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Bäckerei Eisenschmidt in Rehmsdorf Bäckerei Eisenschmidt in Rehmsdorf: Was die dritte Generation anders macht

Von Yvette Meinhardt 21.11.2020, 12:00
Die Bäckerei Eisenschmidt in Rehmsdorf feiert in diesen Tagen ihr 75-jähriges Bestehen, Thomas und Gabi Eisenschmidt (Mitte) haben das Familienunternehmen vor einiger Zeit an Sohn Jan Eisenschmidt (r.) und seine Frau Simone (l.) übergeben.
Die Bäckerei Eisenschmidt in Rehmsdorf feiert in diesen Tagen ihr 75-jähriges Bestehen, Thomas und Gabi Eisenschmidt (Mitte) haben das Familienunternehmen vor einiger Zeit an Sohn Jan Eisenschmidt (r.) und seine Frau Simone (l.) übergeben. René Weimer

Rehmsdorf - Gabi und Thomas Eisenschmidt genießen ihren Ruhestand und sitzen im Pavillon im Garten. Er hat gerade frisches Grün geschnitten und sie gestaltet daraus Adventskränze. Doch eigentlich hätten das Paar einen Grund zum Feiern: Die Bäckerei Eisenschmidt besteht seit 75 Jahren.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg hat mein Vater Rudolf Eisenschmidt im November 1945 die Bäckerei übernommen“, sagt Thomas Eisenschmidt. Er hat später bei seinem Vater gelernt und es sei schon immer klar gewesen, dass er das Familienunternehmen weiterführen wird.

„Früher haben wir den altdeutschen Backofen noch mit Holz und Kohle geheizt"

„Früher haben wir den altdeutschen Backofen noch mit Holz und Kohle geheizt. Es war zwar körperlich eine schwere Arbeit. Doch mein Beruf hat mir immer Spaß gemacht“, sagt der heute 69-Jährige. 1974 hat er seine Meisterschule in Dresden absolviert und fünf Jahre später die Bäckerei der Eltern übernommen. Damals gab es stolze 78 traditionelle Bäcker in Zeitz und Umgebung.

Heute sind es nur noch ein halbes Dutzend übrig geblieben. Im gesamten Altkreis Zeitz gibt es gerade mal noch zwölf Bäcker, im ganzen Burgenlandkreis 38 (zum Vergleich: 1995 waren es 54) und im Bezirk der Handwerkskammer Halle sind es gegenwärtig 161 Bäcker (1995 waren es 402).

150 Kilometer an einem Tag

Nach der Wende begann auch in der Bäckerei Eisenschmidt eine neue Zeitrechnung. Am Haus wurde angebaut, Fenster erneuert und viel modernisiert. Der alte Ofen wurde durch ein neues Modell ersetzt. Er wird inzwischen mit Öl geheizt. Man kann die Temperatur und die Backzeit einstellen. „Mitte der 1990er Jahre haben wir allein für ein Zeitzer Pflegeheim täglich 200 Brote gebacken und geschnitten. Und ich kann mich noch erinnern, einmal habe ich 6.000 Brötchen in einer Schicht gebacken. Damals lag der Durchschnitt bei etwa 3.000 Brötchen“, sagt der Senior.

Seine Frau Gabi Eisenschmidt ist viele Jahre über Land gefahren und hat zahlreiche kleine Läden in den Dörfern der Elsteraue beliefert. Da kamen schnell mal 150 Kilometer an einem Tag zusammen. Vor sechs Jahren hat sich das Paar zur Ruhe gesetzt und Sohn Jan Eisenschmidt führt die Tradition mit seiner Frau Simone weiter. Beide haben in der Rehmsdorfer Backstube gelernt und setzten das Handwerk in dritter Generation fort.

Am 1. November hat in Rehmsdorf die Weihnachtsbäckerei begonnen

Am 1. November hat in Rehmsdorf die Weihnachtsbäckerei begonnen. „Den ersten Stollen haben wir schon gegessen, denn wir müssen ja probieren, ob er schmeckt“, sagt Jan Eisenschmidt. Daneben gibt es Lebkuchen und Spekulatius, Vanillekipferl und Teegebäck, Dominosteine und vieles mehr. „Etwa 90 Prozent aller Rezepte stammt aus der Familientradition“, sagt Jan Eisenschmidt. Vor allem beim Brot aus Natursauerteig ist bis heute handwerkliches Geschick gefragt. Da habe sich im Laufe der Zeit nicht viel geändert.

Und in der Corona-Pandemie würden jetzt wieder ein paar Leute mehr zum Bäcker im Dorf kommen. Doch auch die Wünsche der Kunden haben sich geändert: Die Nachfrage nach glutenfreier, lactosefreier und fructosefreier Ware ist gestiegen. Da ersetzt Dinkel den Weizen, gibt es eine Vielzahl an Körnerprodukten bei Brot und Brötchen. Die Individualität und das Handwerk ist es, was den Dorfbäcker von den Angeboten in den Supermärkten unterscheidet.

Buttercreme-, Nougat- oder Marzipantorten sind der Renner

Im Laufe der Jahre hat auch Simone Eisenschmidt ein eigene Ideen entwickelt und ein neues Standbein für das Familienunternehmen aufgebaut. Sie fertigt Torten für Hochzeiten und Einschulungen, Geburtstage und sonstige Familienfeiern. Selbst für den Heiligen Abend werden in Rehmsdorf neben Stollen auch Torten bestellt. Vor allem die klassischen Buttercreme-, Nougat- oder Marzipantorten sind der Renner zum Fest. Ihr kreatives Händchen für Torten hat sich längst über das Dorf hinaus herum gesprochen.

So kommen die Kunden mittlerweile auch aus Weißenfels, Altenburg und Naumburg. Die Auswahl ist groß: Da schmücken Lieblingsmotive aus Kinderserien die Torten, genauso wie die liebste Fußballmannschaft oder auch ein Star aus der Musikszene. „Im Konkurrenzkampf bei Brot und Brötchen mit den Supermärkten haben uns die Torten eine Nische im Markt geöffnet“, sagt Simone Eisenschmidt. Sie kümmert sich in der Weihnachtszeit um Plätzchen, Lebkuchen und Spekulatius, denn beim Dekorieren und bestreichen ist bis heute Handarbeit gefragt. (mz)