet nach Angaben von Willingmann daran, die Innovationsfähigkeit der Firmen weiter zu steigern. Kleinere und mittlere Betriebe sollen sich enger untereinander sowie mit den leistungsstarken Hochschulen und Forschungsinstituten im Land vernetzen. Das Land fördere gemeinsame Forschungsprojekte, die Einstellung von Innovationsassistenten und branchenübergreifende Innovationsprozesse. (mz)