Artikel in der MZ vom 6. August 1990

Artikel in der MZ vom 6. August 1990: The Cure überzeugte Fans mit emotionsgeladenen Klängen

Leipzig - Endlich auch in der DDR: Rund 15 000 Anhänger der exzentrischen Pop-Gruppe "The Cure" um Robert Smith hatten sich auf der Festwiese vor dem Zentralstadion in Leipzig eingefunden (natürlich im entsprechenden Outfit: schwarze Sachen, bleich geschminkt, die Haare wild gestylt) und erlebten ein Konzert, bei dem die Emotionen in ungeahnte Höhen ...

Von Hans-Erdmann Gringer

Endlich auch in der DDR: Rund 15 000 Anhänger der exzentrischen Pop-Gruppe "The Cure" um Robert Smith hatten sich auf der Festwiese vor dem Zentralstadion in Leipzig eingefunden (natürlich im entsprechenden Outfit: schwarze Sachen, bleich geschminkt, die Haare wild gestylt) und erlebten ein Konzert, bei dem die Emotionen in ungeahnte Höhen stiegen.

"The Cure" unterwegs auf ihrer "Prayer"-Tour hatten in Sachsen Station gemacht, um ihrer hiesigen Fan-Gemeinde einen Querschnitt ihrer mittlerweile 13-jährigen Popgeschichte zu präsentieren. In der Besetzung Robert Smith (gui, voc), Laurence Tolhurst (key), Porl Thomson (gui), Boris Williams (dr) und Roger O'Donnel (key) zauberte die Gruppe vor allem ältere Titel von den LP's "Boy's Don't Cry", "The Head On The Door", "Japanes Whispers" und andere auf die Bühne, die mit Laser, Rauch und viel farbigem Licht die richtige stimmungsvolle Atmosphäre für das Zweieinhalbstunden-Konzert bot. Ganz im Gegensatz zu anderen Rockgrößen ließen sich die Engländer nicht lange bitten, und, obwohl sie eine anstrengende Fahrt von Prag gerade hinter sich hatten, gaben eine Stunde lang Zugaben für ihre DDR-Fans, die die Gruppe stürmisch feierten. "Ich glaube nicht, daß unsere Musik deprimierend ist", meinte Robert Smith in einem Interview,"sie beschreibt vielmehr Gefühls-Zustände und setzt sie dadurch frei und hebt sie auf."

Und der geschäftliche Erfolg gibt der Gruppe recht. 8 Millionen bisher verkaufter Schallplatten haben "The Cure" zu einer der erfolgreichsten Bands Europas gemacht, die sich jedoch nie in gängige Klischees pressen ließ und nie Kompromisse mit aktuellen Musiktrends einging. In einem kurzen Gespräch antwortete Robert Smith auf eine MZ-Frage zu seiner Meinung zu den gegenwärtigen Ereignissen in der DDR: "Ich kann nicht nachvollziehen, wie das Leben hier vor dem Fall der Mauer war. Aber ich glaube, man merkt, daß die Menschen sich jetzt viel wohler fühlen." Das erste Cure-Konzert in Leipzig war ein Beweis mehr für diese These. (mz)