Vorwürfe gegen Bitterfelder Lokal

Vorwürfe gegen Bitterfelder Lokal: Gast nicht bedient, weil er ausländisch aussieht?

Wittenberg/Bitterfeld - Ein Wittenberger unternimmt einen Ausflug nach Bitterfeld und wird enttäuscht. Liegt wieder ein Fall von Ausländerfeindlichkeit vor? Das Lokal dementiert die Vorwürfe.

Von Michael Hübner 12.09.2018, 10:12

Nicht jeder Gast ist in jedem Restaurant herzlich willkommen. Der Fall spielt aber im Nachbarkreis Anhalt-Bitterfeld. Betroffen ist ein Wittenberger, der davon in der MZ-Redaktion berichtet.

Demnach hat sich seine vierköpfige Familie am Sonntag zum Ausflug nach Bitterfeld entschlossen. „Es sollte ein schöner Tag besonders für meine Tochter werden“, erzählt das Familienoberhaupt. Es ist der zweite Geburtstag für das kleine Mädchen. Der Sonntag endet trotz aller Bemühungen der Eltern im Fiasko - phasenweise droht sogar ein Polizeieinsatz.

Die Auseinandersetzung im Restaurant zwischen Personal und Gästen - beide drohen mit dem Rufen der Staatsgewalt - ist heftig und findet in einem attraktiven Lokal statt. Die Besucher haben einem wunderbaren Blick in die Natur. Hier treffen sich Tagesbesucher, Einheimische, Wochenendurlauber und Feriengäste.

Doch das Servicepersonal - zumindest im Fall der Wittenberger - lässt auf sich warten. Dabei fängt der Streit ganz harmlos an. „Ich bediene hier nicht“, ist noch die freundlichste Antwort, auf den Versuch, etwas aus der Speisenkarte als Mittagbrot zu ordern.

Der Mann vermutet zunächst, dass seine Tochter, die zwischen den Stühlen krabbelt, nicht gerade für Begeisterung sorgt. Er kennt das. Er ist selbst im Wittenberger Stadtzentrum Kellner. Bei Kleinkindern ist eben erhöhte Aufmerksamkeil gefordert, erklärt er. „Aber ich bin immer zu meinen Gästen freundlich. Das ist eine Selbstverständlichkeit“, sagt der Kellner, der als Gast offensichtlich nicht sehr beliebt ist.

Es ist Sonntag, um 12.35 Uhr, als sich die Situation zuspitzt. „Raus mit Euch“, wird die Familie schließlich vom Personal aufgefordert. Der Kindergeburtstag ist beendet.

Der lautstarke Streit wird von anderen Gästen beobachtet. Die Kommentare sind deftig, Gäste rufen: „Scheiß Ausländer“. Doch das ist ein Irrtum. Der Mann ist ein Deutscher - er zeigt in der Redaktion seinen Personalausweis - und seine Frau ist eine Italienerin.

Aber dem Mann sieht man seine tunesischen Wurzeln an. Das, was ihm widerfahren sei, „ist nicht in Ordnung“, sagt Ben Khalifa Hichem verärgert in der Redaktion. So etwas würde in Wittenberg nicht passieren, ist er überzeugt - vor allem nicht in seinem Lokal.

In dem Bitterfelder Restaurant wird der Vorfall am Montagabend der MZ aber ganz anders geschildert. Demnach habe die Familie bereits um 11 Uhr das Lokal besucht. Allerdings gab es bei herrlichem Wetter nicht einen freien Platz auf der Terrasse. Deshalb sei das Quartett gebeten worden, noch einmal etwas später vorbei zu schauen. Doch die Situation habe sich nicht entspannt - auch 90 Minuten später immer noch nicht. Alle Plätze im Freien waren belegt. Und nur hier wurde bedient - im Gastraum selbst eben nicht.

„Wir sind unterbesetzt“, wird der MZ die Situation erklärt. Und der Vorfall spielt sich eben im Inneren der Gaststätte ab. Hier ist aber ein Tisch laut Ben Khalifa Hichem mit Deutschen besetzt. Daran entzündet sich der Zoff unter Kellnern. Der Lutherstädter forderte eine weitere Ausnahme. „Die dachten vielleicht, ich habe kein Geld“, vermutet Hichem.

Dabei bescheinigt der Wittenberger seinen Kollegen eben Ausländerfeindlichkeit. „Von diesem Vorwurf distanzieren wir uns klar“, heißt es dazu auf MZ-Anfrage. „Wir haben Gäste aus der ganzen Welt, die wir gern bedienen“, wird erklärt. (mz)