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Open Space in ZeitzCoworking Spaces: Nur ein Trend oder ein Modell der Zukunft?

Seit knapp einem Jahr gibt es das „World of Work“ in Zeitz. Doch wie lässt es sich in einem Coworking Space überhaupt arbeiten?

Von Sebastian Meyer Aktualisiert: 28.09.2023, 15:45
MZ-Volontär Sebastian testet für zwei Tage die Arbeit im „World of Work“ in Zeitz aus: Auch im Erdgeschoss lässt es sich gut arbeiten.
MZ-Volontär Sebastian testet für zwei Tage die Arbeit im „World of Work“ in Zeitz aus: Auch im Erdgeschoss lässt es sich gut arbeiten. (Foto: René Weimer)

Zeitz/MZ - Seit knapp einem Jahr ist das „World of Work“ (WOW) auf dem Roßmarkt im Herzen von Zeitz zu finden. Vor allem durch die langen Corona-Jahre hat das Homeoffice entscheidend an Bedeutung gewonnen. Eine Sache kommt dabei allerdings zu kurz: der Kontakt zu anderen Menschen. Dieses Problem sollen Coworking Spaces lösen.

Derzeit ist das Gebäude des „World of Work“ Coworking Space noch von einem großen Baugerüst eingehüllt und lässt von außen gar nicht so wirklich erahnen, was sich im Inneren des Gebäudes verbirgt: eine hochmoderne Büroanlage. Mit einer Karte oder einer Handy-App kann man das Büro betreten, nachdem die Karte an einen Sensor gehalten wurde.

In diesen Kabinen kann gearbeitet werden.
In diesen Kabinen kann gearbeitet werden.
(Foto: René Weimer)

Im Büro angekommen, begrüßt eine anwesende Mitarbeiterin alle Coworker, die Leute, die das WOW als ihren Arbeitsplatz nutzen, an der Rezeption. Nachdem die Wendeltreppe nach oben erklommen wurde, geht es im Obergeschoss an die Arbeit. Dort bieten drei abschließbare Büros und vier Plätze im Open Space insgesamt 16 Arbeitsplätze.

Doch auch das Erdgeschoss hat einiges zu bieten. Hinter der Rezeption befindet sich der Konferenzraum, den anwesende Firmen für Meetings oder ähnliches nutzen können. Der riesige Bildschirm lässt jede Grafik für alle gut sichtbar erscheinen. Zur Mittagszeit kann die für jedermann zugängliche Küche genutzt werden, um selbst zu kochen oder einfach nur Essen aufzuwärmen.

Communitybuilding spielt eine wichtige Rolle

Stilsicher platziertes Obst und Blumen verleihen dem Erdgeschoss die nötige Farbe. Die weiche Beleuchtung und der schöne Teppichboden erzeugen eine gewisse Wärme. In diesem entspannten Ambiente kann das Essen dann in der Lounge in bequemen, kleinen Sesseln oder an der Küchentheke verzehrt werden. Eine Möglichkeit, die dazu einlädt, mit anderen Coworkern über die Arbeit oder einfach nur das Leben ins Gespräch zu kommen.

Doch was genau sind Coworking Spaces denn nun? „Es ist eine Arbeitsgemeinschaft mit Flächen, die man mit anderen Coworkern teilt“, beschreibt es Christin Baumert, Chefin von „World of Work“. So gebe es für jeden sowohl Rückzugsorte, in denen in Ruhe gearbeitet werden könne, als auch sogenannte Open Spaces, die dazu dienen, mit Anderen ins Gespräch zu kommen. Ihre Aufgabe sei es, einen Mehrwert für die Coworker zu schaffen. Dazu zähle eben auch der soziale und menschliche Austausch: „Es geht auch um Communitybuilding und darum, Menschen zusammenzubringen.“ Hinzu kommen noch Start-up-Beratungen oder vor kurzem sogar eine Kunstausstellung.

Innen wird großen Wert auf eine moderne Einrichtung gelegt.
Innen wird großen Wert auf eine moderne Einrichtung gelegt.
(Foto: Sebastian Meyer)

Ihren Ursprung haben Coworking Spaces in den USA. Dort wurde im Jahr 2005 das erste seiner Art in San Francisco von Brad Neuberg, der als Erfinder des Coworking Space gilt, eröffnet, heißt es vom Bundesverband Coworking Spaces. Ein Konzept, das offenbar auch in Zeitz großen Anklang findet. „Wir waren von Anfang an ausgelastet“, sagt Baumert. Mit dem IT-Dienstleister „Dataport“ und der Stadt Zeitz gebe es bereits zwei Kunden, die ihre Büros für mehrere Jahre gemietet haben. Insgesamt habe man derzeit sieben bis acht Firmenkunden, die meisten davon seien junge Unternehmen. „Wir sind quasi ein Start-up, das andere Start-ups beherbergt“, scherzt Baumert lachend.

Die Entstehung des Coworking Space in Zeitz ist durchaus kurios. Christin Baumert entwickelte ein Nutzungskonzept für eine ehemalige Zekiwa-Fläche und schickte es an die Wirtschaftsförderung Zeitz. Da die Kommune gerade auch an einem Projektbüro arbeitete, entschied man sich, die Fläche auf dem Roßmarkt an Baumert, die in Zeitz verwurzelt ist, und ihren Mann, einen gebürtigen Zeitzer, zu geben. „Die Fläche stand zehn Jahre leer, es war ein brachialer Rohbau“, blickt Baumert zurück.

Am  Haus gibt es ein Baugerüst.
Am Haus gibt es ein Baugerüst.
(Foto: Sebastian Meyer)

Im September 2021 wurde ihre Firma dann schließlich gegründet. Mit Unterstützung der Sparkasse und eigenem Geld wurde die Fläche in ungefähr einem Jahr komplett neu ausgebaut. Dabei achteten Baumert und ihr Mann vor allem auf Qualität: „Menschen haben ein Gespür dafür, wenn sie in einem qualitativ hochwertigen Raum sitzen.“ Dieses Gespür würde ihrer Meinung nach zum Wohlfühlen beitragen. Auch die Nachhaltigkeit sei ein großes Thema gewesen. „Alles hier ist aus regionalen Quellen“, sagt die Chefin. Auf diesem Wege habe man das Geld an die Region zurückgeben können.

Ungefähr ein Jahr später blickt sie stolz zurück: „Ich glaube, unser Unternehmen tut der Zeitzer Innenstadt sowohl optisch als auch als Arbeitsplatz gut.“ Sie merke, dass das Engagement von ihrem Mann und ihr viele Menschen im Ort befeuert habe. „Wir sind Teil der Menschen, die noch an die Zukunft von Zeitz glauben“, sagt sie stolz.

Expansion geplant

Dementsprechend hat sie auch noch weitere Ziele und Visionen für die Zukunft. „Wir wollen ab dem kommenden Jahr einen Eventplan einführen“, sagt Baumert. Des weiteren möchte sie eine Online-Buchung anbieten. Es sollen allerdings auch noch bauliche Veränderungen vorgenommen werden: „Wenn der Bau abgeschlossen ist, soll noch ein Balkon kommen.“

Hinzu kommen Akustikelemente, die für eine bessere Geräuschisolierung sorgen sollen, und eine Telefonzelle. Das größte Ziel ist dennoch die Expansion: „Wir wollen das gleiche Konzept auf verschiedene Städte ausweiten.“ Einen genauen Zeitplan dafür gebe es noch nicht.