Visionen für Strukturwandel

Termin in Zeitz: Neues Europäisches Bauhaus und Forum Rathenau sprechen über Zucker zum Häuserbauen

Im Carbon Cycle Culture Club geht es um neue Verfahren und Materialien als Baustoffe. Was die Zuckerrübe damit zu tun hat.

Von Angelika Andräs 25.03.2022, 14:06
Die Initiative  Neues Europäisches Bauhaus und Forum Rathenau haben zu einer hybriden  Veranstaltung über „Zucker als Baustoff“ eingeladen.
Die Initiative Neues Europäisches Bauhaus und Forum Rathenau haben zu einer hybriden Veranstaltung über „Zucker als Baustoff“ eingeladen. Foto: A. Andräs

Zeitz/MZ - Die Initiative Neues Europäisches Bauhauses in Sachsen-Anhalt hat am Mittwochabend zu einer Veranstaltung zum Thema „Zucker als Baustoff“ eingeladen. Nicht nur vom Thema her war das etwas Besonderes. Auch die Veranstaltung bot einen interessanten Aspekt, sie fand hybrid statt: Expertinnen und Experten diskutierten in Zeitz, Zschornewitz und digital und gingen auf Fragen ein. Die konnten beispielsweise über die Chatfunktion auf Youtube gestellt werden.

Geleitet wurde das hybride Event nicht zufällig von Professor Dr. Ralf Wehrspohn vom Forum Rathenau. Fiel die Veranstaltung doch in die Reihe Carbon Cycle Culture Club (C4). Regelmäßige Treffen des C4 finden seit November 2021 im Kraftwerk Zschornewitz statt. Dieses Mal gab es einen anderen Treffpunkt.

Wehrspohn machte es noch etwas spannend, aber spätestens bei der Bemerkung, dass auf diesem Gelände einst die Zuckerfabrik gegründet worden war, wussten Zeitzer Zuschauer Bescheid: Das Revierhaus der Brikettfabrik Herrmannschacht war Gastgeber. Was in unmittelbarer Nachbarschaft zu Südzucker - mit Zuckerfabrik und Bioethanolanlage - ja auch sehr passend war. Tony Saar, Vorstandsmitglied vom Verein Mitteldeutscher Umwelt- und Technikpark als Träger des Technikmuseums Brikettfabrik stellte natürlich das Museum kurz vor.

Perspektiven rund um Zucker als nachhaltiges Material für eine kreislaufbasierte Bauwirtschaft - was soll man sich darunter vorstellen? Erstaunlich viel, wie die Impulsbeiträge zeigten. Nachdem Franziska Krüger, Leiterin der Stabsstelle Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier, zu einigen Hintergründen und Vorhaben des Projektes Neues Europäisches Bauhaus informiert hatte, war auch die Verbindung von Zucker und Bauen noch einmal herausgestellt.

Sebastian Kunz, Senior Manager Catalysis and Carbohydrate Chemistry der Südzucker AG, wurde dann schon sehr konkret, was Zucker anging. So nannte er als Kernstrategie 2026+ neue pflanzenbasierte Lösungen - über den Lebensmittelbereich hinaus - als wichtiges Anliegen von Südzucker. Eine große Rolle könnte dabei die Zuckerrübe spielen: Sie sei eine ideale Quelle für biogenen beziehungsweise Kreislaufkohlenstoff.

Sie liefere Kohlenhydrate für Zucker, Stärke, Zellulose. Andererseits wandele die Pflanze CO2 mit Hilfe von Licht als Energiequelle wieder in Kohlenhydrate um. „Kohlenhydrate sind erneuerbare Kohlenstoffquellen“, so Kunz, „die Zuckerrübe ist die Feldfrucht mit dem höchsten Ertrag an fermentierbaren Kohlenhydraten pro Jahr und Hektar.“

Arvid Friebe, Geschäftsführer der Infra-Zeitz Servicegesellschaft mbH, sprach, da es ja letztendlich auch um den Strukturwandel ging, über Visionen für den Infra-Standort: von der braunen Kohle zur grünen Chemie. Als ein Leitprojekt nannte er den Bau einer CO2-Leitung vom Standort der Crop Energies in den Industriepark, ungefähr sieben Kilometer Luftlinie. „Damit wäre am Standort Zeitz grünes CO2 verfügbar“, so Friebe.

Wer sich die Veranstaltung noch einmal anschauen möchte, findet sie auf dem Youtube-Kanal vom Forum Rathenau: www.youtube.com