Fußball-Fan aus Reichardtswerben

Fan der Nationalmannschaft aus Reichardtswerben: Wie eine LSV-Fahne in San Marino an den Zaun kam

Reichardtswerben - Wie der Reichardtswerbener Tilo Schneider das Konterfei seines Heimatvereins beim deutschen WM-Qualifikationsspiel an den Zaun bekam.

Von Matthias Voss 03.01.2017, 09:09

Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihre Länderspiele austrägt, ist auch bei Auswärtsspielen immer ein mehr oder weniger großer Tross an Fans mit dabei. Um zu zeigen, wo man so herkommt, prangen dann Fahnen und Banner an den Zäunen der Stadien. Die sind meistens gut im Fernsehen zu erkennen, wodurch es „Halle/S.“ zum Beispiel schon seit Jahren zu einem bestimmten Bekanntheitsgrad gebracht hat. Beim Qualifikationsspiel der Löw-Elf im vergangenen Herbst in San Marino gab es aber diesbezüglich eine ganz besondere Premiere. Denn aufmerksamen Fernseh-Zuschauern dürfte vielleicht auch die Fahne des LSV Rot-Weiß Reichardtswerben aufgefallen sein.

Verantwortlich dafür ist Tilo Schneider aus Reichardtswerben. Der 62-Jährige hatte jahrzehntelang für die Rot-Weißen Fußball gespielt, ist natürlich nach wie vor noch Mitglied beim LSV und seit Sommer 2013 auch Mitglied im Fanclub der deutschen Nationalmannschaft. Zu letztgenannter Mitgliedschaft ist er durch seinen Schichtleiter Kay Spottog gekommen, mit dem er bis vor einem Jahr zusammen bei einer Kunststoffverarbeitungsfirma in Roßbach gearbeitet hatte.

Diverse Spiele des Weltmeisters besucht

„Kay ist in der Fanclub-Gruppe Leiha aktiv und hat mich überredet, mitzukommen. So war ich dann im März 2013 in Nürnberg beim Spiel gegen Kasachstan erstmals dabei und hatte sofort Feuer gefangen“, erzählt Tilo Schneider. Seitdem hat er diverse Spiele des Weltmeisters besucht, eine erste Auswärtsfahrt ging nach Norwegen.

Natürlich hatten aber auch seine Sportkameraden vom LSV Reichardtswerben davon Wind bekommen und „mich gefragt, ob ich nicht mal eine Fahne von unserem Verein bei einem Spiel aufhängen könnte“, so Schneider weiter. Doch das war schwerer als gedacht, weil das Platzieren solcher Banner vom Deutschen Fußballbund (DFB) streng reglementiert ist. „Da kann nicht einfach jeder so seine Fahne an den Zaun hängen. Auch da gibt es Vorschriften“, schmunzelt Schneider ein wenig über den typisch deutschen Bürokratismus.

Schneider nahm eine Fahne mit nach San Marino

Dennoch nahm Schneider eine Fahne mit nach San Marino, fragte im Bus bei seinen Vereinsfreunden aus Leiha nach und der entsprechend fürs Aufhängen beauftragte Jörg Härzer schaffte es tatsächlich, das Teil an den Zaun des Stadions zu hängen. „Mir wurde aber gesagt, dass das mal eine Ausnahme sei“, freute sich Schneider dennoch über den Coup und wurde bei der Rückkehr in Reichardtswerben entsprechend von den Rot-Weiß-Fußballern gefeiert. Auch wenn ihm ein kleines Missgeschick passiert war.

„In all dem Trubel hatte ich die Fahne in San Marino im Hotel liegen gelassen. Aber das war nicht so schlimm, weil der LSV hat noch genug davon übrig“, lacht Schneider. Die wird er so vielleicht auch brauchen, denn er will es nicht bei einer Eintagsfliege belassen, sondern es immer wieder versuchen. Das hatte er seinen Reichardtswerbener Sportkameraden bei einem Bierchen versprochen.

Tilo Schneider ist mittlerweile in der Altersteilzeit

Gelegenheit wird er dazu in Zukunft auch mehr bekommen. Denn Tilo Schneider ist mittlerweile in der Altersteilzeit, kann sich mehr um den Garten kümmern und dann natürlich auch um die Fanbesuche der Spiele der deutschen Nationalmannschaft. „Ja, ich könnte jetzt im Prinzip zu jedem Spiel gehen, wozu ich auch Lust hätte. Aber das ist natürlich eine Frage des Geldes“, gibt Schneider unumwunden zu, dass es ein teures Hobby sei. Dass er dann teilweise erst morgens um 6 Uhr von einem Spiel nach Hause kommt, sei dagegen kein Problem. Und auch seine Frau Elvira will er in Zukunft mit einbeziehen. Im Oktober will er das Qualifikationsspiel in Nordirland für einen einwöchigen Kurzurlaub mit ihr dort nutzen. „Wir fahren ja nicht als Fangruppe zu den Spielen, um uns zu besaufen. Da ist auch immer eine Menge Kultur drumherum. In Norwegen haben wir uns zum Beispiel Oslo genau angeguckt und waren auch am Holmenkollen“, erinnert sich Schneider gern.

Nur einen Nationalspieler hat er noch nicht persönlich kennengelernt. „Die Spieler machen sich direkt bei uns vor der Fankurve warm und kommen auch nach dem Spiel zu uns, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Aber ein Treffen wäre auch mal schön“, meint der Reichardtswerbener. Zumindest die speziellen Buttons für seine Mütze seien aber schon mal was Besonderes. Zu jedem Spiel gibt es so eine und die Sammlung von Tilo Schneider wächst und wächst. Nur die Anzahl der Reichardtswerbener Flaggen könnte in Zukunft schrumpfen, wenn mal wieder der Namenszug des heimischen Fußballvereins an einem Zaun hängen und Schneider dieses wieder liegen lassen sollte. „Das wird nicht passieren. Da werde ich dann besonders drauf aufpassen“, verspricht der 62-Jährige. Dem LSV Rot-Weiß Reichardtswerben soll es diese besondere Aufmerksamkeit recht sein. (mz)