Zukunftstag in alter Nudelfabrik

Zukunftstag in alter Nudelfabrik: Statt Nudeln Kunst und IT

Zeitz - Zukunftstag in alter Nudelfabrik in Zeitz. Wie eine Industriebrache zu neuem Leben erweckt wird und was weiter passieren soll.

Von Iris Richter 28.09.2020, 14:30

Wo einst Nudeln hergestellt und später Möbel verkauft wurden, gehen heute Künstler ein und aus oder tüfteln IT-Fachleute an ihren Computerprogrammen. Die Rede ist von der alten Zeitzer Nudelfabrik in der Paul-Rohland-Straße.

Vor gut drei Jahren hatten der Unternehmer Mathias Mahnke und Ehefrau Birgit aus Mannheim die Industriebrache erworben. Seither hat sich viel getan, ist wieder Leben in das zunächst leerstehende Objekt eingezogen. Und es soll weiter vorwärts gehen mit der vielfältigen Nutzung des Gebäudekomplexes. Wie genau das aussehen könnte, darüber wurde am Freitag im Rahmen eines Zukunftstages informiert.

„Wir wollen hier ein Ökosystem aus Kunst und Virtueller Realität (VR) schaffen“

Rund 50 geladene Teilnehmer konnten sich dabei anschauen, was in den zurückliegenden drei Jahren in der „Nudel“ passiert ist und welche Vorhaben derzeit in vollem Gange sind. „Wir wollen hier ein Ökosystem aus Kunst und Virtueller Realität (VR) schaffen“, macht Investor Mathias Mahnke, der drei weitere leerstehende Objekte in Zeitz erworben hat, deutlich. Man habe keinen Gesamtplan, sondern die Pläne würden mit den einzelnen Projekten kommen.

Ziel sei es, Netzwerke und daraus Synergien für die verschiedenen Themenbereiche zu schaffen. Derzeit seien verschiedene Räume temporär vermietet. Es gäbe fünf bis sechs Initiativen, die hier künstlerisch, aber auch im digitalen Bereich tätig sind. „Ich bin sehr zufrieden, wie sich alles entwickelt hat. Seit Anfang dieses Jahres konnten wir hier voll loslegen“, sagt Mahnke. Und er bezieht dies auch auf verschiedene Sanierungsarbeiten.

„Die alte Zeitzer Nudelfabrik steht sinnbildlich für den Strukturwandel“

So wurden an verschiedenen Stellen Heizungen installiert, gibt es einen neuen Küchenbereich, sind Übernachtungsmöglichkeiten in dem Areal geschaffen worden. Zudem wurden Co-Working-Plätze eingerichtet und damit auch Möglichkeiten des Austausches geschaffen. Während in den mittleren und unteren Etagen Künstler an ihren Werken arbeiten, hat sich in der oberen Etage ein junges Softwareunternehmen niedergelassen. Jenes Unternehmen versucht sich mit seinen Anwendungen in der Filmindustrie und der Computerspielszene zu etablieren, will aber auch ein Virtuelles Fortbildungszentrum für Rettungskräfte schaffen.

„Die alte Zeitzer Nudelfabrik steht sinnbildlich für den Strukturwandel“, machte denn auch Franziska Krüger, Leiterin der Stabsstelle „Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier“, beim Land Sachsen-Anhalt deutlich. Im Mitteldeutschen Revier stünden 4,3 Milliarden Euro für den Strukturwandel durch den Kohleausstieg zur Verfügung.

„Mit diesen Mitteln kann man aus Industriebrachen Orte des Neuanfangs schaffen"

1,6 Milliarden davon könnten auch in wirtschaftsnahe Infrastruktur unter anderem in die Kultur- und Kreativwirtschaft investiert werden. „Mit diesen Mitteln kann man aus Industriebrachen Orte des Neuanfangs schaffen. Kultur- und Kreativwirtschaft können die Innovationskraft einer Region stärken“, so Krüger. Die Nudel hätte das Zeug dazu, sich so zu entwickeln. Neue Ideen seien eine wichtige Zutat.

Auch der Zeitzer Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU), der aufgrund seiner coronabedingten Quarantäne per Video zugeschaltet war, lobte die Bemühungen in der „Nudel“, die von der Stadt Zeitz unterstützt würden. Es zeige, dass das Zusammenwirken von Privatengagement und städtebaulicher Entwicklung funktionieren kann. Thieme hoffe dabei für die weitere Entwicklung der alten Nudelfabrik auf Fördermittel aus dem Strukturwandelprogramm und sieht das Land in der Pflicht, das Projekt zu unterstützen. (mz)