Landtagswahl

Wähler wählen Waehler

Von Angelika Andräs und Torsten Gerbank 07.06.2021, 01:30
Lothar Waehler (AfD) holte im Wahlkreis Zeitz das Direktmandat.
Lothar Waehler (AfD) holte im Wahlkreis Zeitz das Direktmandat. Foto: René Weimer

Zeitz/MZ - Eines war im Wahlkreis Zeitz (41) lange vor der Landtagswahl am Sonntag klar: Nichts ist klar. Wer als direkt gewählter Abgeordneter in den neuen Landtag von Sachsen-Anhalt einzieht, das konnte nicht vorhergesagt werden. Die Stimmenauszählung versprach also Spannung. Mit der war’s aber schnell vorbei: AfD-Mann Lothar Waehler führte praktisch von Beginn an. Die kontinuierlichen Veröffentlichungen auf der Webseite des Statistischen Landesamtes zeigten den Mann aus Droßdorf bis Redaktionsschluss immer vorn - Arnd Czapek (CDU) als Zweiten dahinter. 1.28 Uhr in der Nacht gab es dann das vorläufige Ergebnis. Waehler holte 6.627 Stimmen, Czapek 6.392. Damit ist Lothar Waehler in Sachsen-Anhalt offenbar der einzige AfD-Kandidat, der für seine Partei ein Direktmandat geholt hat.

Im Wahlbezirk 1, Zeitzer Innenstadt, hatte das anders ausgesehen. Als Wahlvorstand Ines Will um 18 Uhr die Türen des Wahllokals schloss, hatten 396 Zeitzer ihren Stimmzettel in die Wahlurne geworfen. 124 von ihnen hatten ihre Stimme dem CDU-Kandidaten Arnd Czapek gegeben. Auf Lothar Waehler (AfD) entfielen 92 Stimmen. Andreas Exler von den Freien Wählern konnte 63, Katja Bahlmann von den Linken 42 Stimmen für sich verbuchen.

Lothar Waehler gab sich am Wahlabend selbstbewusst. Das Ergebnis sei doch zu erwarten gewesen, sagte er. „Wir haben doch gute Arbeit geleistet und wir haben das verdient. Wir fahren den Lohn für unsere Arbeit ein.“ Er fühle sich bestärkt für seine Arbeit. „Ich bin zufrieden“, sagte Wähler. Arnd Czapek war für die MZ nicht zu erreichen. Er sei mit seinen engsten Unterstützern zusammen, hieß es bei einem Anruf bei ihm zu Hause, den eine Frau entgegengenommen hatte. „Wenn das das Endergebnis ist, dann macht uns das traurig, wir hatten uns mehr versprochen“, sagte der Zeitzer CDU-Chef Ulf Altmann. Das war 21.35. Da waren 72 von 76 Wahlbezirken ausgezählt. Czapek lag 750 Stimmen hinter Waehler und hat am Ende den Abstand sogar noch verringert.

Der gute Trend von Andreas Exler bestätigte sich am Abend. Von null auf über zehn Prozent - das konnte der Zeitzer Kandidat der Freien Wähler als Erfolg für sich verbuchen, auch wenn die FW bei den Zweitstimmen deutlich darunter blieben. „Ich freue mich“, sagte Exler, „besonders, dass die Leute offensichtlich ganz bewusst ihr Kreuzchen bei mir gemacht haben. Es sind absolut über 2.000 Stimmen.“

Bereits bei der Landtagswahl 2016 hatte Czapek gegen den damaligen Landesvorsitzenden der AfD André Poggenburg das Nachsehen und musste aus dem Landtag ausziehen, dem er seit 2011 angehörte. Czapek polarisiert die Menschen in der Region. Die einen schätzen seinen Einsatz für Zeitz und die Dörfer ringsherum, andere werfen ihm vor, unrechtmäßig Flutfördermittel für eine Villa in der Baenschstraße eingesetzt zu haben. Der Fall war vor Gerichten verhandelt worden. Letztlich wurde Czapek freigesprochen. Das Urteil ist allerdings inzwischen aufgehoben. Eine neue Verhandlung steht an.

Im Wahlkreis 40 (Naumburg), zu dem der Raum Osterfeld gehört, hatte Daniel Sturm (CDU) aus Naumburg die Nase vorn. Und das deutlich.