Naumburger Sporttag

Naumburger Sporttag : In der Breite extrem stark

Naumburg - Er ist der Ausnahmeathlet unter den deutschen Gehern, und diesen Status hat Christopher Linke am Sonnabend beim Internationalen Straßengehen im Rahmen der Naumburger Sporttage erneut eindrucksvoll untermauert: Nur eine Woche nach seinem Sieg beim Meeting im tschechischen Podebrady gewann der WM-Fünfte vom SC Potsdam zum dritten Mal in Folge den nationalen Titel über 20 Kilometer. Mit neuer persönlicher Saisonbestzeit von 1:20:40 Stunden setzte er sich in der Wertung der Deutschen Meisterschaft souverän vor seinem Potsdamer Vereinskollegen Hagen Pohle (1:21:41) sowie dem Erfurter Carl Junghannß, der nach 1:22:51 Stunden ins Ziel kam, ...

Von Torsten Kühl 16.04.2018, 07:38

Er ist der Ausnahmeathlet unter den deutschen Gehern, und diesen Status hat Christopher Linke am Sonnabend beim Internationalen Straßengehen im Rahmen der Naumburger Sporttage erneut eindrucksvoll untermauert: Nur eine Woche nach seinem Sieg beim Meeting im tschechischen Podebrady gewann der WM-Fünfte vom SC Potsdam zum dritten Mal in Folge den nationalen Titel über 20 Kilometer. Mit neuer persönlicher Saisonbestzeit von 1:20:40 Stunden setzte er sich in der Wertung der Deutschen Meisterschaft souverän vor seinem Potsdamer Vereinskollegen Hagen Pohle (1:21:41) sowie dem Erfurter Carl Junghannß, der nach 1:22:51 Stunden ins Ziel kam, durch.

Obwohl er mit einer leichten Erkältung zu kämpfen hatte und erst kurz vor Podebrady aus dem Höhentrainingslager in Mexiko zurückgekehrt war, präsentierte sich Linke auf der Strecke sehr locker. „Das hat mich selbst ein wenig überrascht, dass ich eine so gute Zeit gehen konnte“, meinte der 29-Jährige, der nach eigener Aussage immer wieder sehr gern in die Domstadt kommt, aber ein wenig mit der Spitzkehre an der Wendemarke Theaterplatz haderte. Hinter Christopher Linke, der jetzt ein aussichtsreicher Kandidat für eine EM-Medaille bei den kontinentalen Titelkämpfen der Leichtathleten im August in Berlin ist, lieferte Hagen Pohle den geforderten Leistungsnachweis für ein Ticket zu den Europameisterschaften. Mit Rang 17 bei der WM im Vorjahr hatte er die vorzeitige Qualifikation für Berlin um lediglich einen Rang verpasst.

Nils Brembach, der dritte Potsdamer im Bunde, wurde bei seinem Saisoneinstieg nach überstandener Krankheit in Naumburg Vierter (1:23:18), ist aber für das 20-km-Rennen der EM bereits vornominiert, so Bundestrainer Ronald Weigel. Auf der langen, der 50-km-Strecke, hat Weigel mit Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden) und Carl Junghannß bereits zwei heiße Eisen im Feuer. Nathaniel Seiler vom TV Bühlertal könnte sich hier das dritte EM-Ticket holen.

Hat sich Ronald Weigels Arbeit und die seiner Trainerkollegen in den Vereinen im Männerbereich bereits seit einigen Jahren ausgezahlt - so stark war der deutsche Gehsport in der Breite seit den 1990ern nicht mehr -, so ist auch bei den Geherinnen ein erfreulicher Leistungstrend zu verzeichnen. Bestes Beispiel war der Wettbewerb am Sonnabend in Naumburg: Gleich drei Athletinnen knackten auf der 1-km-Schleife zwischen Theater- und Heinrich-von-Stephan-Platz die EM-Norm: Siegerin Emilia Lehmeyer (Polizei SV Berlin), Saskia Feige und Teresa Zurek (beide SC Potsdam). Das Trio startet eigentlich noch in der Altersklasse U23 und verbesserte ihre persönlichen Bestmarken jeweils um etwa zwei Minuten.

Siegerin Lehmeyer kam nach 1:32:49 Stunden ins Ziel, unter großem Jubel ihres Coaches Volker Umlauft-Berger. Der Mann der Nachwuchs-Bundestrainerin Manja Berger hatte schon während des Rennens gerufen: „Sagt doch dem Streckensprecher mal, dass hier auch die Frauen um die EM-Norm kämpfen.“ Was Jörg Lehmann dann auch verkündete, nachdem die Männer ihr Tagwerk vollbracht hatten. Doch die jungen Damen setzten dem Ganzen noch die Krone auf. Im Sog von Emilia Lehmeyer qualifizierten sich auch Feige (1:33:23) und Zurek, die auf die Sekunde die Norm erreichte (1:33:30) für die Europameisterschaften vor der eigenen Haustür in Berlin.

„Das ist ein großartiges Mannschaftsergebnis“, freute sich Ronald Weigel. Zum letzten Mal war Deutschland bei einem Saisonhöhepunkt vor sechs Jahren, bei den Olympischen Spielen 2012 in London, mit - allerdings nur zwei - Geherinnen vertreten (Melanie Seeger und Sabine Krantz). Naumburg scheint bei der 49. Auflage seines Meetings die Geburtsstunde einer neuen erfolgreichen Geherinnen-Generation erlebt zu haben.