Stadtbibliothek in Wittenberg

Stadtbibliothek in Wittenberg: Ein neues Kapitel

Wittenberg - Die Hauptstelle in der Schlossstraße wird 2019 zu einer modernen Bücherei umgebaut. 840.000 Euro stehen dafür zur Verfügung. Die Lutherstadt muss davon 280.000 Euro tragen.

Von Irina Steinmann

Die Stadt macht jetzt Ernst mit den Umbau ihrer Bibliothek. Nachdem wie berichtet im Dezember Fördermittel bewilligt worden sind, soll ab 2019 am bisherigen Standort in der Schloss-Straße 7 gebaut werden, dort, wo die Hauptstelle der kommunalen Bücherei seit 1964 ansässig ist.

Als Bauzeit werden dann etwa neun Monate veranschlagt, sagte am Freitag die Leiterin des Fachbereichs Gebäudemanagement in der Stadtverwaltung, Gabriela Günther.

Lindenfeld verworfen

Das aus dem Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ zu finanzierende Vorhaben hat einen Gesamtumfang von rund 840 000 Euro, der Eigenanteil der Stadt hiervon beträgt etwa 280 000 Euro. Nach der Grundsatzentscheidung zugunsten des Verbleibs am bisherigen Standort statt eines Umzugs ins Bildungszentrum Lindenfeld steht das laufende Jahr ganz im Zeichen der Planungen bzw. Ausschreibungen.

Wie bereits vor einigen Wochen berichtet, wird das Haus grundlegend umgebaut, so dass es neben der herkömmlichen Ausleihe auch die Funktion eines Kommunikations- und Veranstaltungsortes deutlich besser erfüllen kann als bisher. Büros verschwinden ins Obergeschoss, damit das gesamte Erdgeschoss den Besuchern zur Verfügung steht.

Der Hof wird zu diesem Zweck zum Teil überdacht, zum Teil als grüne Oase erhalten. Eine interessante Neuerung betrifft auch die Eingangssituation: Die Tür rückt in die Mitte der Fassade, ohne dass diese groß verändert wird.

Man werde hierfür einfach eines der Fenster nutzen, sagte Günther unter Verweis auf die bereits jetzt vertikale Gliederung der Fassade. Der alte Eingang führt dann nur noch ins Treppenhaus des Gebäudes, wo sich auch Wohnungen befinden.

Nachdem die Stadt das Gelände im Süden des Objekts dazuerworben hat, sollen dort unter anderem Parkplätze und eine Fläche für Veranstaltungen entstehen, sagte Bürgermeister Jochen Kirchner. Das Konzept für die Außenanlagen werde allerdings gerade erst erarbeitet. Nicht enthalten sind in den Kosten von 840.000 Euro die Mittel für die Ausstattung.

Dafür, räumte Anett Brachwitz ein, „suchen wir noch einen Topf“. Schon allein von daher ist es ein großer Vorteil, dass Wittenberg als Partner eine Hochschule gewinnen konnte: Studenten der HTWK Leipzig werden - kostenfrei - Ideen für die Ausstattung einer modernen Wittenberger Stadtbibliothek entwickeln.

Beginnend mit dem Sommersemester soll dies geschehen, die fertigen Entwürfe erwarte man m Sommer, sagte Brachwitz, Leiterin des Wittenberger Bildungseigenbetriebs „KommBi“, zu dem neben Kitas und Grundschulen auch die Stadtbücherei gehört.

1.900 registrierte Nutzer

Die blickt nach Aussagen ihrer Leiterin Katrin Hanß auf ein „alles in allem sehr gutes Bibliotheksjahr zurück“. Als Belege hierfür nannte Hanß insbesondere die Sanierung der Zweigstelle in Piesteritz und eben die Standortentscheidung pro Schloss-Straße.

Knapp 1.900 registrierte Nutzer, mehr als 37.000 Besuche in der Zentrale und den Nebenstellen sowie gut 100.000 ausgeliehene „Medien“ (davon das Gros nach wie vor Bücher) lassen die Bibliotheksleute offenbar optimistisch in die Zukunft blicken. Auch die Zahl der Veranstaltungen - 127 waren es im vergangenen Jahr - habe sich weiter erhöht, so Hanß; gegenüber 2011 liege der Anstieg sogar bei 74 Prozent.

Erst seit kurzem verfügt die Bibliothek überhaupt über einen Veranstaltungsraum, der diesen Namen verdient. 2017 gab es auch Ausstellungen darin, etwa von der regionalen Künstlerinnengruppe „Alba Blau“.

Neben der Teilnahme an bereits seit längerem bewährten landes- oder bundesweiten Veranstaltungen wie etwa der Bibliothekswoche oder dem Lesesommer XXL, haben die Wittenberger, wie Hanß weiter berichtet, auch eine eigene Veranstaltungsreihe eingerichtet: Unter dem Titel „Wollen Sie die ersten sein?“ präsentiert sie Neuerwerbungen, bei der letzten Veranstaltung hätten die Stühle kaum gereicht.

Eine moderne Bibliothek in der Schloss-Straße werte auch die Altstadt insgesamt auf, betonte Kirchner. Dass die Bibliothek seit Gründung 1872 immer irgendwo im Zentrum angesiedelt war, dürfte dies unterstreichen. Möglichst nah am Zentrum soll sich während der Bauphase dann auch das Ausweichquartier befinden. Wo dies sein werde, stehe allerdings noch nicht fest. (mz)