Tierschutz in Wittenberg

Tierschutz in Wittenberg: Tierheim steht in der Kritik

Wittenberg - Privatpersonen bemängeln die Lautstärke und den Umgang mit den Tieren.

Von Paul Damm 15.05.2019, 10:18

„Ein Volksfest lärmenden Ausmaßes“ - so beschreibt eine Gruppe von Privatpersonen aus Coswig den Tag der offenen Tür im Wittenberger Tierheim. In einem Schreiben an die Mitteldeutsche Zeitung beklagen sie sich über gravierende Mängel bei der Tierhaltung, der Organisation und dem Umgang mit den Tieren.

Zum Anlass ihrer Kritik nahmen die vier Personen den Tag der offenen Tür am 1. Mai. Dort haben sie sich nach eigenen Aussagen mehr als drei Stunden aufgehalten - das Gelände dabei genauestens unter die Lupe genommen. „Seit mittlerweile fünf Jahren gehen wir zum Tag der offenen Tür und schauen, was sich inzwischen getan hat“, erklärt Irena Gräwert.

In ihrem Brief ist die Rede von Stress für die Tiere, der durch laute Musik und knapp 2000 Besucher hervorgerufen würde. Zudem stellten sie den derzeitigen Tierbestand infrage und kritisierten den Umgang mit Spendengeldern.

Laute Musik im Tierheim

Jürgen Krause, Chef des Tierheimvereins, möchte diese Schilderungen nicht so stehen lassen. „Musik gibt es nur einmal im Jahr im Tierheim“, erklärt der Wittenberger. „In diesem Jahr haben wir extra berücksichtigt, dass die Lautsprecher möglichst weit von den Tiergehegen weg sind und sich der Schall in Richtung Straße ausbreitet.“

Krause ist davon überzeugt, dass der Geräuschpegel nicht zu laut sei. Zwar räumt er ein, dass der Tag der offenen Tür zu Stress für die Tiere führe. Man könne jedoch nicht auf die Musik verzichten: „Wir haben jedes Jahr Tanzgruppen, die brauchen einfach die Musik für ihr Programm.“ Diese Unterhaltung wiederum soll Gäste anlocken.

Heim verweist auf genug Platz

Die Kritiker schreiben außerdem: „Die Außenanlagen der Hundezwinger wirken trist, klein und karg.“ Auch diese Behauptung kann Jürgen Krause nicht nachvollziehen. „Ich habe ein offenes Ohr für jegliche Vorschläge, doch an den Gehegen gibt es nichts auszusetzen.“

Jeder Hund hätte einen Außen- und einen Innenbereich, einen Rückzugsort zum Schlafen und genügend Auslauf. „Wir haben mehr Gassi-Geher als Hunde “, berichtet Jürgen Krause und freut sich darüber.

Weiterhin monierten die vier Tierheimbesucher, dass ihnen die Besichtigung des Katzencontainers am Tag der offenen Tür ausdrücklich verwehrt wurde. Auch darauf hat der Vorsitzende des Tierheimvereins eine Antwort: „In diesem Container sind zur Zeit keine Katzen. Die Tänzer, die am Tag der offenen Tür da waren, haben dort ihre privaten Sachen aufbewahrt.“ Aus diesem Grund sei es verständlich, dass keine Fremden Zutritt zu dem Raum bekommen haben.

Ein letzter Punkt, den die Tierschützer bemängelten, ist der Einsatz von Spendengeldern. Sie finden es überzogen, dass die modernisierten Katzengehege eine verzinkte Ummantelung anstelle eines einfachen Volierendrahts erhalten haben.

Auch dazu nahm Jürgen Krause Stellung: „Wenn wir die nötigen Fördermittel vom Landesverband erhalten, können wir die Baumaßnahme in Angriff nehmen. Und aus welchem Grund sollen wir auf ein festes Gerüst verzichten, was viel länger hält als ein einfacher Volierendraht und nicht alle paar Jahre ausgetauscht werden muss?“ Diese Erklärungen des Tierheims, die Krause vortrug, akzeptieren die Tierschützer allerdings nicht. (mz)