In Kayna sprudelt die Milch
Kayna/MZ. - Eine braune Bank mit silbernen Milchkannen steht Mitten auf dem neu gestalteten Markt in Kayna. Wer ganz genau hinschaut, der kann sogar die vielen Einstiche der Holzwürmer erkennen. Passanten schütteln ungläubig den Kopf. "Ist das etwa richtiges Holz? Das verwittert doch!"
Nein, ist es nicht. Und Steinmetz Christian Späte ärgert sich nicht einmal darüber, wenn nicht jeder gleich auf den ersten Blick erkennt, dass die nachgebildete Milchbank samt der vielen Kannen aus Beton gegossen ist. Das hat der Künstler auch so gewollt.
Damit der Überraschungen nicht genug. Die Milchbank vermag noch viel mehr. Als Brunnen richtig in Szene gesetzt, sprudelt das Wasser aus vier Kannen durch Schaumdüsen. "Das sieht dann aus wie Milch", erklärt Späte. Mit dem Entwurf seines Brunnens, für den der Kaynaer die Zustimmung vom Gemeinderat Kayna erhielt, erfüllt sich der Steinmetz einen Kindheitstraum. Das Dorf im Schnaudertal als Schlaraffenland, in dem die Milch in Bächen fließt.
Das hat Christian Späte als Kind schon mal erlebt. Als lebhafter Junge rannte er die abschüssige Bahnhofstraße hinunter. "Ein mit Milchkannen beladenes Fahrzeug musste wegen mir scharf abbremsen", erzählt Späte die Geschichte. Die Kannen kippten um, fielen auf die Straße und schon lief die Milch durch die Gosse. Eine bleibende Kindheitserinnerung. Wohl auch wegen des Nachspiels. Am Ende nämlich musste der Vater für den Schaden aufkommen.
Die Idee mit dem Milchbank-Brunnen hat noch einen anderen Hintergrund. "Heute kann sich kaum noch ein Kind unter einer Milchbank etwas vorstellen", sagt der Steinmetz. Der einst so beliebte Treff ist fast überall aus dem Dorfbild verschwunden.
Am Sonntag wird der Brunnen zum Weihnachtsmarkt eingeweiht. Dabei soll das Wasser kurzzeitig aus den Kannen sprudeln. Doch egal ob Winter oder Sommer: diese Art von Brunnen bildet zu jeder Jahreszeit einen schönen Blickfang.