Prozess gegen Naumburger

Kindstötung und sexueller Missbrauch? Im Gericht klicken die Handschellen

Von Matthias Voss
Mann in Handschellen
Mann in Handschellen (Foto: dpa)

Halle (Saale)/MZ - Die Überraschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Am Freitag klickten für einen 27-jährigen Naumburger im Landgericht Halle die Handschellen. Kurz zuvor erklärte der Vorsitzende Richter, dass dem Mann nach neusten Erkenntnissen nicht nur Kindstötung, sondern nun auch der sexuelle Missbrauch seines mutmaßlichen Opfers vorgeworfen wird. „Und weil Sie in der Vergangenheit mehrfach Aufforderungen der Polizei nicht nachgekommen sind, sehe ich Fluchtgefahr. Die Untersuchungshaft wird auf der Stelle angeordnet“, so der Richter.

Die Hand verbrüht

So endete der zweite Verhandlungstag, der zuvor zahlreiche neue Erkenntnisse durch Zeugen und Sachverständige zutage gebracht hatte. Eher beiläufig erwähnte der Richter aber, dass das Landeskriminalamt mehrere Gegenstände aus dem Zimmer des vor fünf Jahren in Naumburg gewaltsam getöteten Einjährigen mit Sperma-Spuren des Angeklagten gefunden habe. Zwei Gutachterinnen der Rechtsmedizin sollten das bestätigen. „Wir haben mehrere Blut- und DNA-Proben untersucht, konnten diese aber weder dem Angeklagten noch dem Kindsvater genau zuordnen“, erklärte eine 49-jährige Biologin. Umgekehrt wollte sie es aber auch nicht ausschließen.

Wesentlich belastender war dagegen die Aussage eines 52-jährigen Polizisten, der von mehreren Strafanzeigen in der Vergangenheit gegen den Naumburger wegen Misshandlungen von Kleinkindern berichtete. „Gerade ein kleiner Junge hat sehr detailliert beschrieben, was der Angeklagte mit ihm gemacht hatte“, so der Zeuge. Wenige Tage vor der Tötung soll der 27-Jährige zudem dem damals dreijährigen Bruder des Opfers die Hand verbrüht haben. „Von einer Zufälligkeit durch einen heißen Wasserstrahl kann nicht die Rede sein. Wir haben herausgefunden, dass es gut eine Minute dauert, bis das heiße Wasser über 50 Grad erreicht“, so der Polizist. Zudem erzählte er von Spermaspuren des Angeklagten auf einem Plüschtier.

Verdreckte Wohnung

Ein 56-jähriger Kollege von ihm berichtete von einer Vernehmung der Kindsmutter, die strikt einen Zusammenhang ihres damaligen Lebensgefährten, dem Angeklagten, mit der Tat verneinte. „Sie meinte, dass die Verletzungen auch schon eher hätten passiert sein können. Nämlich als der Kindsvater die Aufsicht hatte. Doch der hatte den Jungen da schon wieder zurückgebracht“, so der Polizist. Eine 44-jährige Beamtin, die am Tattag in die Wohnung gerufen wurde, berichtete, dass die Wohnung nicht den saubersten Eindruck gemacht habe, gerade Bett und Matratze des Opfers seien sehr verdreckt gewesen.