Ortsumgehung Theißen

Ortsumgehung Theißen: Was läuft gut und was hakt?

Theißen - Seit etwa einem Jahr ist die Umfahrung für Theißen in Betrieb. Was sich mit ihr im Ort verändert hat.

Von Torsten Gerbank

Weniger Verkehr, aber auch weniger Tankkunden, mehr Sicherheit, weniger Lärm: Seit die Theißener Ortsumfahrung vor etwas mehr als einem Jahr eröffnet worden ist, ist die Lebensqualität entlang der bisherigen Ortsdurchfahrt in Theißen spürbar besser geworden. Man könne nun nachts viel besser schlafen und im Sommer auch den Garten hinterm Haus mit viel mehr Ruhe genießen, sagen beispielsweise Karin Zausch und Günter Vontra.

Die 74-jährige Frau und der um vier Jahre ältere Mann sind direkt an der Zeitzer Straße zu Hause und damit genau an dem Fahrweg, der bis vor gut einem Jahr noch Bundesstraße 91 war. Vor der Eröffnung der lange geforderten Ortsumfahrung zum Weihnachtsfest 2019 sei es laut gewesen, immer wieder schwer, die Straße als Fußgänger zu überqueren oder aus einer Seitenstraße oder von einem Grundstück auf die B 91 aufzufahren.

Anfahrt zu Globus für Kunden „deutlich einfacher geworden“

Das sei heute alles anders, bestätigt auch Marco Hennicke. Allerdings gebe es auch eine Kehrseite. Über Jahre überwachte eine Blitzersäule den Verkehr auf der Straße. Die Säule ist nun von der Stadt demontiert worden. Seither, so habe Hennicke beobachtet, werde auf der Straße wieder schneller gefahren. Denn obwohl die Ortsumgehung längst geöffnet hat, nutze noch nicht jeder Fahrer, der es könnte, die neue Strecke. Karin Zausch und Günter Vontra würden es begrüßen, wenn Wegweiser der neuen Situation besser angepasst wären und es ein Verbot für schwere Laster geben würde, die Ortsdurchfahrt zu nutzen.

Für das Globus-Einkaufszentrum am Ortsrand von Theißen habe sich die Eröffnung der Ortsumfahrung ebenfalls positiv ausgewirkt, sagt Geschäftsleiter Stefan Schlag. Die Anfahrt zum Markt sei für die Kunden „deutlich einfacher geworden“. Und: „Vor allem die Ein- und Ausfahrt auf unseren Parkplatz hat sich durch den stark reduzierten Verkehr vereinfacht“, sagt Schlag. An der Ein- und Ausfahrt hatte es in der Vergangenheit eine Reihe von Unfällen gegeben. Nun sei der Bereich sicherer und entspannter nutzbar.

„Es fehlen uns zum Teil massiv tankende Kunden“

Aber auch die generelle Erreichbarkeit des Marktes habe sich verbessert, vor allem für Kunden aus Richtung Weißenfels und Hohenmölsen, die über die B91 anreisen. Sie haben nach Schlags Erfahrungen eine „freiere Fahrt“. Zum Beispiel sei der Bahnübergang in Theißen nun kein Hindernis mehr. Allerdings gibt es auch eine Kehrseite.

Weil nun nicht mehr so viel Verkehr am Markt vorbeirollt, „fehlen uns zum Teil massiv tankende Kunden“, so Schlag. Vor allem Pendler und sogenannte Spontantanker, die von der Preistafel angelockt waren, fehlen nun. Helfen könnte da ein Hinweisschild an der Umgehungsstraße beziehungsweise im Kreuzungsbereich. Die Umsetzung der Idee sei allerdings bisher an behördlicher Genehmigung gescheitert.

Auf der Ortsumfahrung haben sich 2020 insgesamt acht Unfälle ereignet

Laut Polizei haben sich im Bereich der Einfahrt zum Globusmarkt im Jahr 2020 vier Unfälle ereignet, bei drei von ihnen gab es demnach Leichtverletzte. Zwei der Karambolagen geschahen beim Abbiegen, zwei im sogenannten Längsverkehr. Im Jahr zuvor stehen in der Polizeistatistik sieben Unfälle zu Buche. Es gab Schwer- und Leichtverletzte. 2018 geschahen an der Einmündung ebenfalls sieben Unfälle.

Auf der Ortsumfahrung haben sich 2020 insgesamt acht Unfälle ereignet. Bei zwei von ihnen gab es laut Polizei Leichtverletzte. Drei Karambolagen waren Wildunfälle. Häufigste Unfallursache war ungenügender Sicherheitsabstand. Ein neuralgischer Punkt habe sich auf der etwa vier Kilometer langen Trasse bislang nicht herauskristallisiert. An der Straße gibt es laut Polizei die Möglichkeit der Geschwindigkeitsüberwachung. „Das Messen wurde bisher an dieser Stelle aber vernachlässigt, da die Messtechnik vorrangig an Unfallschwerpunkten zum Einsatz kommt“, so Polizeisprecherin Gesine Kerwien. (mz)