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Archäologische Schätze aus dem Tagebau Profen jetzt in einer App

Am Aussichtspunkt im Tagebau Profen kann man jetzt mit einer neuen App auf virtuelle Zeitreise gehen. Was es im Burgenlandkreis zu entdecken gibt.

Von Yvette Meinhardt 02.11.2021, 12:23 • Aktualisiert: 03.11.2021, 07:48
Landrat Götz Ulrich (CDU), Archäologin des Landesmuseums Halle, Dr. Susanne Friederich und Hohenmölsener Bürgermeister Andy Haugk stellen die neue App für „GlückAufARchäologie“  für den Tagebau Profen vor (v.l.n.r.)
Landrat Götz Ulrich (CDU), Archäologin des Landesmuseums Halle, Dr. Susanne Friederich und Hohenmölsener Bürgermeister Andy Haugk stellen die neue App für „GlückAufARchäologie“ für den Tagebau Profen vor (v.l.n.r.) (Foto: René Weimer)

Profen/dpa - Die quadische Prinzessin von Profen, Krieger mit goldenem Schild und Speer, Mammut und andere Schätze kann man seit Dienstag am Rande des Mibrag-Tagebaus virtuell entdecken. Denn am Aussichtspunkt Profen präsentierte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) eine neue Online-Anwendung. Gemeinsam befestigten Susanne Friederich vom LDA, Landrat Götz Ulrich (CDU) und Andy Haugk (parteilos), Bürgermeister der Stadt Hohenmölsen, einen QR-Code. Man kann den Code fotografieren oder scannen und sich unter dem Motto „GlückAufARchäologie“ mit Smartphone oder Tablet auf eine virtuelle Zeitreise begeben.

Bewegt man sich am Rande des Tagebaus, dann kann man sich Gegenständen wie Kriegern oder Grabstätten von allen Seiten nähern und betrachten. Man kann sie nah heranzoomen oder in den Weiten des Tagebaus verschwinden lassen. So bewegt man sich virtuell an Eisblöcken vorbei, um im nächsten Moment einer Mammutherde gegenüberzustehen. „In Zeiten der Pandemie muss man also nicht in ein Museum gehen, sondern kann sich unter freiem Himmel mit modernen Handys weiterbilden“, sagt Friederich, Leiterin der Abteilung Bodendenkmalpflege am LDA. Und plötzlich erscheine der Braunkohlenabbau in einem ganz neuen Licht. Denn nur durch den Kohleabbau waren archäologische Untersuchungen überhaupt erst möglich.

Neue App informiert über archäologische Grabungen im Tagebau Profen

Auf einer Fläche von 765 Hektar wurde bei der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) im Tagebau Profen-Schwerzau seit 15 Jahren gegraben. Dabei entdeckten die Archäologen unzählige Funde der mehrtausendjährigen Geschichte von Mitteldeutschland. „Etwa im dritten Jahrtausend vor Christus war die Region mit der heutigen Mode-Metropole Mailand und Gucci vergleichbar. So haben wir zum Beispiel wundervoll gearbeitete Tragetaschen für Babys gefunden. Sie waren mit unzähligen Hundezähnen verziert“, erklärt die Archäologin und schwärmt von den Funden im Tagebau.

Zu den Funden im Tagebau gehört weiterhin auch die quadische Prinzessin von Profen. Dabei handelt es sich um eine 30- bis 40-jährige Frau mit majestätischem Geschmeide der donauländischen Quaden. Ihre sterblichen Überreste wurden in der Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christus auf einem Bärenfell verbrannt und mit reichem Goldschmuck in einem römischen Bronzekessel beigesetzt. Ein Teil der Artefakte ist in der Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle zu sehen.

Mittels einem QR-Code werden Besucher des Tagebau Profen über archäologische Grabungen informiert.
Mittels einem QR-Code werden Besucher des Tagebau Profen über archäologische Grabungen informiert.
(Foto: Weimer)

Doch irgendwann einmal könnten all diese Funde auch hierzulande ausgestellt werden. „Wir verfolgen die Idee, ein Mitteldeutsches Bergbaumuseum in unserer Region aufzubauen“, sagt Landrat Götz Ulrich. Im politischen Raum bestünde darüber bereits Einigkeit. Die archäologischen Funde könnten dann ein Teil davon werden. Wo im Burgenlandkreis das Museum stehen könnte, darüber gibt es noch keine konkreten Aussagen.

„Wir befinden uns in einem Zeitalter der Transformation“, sagte Bürgermeister Andy Haugk. Und alle drei Redner betonten, dass man seine Wurzeln kennen müsse, um die Zukunft erfolgreich gestalten zu können. Die Region sei mehr als 200 Jahre mit der Gewinnung der Braunkohle verbunden gewesen, auch das solle mit diesem Projekt im Rahmen des Modellvorhabens „Unternehmen Revier“ dokumentiert und für die nächste Generation bewahrt werden. Dabei gliedert sich die virtuelle Präsentation in sechs Zeitscheiben, die von den Eiszeiten über verschiedene Phasen der Jungsteinzeit bis zur frühen römische Kaiserzeit reichen. Für die jüngste Vergangenheit stehen die „verlorenen Orte“, also jene Dörfer, die im 20. Jahrhundert dem Kohleabbau weichen mussten. Dazu gehört das Dorf Großgrimma, was an den Südhang von Hohenmölsen umgesiedelt wurde.