Aus Not eine Tugend gemacht

Rassegeflügelzüchter machen aus drei Vereinen einen

Zorbauer, Borauer und Großkorbethaer haben aus der Not eine Tugend gemacht. Welches große Ziel die Mitglieder nun angehen wollen.

Von Holger Zimmer
Christoph Raue mit einer Modeneser-Taube, Manfred Braunschweig mit einem Schwarzen Rheinländer-Hahn und Klaus Hartmann mit Modeneser-Taube
Christoph Raue mit einer Modeneser-Taube, Manfred Braunschweig mit einem Schwarzen Rheinländer-Hahn und Klaus Hartmann mit Modeneser-Taube (Foto: Zimmer)

Hohenmölsen/MZ - An den Namen Rassegeflügelzuchtverein (RGZV) Zorbau 1890, Borau und Umgebung müssen sich Enthusiasten erst noch gewöhnen. Er schloss sich jetzt zusammen, wie der neue Vorsitzende des Gesamtvereins, Christoph Raue aus Kleben, sagte. Die Gespräche liefen allerdings schon seit dem Vorjahr. Grund war, dass vor allem die beiden kleineren Vereine aus Borau und Großkorbetha nur noch relativ wenige Mitglieder hatten.

So verweisen Manfred Braunschweig, bisher Vorsitzender des Borauer RGZV, und Klaus Hartmann vom Großkorbethaer Verein darauf, dass die jeweilig Stärke von zuvor zwölf Mitgliedern jetzt auf jeweils fünf Züchter geschrumpft ist. Das hat aber nichts mit der Fusion zu tun, die manche verärgert haben könnte. Denn die beiden Männer sagen, dass längst nicht mehr alle aktiv waren. Manche haben das Federvieh schon nicht mehr gezüchtet und waren passive Mitglieder des Alters wegen. So kamen manche nur noch zu den Mitgliederversammlungen, aber auch das war nicht durchweg der Fall.

„In DDR-Zeiten kamen viele Züchter nur zu uns, weil sie Futter bekamen.“

Braunschweig verweist auf den Boom in den 1970er Jahren und legt den Finger in die Wunde. „In DDR-Zeiten kamen viele Züchter nur zu uns, weil sie Futter bekamen.“ Und dieser Knackpunkt war auch der Grund, dass viele mit der Wende wieder ausgetreten sind. Schließlich gab es ja alles. Hinzu kommen verschiedene Krankheiten, gegen die man heute ein Vielfaches für die Impfungen zahlt. Das tut manchem weh.

Klaus Hartmann schaut auch weit zurück und spricht vom Jahr 1970. Als er angefangen hat, waren die Großkorbethaer mit 30 Mitgliedern ein großer Verein. „Sogar Kreisschauen haben wir ausgerichtet.“ Doch nach der Wende wurde es komplizierter. Man zeigte die Tiere in der Schulturnhalle und da musste die Hygiene stimmen. „Die Gesundheit der Kinder sollte nicht gefährdet werden und letztlich scheiterte es lediglich daran, dass keiner die Verantwortung übernehmen wollte.“ Ein anderes Problem sei der Nachwuchs. „Nur wenn Oma und Opa dahinterstehen, klappt es.“ Und so sind es viele Zuchtvereine, die Nachwuchssorgen haben.

„Wir wollten den Züchtern eine Alternative bieten“

„Wir wollten den Züchtern aber eine Alternative bieten“, sagt Christoph Raue. Denn wenn man gewartet hätte, dann hätte es passieren können, dass junge Leute zu den großen Vereinen in und um Leipzig abgewandert wären. Im Vorjahr musste man die für Ende November geplante Ausstellung wegen der Corona-Pandemie absagen, doch in diesem Jahr soll sie auf jeden Fall durchgeführt werden. Das gehöre laut Raue einfach zum Vereinsleben dazu. Schließlich habe man mit der Zorbauer Mehrzweckhalle ein Domizil, das man auch kostengünstig nutzen könne.

Der Vereinsvorsitzende schwärmt geradezu: „Es ist hell, so dass man die Tiere gut präsentieren kann. Auch genügend Parkplätze stehen gleich vor dem Eingang zur Verfügung.“ Die Planungen laufen, nun müsse man nur noch abwarten, wie sich die die Pandemie perspektivisch entwickelt.

Wir müssen alles langsam angehen und über alles reden. Dann klappt es.“

Letztlich haben die Partner im Zorbauer Verein insgesamt gut zehn Mitglieder verloren, doch bringen Borauer und Großkorbethaer noch zehn in den Zorbauer Verein ein, so dass die Mitgliederzahl bei 22 liegt. „Das ist etwas, worauf man aufbauen kann. Nun müssen wir nur noch richtig zusammenwachsen.“ Einfach wird es nicht, weil Zorbauer und Borauer vor Jahren mal zusammen gegangen waren und es aufgrund von Diskrepanzen dennoch nicht klappte. Christoph Raue sagt dann auch: „Wir müssen alles langsam angehen und über alles reden. Dann klappt es.“ Was sich der 34-Jährige Vater zweier Kinder außerdem wünscht, ist die Verteilung der Verantwortung auf viele Schultern.

Daneben muss auch der Klimawandel gemeistert werden. Denn weil das Futter wegen der Trockenheit für Gänse rar wird, gibt es einen Trend hin zu den Tauben. Hinzu kommt das Damoklesschwert Geflügelpest. „Wir hatten zwar keinen Fall, mussten aber wochenlang die Tiere im Stall lassen“, sagt Manfred Braunschweig.