Besonderer Wintersport in Zettweil

Besonderer Wintersport in Zettweil: Skifahren mit Pferdestärke

Zettweil - Im südlichsten Zipfel des Landkreises schnallte Familie Schramm die Bretter an und ließ sich von Stute Celly ziehen. Wie die Idee entstand.

Von Yvette Meinhardt

Eine dichte Schneedecke verwandelte die Region in den letzten Tagen in eine wundervolle Winterlandschaft. Auch wenn die weiße Pracht jetzt wieder weg ist, sich am Dienstag Schnee mit Regen mischte, werden sich noch viele Menschen gern an den Schnee erinnern. So wurde in Ossig kräftig gerodelt, in Sprossen mit dem Kite Ski gefahren und in Breitenbach die Langlaufski angeschnallt.

In Zettweil hat sich Familie Schramm kurzerhand für den Wintersport entschieden und zum ersten Mal vor der heimischen Haustür die Abfahrtski angeschnallt. „Wir fahren seit vielen Jahren nach Österreich zum Skilaufen. Gerade jetzt hätten wir Urlaub, aber verreisen geht ja leider nicht“, erzählt Ulrike Schramm.

„So viel Schnee gab es in den letzten drei, vier Jahren in unsrer Region nicht"

Am Sonntag saß die Familie gemeinsam am Frühstückstisch und da entstand die Idee, die eigenen Pferde für den Wintersport zu nutzen. „So viel Schnee gab es in den letzten drei, vier Jahren in unsrer Region nicht. In Zettweil und Kayna lag viel mehr Schnee als zum Beispiel in der Elsteraue oder in Zeitz. Wiesen und Felder waren rund um Zettweil mehrere Zentimeter hoch verschneit“, erzählt Ulrike Schramm. So entstand die Idee zum Skifahren. Man habe im heimischen Stall nach verwendbaren Utensilien gesucht.

Man braucht neben normalen Sattel und Zügel zum Beispiel ein Kumt. Darunter versteht man einen steifen, gepolsterter Ring. Dieser wird dem Pferd um den Hals gelegt und erlaubt es dadurch, die Zugkraft in vollem Umfang zu nutzen. Dazu brauchte man noch ein langes Seil und natürlich ein Pferd. „Unsere Stute Celly ist sehr gemütlich. Wir haben sie gesattelt, das Kumt angebracht und los ging es“, erzählt Ulrike Schramm weiter.

„Die Art des Skifahrens hat richtig Spaß gemacht“

Ihre Tochter Leonie saß zuerst im Sattel. Ulrike Schramm schnallte sich die Abfahrtsski an und ließ sich ziehen. „Es funktionierte wunderbar. Der Schnee war am Wochenende noch schön kalt und dadurch auch hart, so dass er nicht an den Hufen des Pferdes kleben blieb“, erzählt Ulrike Schramm weiter. Mitten auf dem Feld dann Rollenwechsel, Reiterstiefel wurden gegen Abfahrtsstiefel getauscht. „Die Art des Skifahrens hat richtig Spaß gemacht“, sagt Ulrike Schramm. Der Schnee habe gereicht, es sei auch unproblematisch gewesen, die Balance auf den Ski zu halten. Und nach dem Ausritt bekam das Pferd eine Extra-Portion Möhren.

Mutter und Tochter sind in der Region als erfolgreiche Reiter bekannt. Beide gehören zum Reitverein Würchwitz, Ulrike Schramm auch zum dreiköpfigen Vereinsvorstand. Gerade mal 16 Mitglieder, darunter drei Kinder, zählt der Würchwitzer Verein. Damit zählt er zu den kleinsten im Burgenlandkreis. Und dennoch war es der kleinste Reitsportverein, der im vergangenen Jahr ganz kurzfristig im September das einzige Reitturnier im Kreis durchgeführt hat.

„In diesem Jahr wollen wir das 170. Kleefest feiern. Natürlich gehört da das Reitturnier und der Kampf um den Kleefest-Pokal dazu. Ich hoffe, dass wir unsere Wettkämpfe wieder vor Zuschauern austragen dürfen“, sagt Ulrike Schramm. Bis dahin werden Mutter und Tochter für das Turnier trainieren. Dazu haben sie in Zettweil einen Trainingsplatz. (mz)