Frust über ungleiche Maßnahmen

Frust über ungleiche Maßnahmen: Werden Hebammen aus der Schwimmhalle ausgegrenzt?

Zeitz - „Warum darf ich mit meinen schwangeren Frauen nicht mehr in die Schwimmhalle?“ Diese Frage treibt Hebamme Gabriele Knobloch aus Zeitz um. Das Schulschwimmen findet statt, der Reha-Sport am Mittwoch darf auch in die Schwimmhalle. „Beim Rehasport kommen sehr viele Senioren, die aus meiner Sicht zur Corona-Risiko-Gruppe gehören. Dass Schwangere zur Risikogruppe gehören könnten, wurde aus meiner Sicht noch nicht kundgetan“, sagt die erfahrene ...

Von Yvette Meinhardt

„Warum darf ich mit meinen schwangeren Frauen nicht mehr in die Schwimmhalle?“ Diese Frage treibt Hebamme Gabriele Knobloch aus Zeitz um. Das Schulschwimmen findet statt, der Reha-Sport am Mittwoch darf auch in die Schwimmhalle. „Beim Rehasport kommen sehr viele Senioren, die aus meiner Sicht zur Corona-Risiko-Gruppe gehören. Dass Schwangere zur Risikogruppe gehören könnten, wurde aus meiner Sicht noch nicht kundgetan“, sagt die erfahrene Hebamme.

Nutzung des Schwimmbades nur für Individualsport oder Berufssportler

Die Stadt Zeitz bleibt hart und verweist auf die aktuelle Eindämmungsverordnung vom 30. Oktober. Demnach zählen Schwangeren-Kurse nicht zu den zugelassenen Ausnahmen. In der Verordnung heißt es „Die Nutzung des Schwimmbades soll auf den für den Sportbetrieb notwendigen Personenkreis eingeschränkt werden.“

Dazu gehören zum Beispiel der Individualsport allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand, Sportbetrieb von Berufssportlern, Kaderathleten wie Olympia- und Landeskader, Rehabilitationssport und die Vorbereitungen und Prüfungen im Rahmen der Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe.

Schwimmen sei aus medizinischer Sicht für die Schwangeren sehr wichtig

Landrat Götz Ulrich (CDU) hatte gerade erst mitgeteilt, das „Schwimmunterricht wie bisher erlaubt bleibt. Das liegt daran, dass in den Schwimmhallen ein besonderes Hygienekonzept gilt und dort umgesetzt wird.“

„Warum soll das Hygienekonzept nicht bei uns angewendet werden, denn Hygiene wird in all unseren medizinischen Bereichen schon immer groß geschrieben“, sagt die Hebamme. Wenn jemand erkältet sei, würde er sowieso nicht zum Schwimmen kommen. Doch das Schwimmen sei aus medizinischer Sicht für die Schwangeren sehr wichtig.

„Es ist eine ganzheitliche Bewegung, der Auftrieb im Wasser macht gezielte Bewegungen auch mit einem dicken Bauch noch möglich“, sagt die Hebamme. Das Training wäre einmal in der Woche. Dann würden sich etwa zehn Frauen auf zwei Bahnen verteilen. „Ich kann wirklich keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen der Wassergymnastik des Rehasports und der Wassergymnastik für Schwangere erkennen.

Die praktizierte Ausgrenzung macht uns alle nur traurig“, sagt Knobloch. Denn alle Vorbereitungskurse für Schwangere musste die Hebamme auch absagen. „Einige Schwangere sitzen jetzt den ganzen Tag allein zu Hause, weil die Männer zur Arbeit gehen. Sie würden den Kontakt und den Austausch mit anderen dringend benötigen“, schätzt die Hebamme ein. (mz)