Der Mann mit den Ponys

Wie ein Wethautaler mit seinen 34 Shetland-Ponys Kindern mit Behinderung hilft

Mario Metze betreibt ein kleines Gestüt in Söhesten. Warum sich der 49-Jährige einem Verein in Großbritannien angeschlossen hat.

Von Holger Zimmer
Mario Metze mit zwei seiner Shetland-Ponys auf der Weide
Mario Metze mit zwei seiner Shetland-Ponys auf der Weide Foto: Holger Zimmer

Söhesten - Mario Metze hofft mit jedem Tag, dass er wieder richtig loslegen kann. Mit seinen 34 Shetland-Ponys und in Zusammenarbeit mit einer Tierpsychologin aus Leipzig bietet er auf seinem Gestüt Wethautal tiergestützte Pädagogik für behinderte Kinder an. Der Name irritiert etwas in Söhesten im Grunautal, wo der 49-Jährige mit seiner Frau Nicole und fünf Kindern seit einigen Jahren lebt.

„Zuletzt war die Arbeit mit gehandicapten Mädchen und Jungen leider nicht mehr möglich“, wie er sagt. Er mag die kleinen ausdauernden Vierbeiner, zu denen noch zwei Welsh-Mountain gehören und ein Schwarzwälder Fuchs, mit dem er demnächst mit dem gezielten Muskelaufbau beginnen will, damit auch etwas größere Mädchen und Jungen reiten können.

Wethautaler stets den Tieren verbunden

Mario Metze stammt ursprünglich aus Bad Bibra. Schon Großvater und Vater haben Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen, Enten, Hühner und eben auch Pferde gehalten. Letztlich betrieb man mit ihnen Eigenversorgung. Er selbst lernte noch in DDR-Zeiten Schäfer und qualifizierte sich zum Meister. „Damals hat mir das viel Spaß gemacht und man wurde gebraucht.“ Doch Schäfer sind kaum noch gefragt, aber die Liebe zu den tierischen Zwei- und Vierbeinern ist geblieben.

Er selbst lebte inzwischen bei Beuditz im Wethautal bei Naumburg und machte nebenbei genau das, was er schon zuvor getan hatte. Er hielt weiter Tiere und sagt: „Wenn es ihnen gut geht, dann geht es auch den Menschen gut.“ Das hat mit Verantwortung zu tun. Gereicht hat das fürs tägliche Brot allerdings nicht und deshalb hat er bis vor einiger Zeit in Schlachthöfen der Region gearbeitet. Er hebt auf eine Frage, ob ihm das gefallen hat, die Schultern, weil das mit dem Töten von Rindern und Schweinen zu tun hat. „Es muss eben mit Strom oder Bolzenschussgerät so ausgeführt werden, dass die Tiere nicht leiden müssen.“

Shetland-Pony halten Regen und Kälte aus - gefährlich könnte der Wolf werden

In Söhesten kam zu einem Esel, mit dem eine ältere Frau nichts anzufangen wusste, bald eine Trakehner-Stute. Die Tiere wurden aber wieder verkauft. Denn als er mit einem Kumpel zu einer Pferdeschau gefahren ist, wurde er auf die relativ kleinen Shetland-Ponys aufmerksam, die ihn sofort begeisterten. Mario Metze erzählt, dass sie sehr pflegeleicht seien. Wie auf den zu Großbritannien gehörenden Shetland-Inseln würden sie Regen und Kälte aushalten. Derzeit hat er von einer älteren Frau eine Wiese zur Pflege übernommen, auf der genug Gras wächst, das er kurz hält. Sie allein würde das Mähen nicht mehr schaffen. „Hier haben die Ponys zu fressen und ausbüchsen könnten sie nicht.“

Die Angst vor Wölfen bleibe aber. „Die wurden schon bei Leipzig gesichtet und gegen sie würde ein 1,20 Meter hoher Weidezaun nicht schützen.“ Denn wenn ein alter Schäferhund drüber springen würde, dann auch ein hungriger Wolf. Selbst eine Wildkamera helfe da nicht. Metze schüttelt den Kopf angesichts dessen, dass sich in Sachen Wolf die Naturschützer durchgesetzt haben und die Jagd verboten sei. Gegenüber von Metzes Bauernhof hängt dann auch an der Koppel ein Plakat mit dem Bild des „Räubers“.

Siegerschleifen  an der Wand
Siegerschleifen an der Wand
Foto: Holger Zimmer

Preise bei Europa-Schauen in Deutschland mit seinen Shetlands eingeheimst

Der Pferdeliebhaber ist längst Mitglied in einem Verein für Shetland-Ponys in Großbritannien und bekommt für seine Tiere entsprechende Papiere von der Insel. „Damit umgehe ich auch die deutsche Bürokratie.“ Er hat zudem sein eigenes Gestüt angemeldet, damit niemand mit seinen Zucht-Tieren Schindluder treiben kann.

Der Mann zeigt dann im Gebäude seine Sammlung von gut einem Dutzend Schleifen. Die hat er bei Europa-Schauen in Deutschland mit seinen Shetlands eingeheimst. Der Vergleich liegt nahe zu Geflügelschauen, werden doch Hals, Kopf und ordentlicher Stand ebenso wie Schritt und Trab sowie Galopp begutachtet. Die Trophäen hängen an einem langen blauen Band, das er von einer weltweiten Schau in Neuseeland mitgebracht hatte. „Es war das einzige Mal, dass ich mir das geleistet und drei Jahre Urlaubsgeld investiert habe.“

Bei einem solch großen Gehöft samt Weideflächen müsse freilich die Familie mitziehen. Denn auch Ziegen, Bullen und Schweine mit Nachwuchs lebten hier. Eines der Kinder beispielsweise hilft auch schon beim Schlachten mit und probiert die ersten eigenen Wurstrezepte aus. Und auch beim Füttern kann er sich auf den Jungen verlassen. (mz)