Hofkonzert

Spendenaktion bei Konzert von Phil-Collins-Coverband

Die Hofkonzertsaison 2021 erfährt auf der Schlosswiese ein großes Finale mit der Coverband „Phil“. Wie die Spenden-Aktion für die Flutopfer läuft.

Von Erhard Hellwig-Kühn 26.07.2021, 09:41
Am Freitagabend erfreute das Leschenko-Orchester aus Leipzig die Besucher des vorletzten Wittenberger Hofkonzerts dieser Saison.
Am Freitagabend erfreute das Leschenko-Orchester aus Leipzig die Besucher des vorletzten Wittenberger Hofkonzerts dieser Saison. (Foto: Thomas Klitzsch )

Wittenberg - Der Kunstverein Wittenberg wagte es als einer der ersten, die Kultur, die Konzerte, das fröhliche Beisammensein im Rahmen von Großveranstaltungen wieder salonfähig zu machen. Die knapp zehntägige Wittenberger Hofkonzert-Saison 2021 ist nach fünf ausverkauften Veranstaltungen mit dem Phil Collins-Revival am Samstag vor gut 800 Zuhörern auf der Schlosswiese schon wieder zu Ende gegangen.

Umfangreiche Maßnahmen

Und wieder einmal bestach die hochprofessionelle Organisation des ehrenamtlich agierenden Vereins, waren doch die umfangreich angeordneten Corona-Sicherheitsmaßnahmen zu beachten: Nur gegen Covid geimpfte beziehungsweise negativ getestete Besucher waren zugelassen. Der Zutritt war somit streng reglementiert und mit einem hohen Organisationsaufwand verknüpft.

Angesichts der fürchterlichen Flutkatastrophe vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz und den leidlichen Erfahrungen in den Jahren 2002 und 2013 in unserer Region wurden die beiden letzten Konzerte auch dafür genutzt, um Spenden für die Flutopfer zu sammeln. Dies geschah im Verein mit dem örtlichen Rotary-Club, denn einige der Kunstverein-Aktivisten sind ebenfalls in dieser Charity-Organisation engagiert.

Die Spendenbereitschaft ist enorm, 34.892 Euro seien bereits für die Flutopfer eingegangen, so Stephan Hammersen vom Kunstverein und Rotaryclub. Wie am Vortag wurde darüber hinaus auch bei den Konzertbesuchern um Spenden gebeten. An diesem „Phil-Abend“ kamen bei der Sammelaktion an den Tischen allein 4.642,83 Euro zusammen.

Triptychon bringt 15.170 Euro

Und noch ein Highlight gab es präsentieren, das in Kooperation zwischen Kunstverein und der Wittenberg Marketing GmbH initiiert wurde: Das anlässlich des ausgefallenen diesjährigen Stadtfestes „Luthers Hochzeit“ entstandene Triptychon, eine sechs Meter umfassende Darstellung Wittenberger Baudenkmäler, das während der Hofkonzerte versteigert wurde, ging an die Firma VNG AG Leipzig, in dessen Aufsichtsrat unter anderem der Geschäftsführer der Stadtwerke Wittenberg sitzt.

Jürgen „Phil“ Mayer heizte dem Publikum richtig ein.
Jürgen „Phil“ Mayer heizte dem Publikum richtig ein.
(Foto: Thomas Klitzsch)

1.000 Euro war das Mindestgebot, die VNG überbot alle mit dem bewusst gewählten symbolischen Betrag von 15.170 Euro. Denn in der Euro-Zahl verbirgt sich das Jahr der Reformation. Der Erlös soll teilweise den Flutopfern und der Projektschmiede Wittenberg zugute kommen. Letztere will damit ihr Eisbahn-Projekt in Wittenberg für den Winter verwirklichen.

Nun endlich und nach einem frugalen Essen ging eine gut zweieinhalbstündige Phil-Collins-Show über die Bühne. Die elfköpfige Coverband „Phil, Collins & Genesis Tribute“ mit Frontman Jürgen (Phil) Mayer war nach 2017 zum zweiten Mal in der Lutherstadt. Auf allen Seiten verspürte man eine unbändige Lust nach Ausgelassenheit und nach Tanz. „Es ist unsere erste Show nach dieser Scheiße“, so Phil in seiner Begrüßung, sie hätten viel geprobt.

Tanzen und schunkeln

Mayer hat Charisma, braucht das Publikum, nicht auf den Sitzplätzen, sondern vorn an der Bühne stehend, die Arme im Takt und mitschwenkend, tanzend. „Wir haben eine Inzidenz von null!“, heizte er seinem Publikum ein. Und das war diszipliniert ausgelassen, Abstände halten? Ebenfalls null, aber um Achtsamkeit war man bemüht.

Man tanzte oder schunkelte. Wie in Trance wurden von einigen Schlagzeug, Keyboard, Blasinstrument oder E-Gitarre notations- und taktgerecht in der Luft imitiert, nicht karikiert, und die Songs mitgesungen - bühnenreif.

Sie kennen ihren Phil Collins und Genesis, die Gruppe, bei der er sich 1970 „als für akustische Musik empfindsamer Schlagzeuger“ bewarb und sich erst später als brillanter Sänger entwickelt - nach dem Abgang von Peter Gabriel von Genesis. Die Coverband „Phil“ verblüffte mit ihrer authentischen Nähe zum Original. Performance, Musikalität und Stimmengewalt waren bei dieser Band mit allesamt studierten Musikern kein billiger Abklatsch, sondern hoch professionell. Das Publikum war zu Recht begeistert. (mz)