Schifffahrt in Wittenberg

Schifffahrt in Wittenberg: Stadt will den Anleger von Jan Harnisch nicht kaufen

Wittenberg - Der ehemalige Wittenberger Schiffer bricht seine letzte Landungsbrücke ab. Warum die Stadt nicht zugreifen will.

Von Julius Jasper Topp 19.10.2019, 07:59

Die Tage der MS Lutherstadt Wittenberg sind bekanntlich gezählt. Das Fahrgastschiff, das 15 Jahre lang Besucher über die Elbe schipperte hatte Ende des letzten Jahres einen neuen Heimathafens in Polen gefunden. Der Niedrigstand der Elbe machten dem Unterfangen von Schiffer Jan Harnisch den Garaus. Der Schiffer will nun auch noch den Rest aus seiner Wittenberger Zeit loswerden: Der Landungssteg an der Elbe, bestehend aus Ponton und Landungsbrücke. „Die Stadt an der Elbe braucht doch sicher auch einen Anleger“, findet Harnisch.

Angebot an die Stadt

Er bot die Sonderanfertigung der Stadt an. Doch die winkte ab. Interessant fand Harnisch da aber, dass er von einer Anfrage der Stadt an eine Roßlauer Werft erfuhr. Dort sollte ein Kostenvoranschlag für einen Anleger, der seinem ziemlich ähnlich ist, erstellt werden. Das wunderte nicht nur den Schiffer. Auch die Stadträte Uwe Loos (Linke) und Dirk Hoffmann (AfD) begannen sich für den verwaisten Anleger zu interessieren. Im Stadtrat stellte Loos eine entsprechende Anfrage.

„Für den Tourismus wäre es sicherlich gut, wenn der Steg erhalten bleiben würde“, sagte er zur MZ. Auch Wassersportvereine könnten den Anleger nutzen. „Aber welcher Verein hat eine solche Summe?“, fragt Loos. Harnisch will 25000 Euro für seinen Anleger.

„Wir haben niemanden, der mit einem Fahrgastschiff anlegt. Eine entsprechende Einrichtung vorzuhalten macht keinen Sinn“, sagt Stadtsprecherin Karina Austermann. Schließlich handele es sich hier um eine freiwillige Leistung der Stadt, die nicht „aus dem Nichts“ in den Haushalt eingebracht werden könne.

Und zur Angebotsanfrage an die Werft sagt sie: „Wir haben dort angefragt, um abschätzen zu können, ob das Angebot gerechtfertigt wäre.“ So ganz uninteressiert ist die Stadt an einem eigenen Anleger also offenbar doch nicht.

Für Harnisch ist die Sache nun klar. „Ich werde den Anleger wegnehmen“, sagt er. Dann habe die Stadt eben keinen Steg für kleinere Fahrgastschiffe wie die MS Wittenberg mehr. Anfragen dafür habe es stets gegeben. (mz)