Fahrschulen schlagen Alarm

Fahrschulen schlagen Alarm: Fahrlehrer im Burgenlandkreis werden knapp

Weißenfels - Die Schulen schlagen Alarm: Es gibt nur noch wenige Fachkräfte, die die Anfänger hinterm Steuer bis zur Prüfung bringen können. Warum das so ist.

Von Andrea Hamann-Richter 15.09.2019, 16:00

Fahrschulbesitzer im Burgenlandkreis schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Es gibt immer weniger Fahrlehrer. Seit Jahren sinken die Zahlen derer, die Anfängern Theorie und Praxis beibringen können. Hinzu kommt, dass viele der Lehrer, die jetzt noch arbeiten, bald in Rente gehen werden.

Anett Loth ist Fahrlehrerin in Weißenfels und sie kennt das Problem. Seit drei Jahren spüre sie den Fachkraftmangel. „Ich teile mir einen Angestellten mit einer anderen Fahrschule“, sagt sie. Denn auch das andere Unternehmen habe Personalmangel.

„Es ist ein schwieriger Beruf“

Sie vermutet, wo das Problem liegt: Der Beruf ist für viele Menschen unattraktiv. „Es ist ein schwieriger Beruf. Wir sind nämlich unterwegs, wenn die anderen Feierabend haben“, sagt sie. Die Frau meint die Nachmittags-, Abend- und Nachtstunden, in denen sie und ihre Berufskollegen auf den Straßen unterwegs sind, um den Schülern das Fahren beizubringen.

Nicht zu vergessen, so Loth, die Wochenenden, an denen sie unterrichten. Es wolle offenbar keiner mehr in diesem Beruf arbeiten, lautet auch die resignierte Vermutung aus der Fahrschule Damerau in Weißenfels. Dort wird ebenfalls der Fachkraftmangel beklagt.

Ausbildung kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld

Ebenso sieht das Friedemann Lange von der Fahrschule „Energy“ in Weißenfels. Die Bedingungen seien aber auch nicht die besten, sagt er. Seiner Meinung nach müssten sie verbessert werden, um den Beruf attraktiver zu machen. So wären beispielsweise staatliche Förderungen eine Idee, sagt er. Denn die Ausbildung koste nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Dafür müssen die Teilnehmer schätzungsweise 6.000 Euro berappen.

In Sachsen-Anhalt sind laut dem Fahrzeugtechnik-Überwachungsverein Dekra rund 300 Fahrschulen aktiv. „Es gibt schon noch Fahrlehrer“, sagt Wolfgang Prescher vom Landesverband der Fahrschulen. Und daher gebe es auch noch keine Wartezeiten für Fahrschüler. Nur werden die Fachleute immer älter, gehen in Rente und es rückt niemand nach. Daher seien die Fahrschulen schon jetzt ausgebucht bis zum Gehtnichtmehr, so Prescher.

Fahrlehrer müssen auch viel Herzblut mitbringen

Es sei tatsächlich die Arbeitszeit, die viele abschrecke, diesen Beruf zu erlernen. Dabei habe er durchaus auch schöne Seiten, wirbt er. „Wir haben viel mit jungen Menschen zu tun und wir lernen immer wieder andere Menschen kennen.“ Allerdings müsse der Fahrlehrer auch viel Herzblut mitbringen und viel Verständnis für die Schüler haben, sonst komme er in diesem Beruf nicht weit.

Und auf das Einkommen dürfe man auch nicht unbedingt schauen, gibt Prescher, der seit 40 Jahren Fahrlehrer ist, offen zu. In Sachsen-Anhalt liege der durchschnittliche monatliche Verdienst bei lediglich 1.800 bis 2.000 Euro brutto.

Fahrlehrer ist kein Ausbildungsberuf

Fahrlehrer ist kein Ausbildungsberuf. Ihn können nur Quereinsteiger erlernen - und sie müssen einige Bedingungen erfüllen. Voraussetzung dafür ist eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Lehrberuf oder eine gleichwertige Vorbildung sowie die Fahrerlaubnis in der Klasse, in der man ausbilden möchte.

Vor Beginn der Lehrproben ist eine sogenannte Anwärterbefugnis erforderlich. Außerdem müssen Anwärter mindestens 21 Jahre alt sein. Voraussetzung ist des Weiteren die erfolgreich abgelegte fahrpraktische Prüfung und die Fachkundeprüfung. Zudem benötigen Bewerber ein polizeiliches Führungszeugnis und sie müssen ihre geistige und körperliche Eignung nachweisen. In den neun Monaten Theorie bis zur Prüfung gibt es kein Einkommen.

„Im Burgenlandkreis haben wir derzeit keine gemeldeten freien Stellen für Fahrlehrer“, sagt indes der Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Weißenfels, Alexander Burkhardt. Weniger als drei Fahrlehrer seien zudem derzeit arbeitslos gemeldet. Eine Aussage, ob und gegebenenfalls wie viele Fahrlehrer bei Fahrschulen einen beruflichen Quereinstieg mit Qualifizierung absolviert haben, ist seitens der Agentur ebenfalls nicht möglich. Weiterbildungen hierfür habe es zuletzt nicht gegeben. (mz)