Stiftung Christliche Kunst

Stiftung Christliche Kunst : Neue Ausstellung zieht ins Schloss ein

Wittenberg - Torsten Zugehör muss jetzt stark sein: Der schwebende Engel ist weg! Im Mai, zur Eröffnung der großen Sonderausstellung „Ernst Barlach - Käthe Kollwitz. Über die Grenzen der Existenz“, hatte Wittenbergs Oberbürgermeister coram publico den Wunsch geäußert, das Kunstwerk möge in der Stadt ...

Von Corinna Nitz 03.09.2017, 08:00

Torsten Zugehör muss jetzt stark sein: Der schwebende Engel ist weg! Im Mai, zur Eröffnung der großen Sonderausstellung „Ernst Barlach - Käthe Kollwitz. Über die Grenzen der Existenz“, hatte Wittenbergs Oberbürgermeister coram publico den Wunsch geäußert, das Kunstwerk möge in der Stadt verbleiben.

Vergangenen Mittwoch jedoch haben sie den Schwebenden abgeholt: Sie haben ihn von der Kette genommen, in eine Kiste gelegt und zu seinen Leihgebern nach Güstrow zurückgeschickt. So ist das. Alles hat ein Ende - auch diese Ausstellung, mit der sich die Stiftung Christliche Kunst Wittenberg am Reformationsjubiläum beteiligte.

Bund war bei der Sonderausstellung mit im Boot

Vieles war besonders an dieser Schau, etwa dass sie an drei Standorten in der historischen Altstadt zu sehen war. Und zum ersten Mal gehörte der Bund zu den Geldgebern, was angesichts des Gesamtwertes der Exposition, den Jutta Brinkmann vom Stiftungsvorstand mit 4,8 Millionen Euro beziffert, auch nötig war. Weitere Zuwendungen kamen Brinkmann zufolge von Land, Stadt, Kreis und Lotto-Toto.

Und noch eine Besonderheit sei erwähnt: die offenbar überwältigende Resonanz beim Publikum. So habe es am 27. August, dem letzten Tag der Ausstellung, die wie berichtet in Kooperation mit der Ernst-Barlach-Gesellschaft Hamburg entwickelt wurde, einen regelrechten Besucheransturm gegeben.

Seit Mai haben demnach über 7.000 Besucher die Schau in den neuen Räumen der Stiftung im Schloss gesehen. Dazu seien noch mehrere Tausend gekommen, die weitere Ausstellungsstücke wie das „Güstrower Ehrenmal“ (den eingangs erwähnten Schwebenden), den „Bettler“ oder „Mutter Erde“ von Barlach sowie Kollwitz’ „Mutter mit totem Sohn (Pietà)“ in den Außenstellen Schloss- und Stadtkirche besichtigten.

Viele hätten auch ihre Gefühle zur Ausstellung im Gästebuch der Stiftung zum Ausdruck gebracht. Dass die Schau ein wichtiger Beitrag gegen das Vergessen sei, heißt es an einer Stelle. Tatsächlich haben Kollwitz und Barlach in ihrem Schaffen ja entschieden die existenziellen Fragen ihrer Zeit aufgegriffen.

Gegenüber der MZ resümiert Brinkmann nun: „Die Leute waren hellauf begeistert.“ Was nicht verwundert, allein schon wegen der Auswahl und der Vielzahl der Objekte. Auch insoweit sei es die bislang größte Exposition gewesen, die bei der Stiftung Christliche Kunst in Wittenberg bis dato realisiert werden konnte.

Heraus aus dem Depot

Während nun die druckgrafischen und plastischen Werke zu ihren jeweiligen Leihgebern (Barlach-Gesellschaft Hamburg, ifa-Institut für Auslandsbeziehungen Berlin u. a.) zurück geschickt wurden, haben sie im Schloss schon die nächste Ausstellung aufgebaut. Sie titelt „Durch die Liebe wird der Mensch besser“ und nimmt Bezug auf Martin Luthers 44. These, in der es vollständig heißt: „Denn durch ein Werk der Liebe wächst die Liebe, und der Mensch wird besser. Aber durch Ablässe wird er nicht besser, sondern nur freier von der Strafe.“ Präsentiert werden Highlights der stiftungseigenen Sammlung, die zugunsten von Barlach und Kollwitz monatelang eingelagert waren. Auch bisher „verborgene Schätze“ sollen gezeigt werden.

Inhaltlich gehe es vor allem um die schon in der Bibel beschriebenen Schlagworte wie Freundschaft, Brüderlichkeit, Mitgefühl und Liebe. „Aber auch der Gegenspieler der Liebe, der Hass, kommt nicht zu kurz. Was geschieht, wenn der Mensch sich von Narzissmus, Angst und Hass leiten lässt?“, lautet die wohl eher rhetorische Frage. Sichtbar gemacht werden die Gegensätze jedenfalls auch in den Druckgrafiken, die in der Herbstausstellung versammelt sind. Besucht werden kann sie ab Montag. Eine Eröffnungsfeier soll es Brinkmann zufolge nicht geben.

››Zu den Künstlern, deren Werke in der neuen Herbstausstellung gezeigt werden, gehören u. a. Franca Bartholomäi, Georg Baselitz, Max Beckmann, Joseph Beuys, Marc Chagall und Michael Triegel. Hier stehen weitere Infos.

(mz)