Prozess um Marcus Hempel

Prozess um Marcus Hempel: Bewährungsstrafe für Sabri H.

Wittenberg - Zwei Jahre Haft - ausgesetzt zur Bewährung - und 120 Arbeitsstunden, die bis zum 30. September 2021 abzuleisten sind: Das ist die Strafe für Sabri H. für eine „Körperverletzung mit Todesfolge“. Der Angeklagte hat im September 2017 den 30-jährigen Marcus Hempel vor dem Wittenberger Einkaufszentrum Arsenal geschlagen, wodurch dieser stürzte und sich eine tödliche Kopfwunde zuzog. Das Urteil vom Landgericht Magdeburg ist noch nicht rechtskräftig. Thomas Seifert, der als Nebenkläger den Vater des Opfers, Karsten Hempel, vertritt, kündigt eine Revision beim Bundesgerichtshof an. Die Erfolgsaussichten dort lägen üblicherweise bei etwa fünf Prozent. „Meine Quote sind 50 Prozent“, so ...

Von Michael Hübner 27.03.2020, 14:05

Zwei Jahre Haft - ausgesetzt zur Bewährung - und 120 Arbeitsstunden, die bis zum 30. September 2021 abzuleisten sind: Das ist die Strafe für Sabri H. für eine „Körperverletzung mit Todesfolge“. Der Angeklagte hat im September 2017 den 30-jährigen Marcus Hempel vor dem Wittenberger Einkaufszentrum Arsenal geschlagen, wodurch dieser stürzte und sich eine tödliche Kopfwunde zuzog. Das Urteil vom Landgericht Magdeburg ist noch nicht rechtskräftig. Thomas Seifert, der als Nebenkläger den Vater des Opfers, Karsten Hempel, vertritt, kündigt eine Revision beim Bundesgerichtshof an. Die Erfolgsaussichten dort lägen üblicherweise bei etwa fünf Prozent. „Meine Quote sind 50 Prozent“, so Seifert.

Eklat wegen Corona

Nach seiner Darstellung begann der Verhandlungstag mit einem Eklat. „Mit wurde zunächst der Zutritt zum Gerichtsgebäude verwehrt, weil ich aus Belgien bin“, so Seifert, der schon Tage zuvor, eben wegen Corona, die Aussetzung des Strafverfahrens beantragt hat - ohne Erfolg.

Und im Vorfeld der Weiterführung des Prozesses - es waren schon drei Termine im Juni anberaumt - gab es eine „Verständigung zur Verfahrensabkürzung“. „Ein abgekartetes Spiel“, so Seifert. Sabri H. legte ein Geständnis ab. Dabei soll er eingeräumt haben, das er wütend war, als er zugeschlagen hat. Das Gericht konnte nicht widerlegen, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre alt war. Deshalb gilt das Jugendstrafrecht. Seiferts Bemühungen zur exakten Altersfeststellung sind gescheitert. Seine Forderung an die Justizministerin des Landes, Interpol einzuschalten, habe nie das Gericht erreicht. Seifert hat zuletzt vergeblich beantragt, die Eltern als Zeugen zu hören. Der Jurist forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe - unter anderem wegen Totschlags - nach Erwachsenenstrafrecht von zehn Jahren. Es kam anders.

Vater des Opfers ist empört

„Ich bin entsetzt“, kommentierte der Vater am Freitag gegenüber der MZ das Urteil, „er hat meinen Sohn getötet, aber dafür hat er nicht einen einzigen Tag in Haft gesessen. Er hat im Gerichtssaal mehrfach gelacht. Er lebt weiter, als wäre nichts geschehen.“ (mz)