Neuer Schnitt

Neuer Schnitt: Streuobstwiese in Seegrehna kann dank Förderung gepflegt werden

Seegrehna - „Das ist das Schönste“, sagt Anne Hecht und zeigt auf einen der abgestorbenen Bäume. Totes Holz, das nicht beseitigt wird und eine Heimat bietet für Käfer, für Spinnen, manchmal dienen solche Gehölze als Bruthöhle für Vögel. „Hier muss nicht alles perfekt sein“, erklärt die junge Frau vom Landschaftspflegeverband Wittenberg und meint die Streuobstwiese am Rande von Seegrehna unweit des Hofgestüts ...

Von Marcel Duclaud

„Das ist das Schönste“, sagt Anne Hecht und zeigt auf einen der abgestorbenen Bäume. Totes Holz, das nicht beseitigt wird und eine Heimat bietet für Käfer, für Spinnen, manchmal dienen solche Gehölze als Bruthöhle für Vögel. „Hier muss nicht alles perfekt sein“, erklärt die junge Frau vom Landschaftspflegeverband Wittenberg und meint die Streuobstwiese am Rande von Seegrehna unweit des Hofgestüts Bleesern.

Streuobstwiesen gab es mal viele in den Dörfern, sie dienten der Versorgung, verloren aber ihre Bedeutung mit dem wachsenden Obstangebot im Handel. Also blieben Nutzung und Pflege auf der Strecke. Das galt auch für das verhältnismäßig kleine Exemplar in Seegrehna, nicht mal ein Hektar, rund hundert Bäume - vorwiegend Apfelsorten, vereinzelt Birnen und Pflaumen.

Förderverein Hofgestüt Bleesern pflegt die Wiese

Der Förderverein Hofgestüt Bleesern hat sich der Wiese angenommen mit ihren alten und jüngeren Obstbäumen, pachtete sie von der Agrargenossenschaft Eutzsch: „Ein schöner Ausgleich zur Arbeit am Hofgestüt“, erklärt Fördervereins-Chefin Peggy Guszahn.

Die Äpfel werden gepflückt und zu Most verarbeitet, 500 bis 700 Liter pro Jahr kommen etwa zusammen. Die Einnahmen dienen der Finanzierung der gigantischen Aufgabe, das traditionsreiche Gestüt zu erhalten.

Mit der Pflege der Streuobstwiese sieht sich der Verein freilich überfordert, da kam das Umwelt-Sofortprogramm aus dem Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt gerade recht.

Wiese von Seegrehna profitiert von Fördermitteln

Die Wiese von Seegrehna ist eines von 139 Projekten, die in den Genuss einer Förderung aus dem Zehn-Millionen-Programm kamen. 8765 Euro standen zur Verfügung, insbesondere für einen ordentlichen Pflegeschnitt, alte Bäume mussten teilweise gesichert, ja „saniert“ werden, Nachpflanzungen gab es ebenfalls - und natürlich die Mahd, die nicht zuletzt den Blütenreichtum der Wiese fördert.

Um die Aufgabe gekümmert hat sich eben der Landschaftspflegeverband. Anne Hecht schwärmt von einem gemischten Biotop, von seltener Vielfalt, von etlichen Arten, die die Streuobstwiese bevölkern.

Eine neue Hinweistafel am Eingang führt einige auf: Honigbiene, kleiner Fuchs, Distel- und Zitronenfalter, Feldhase und Grünspecht, Mauswiesel und Waldohreule, großer Abendsegler oder den Star, den Vogel des Jahres.

Umweltministerin besucht Wiese von Seegrehna

Am Donnerstag hat sich Umweltministerin Claudia Dalbert im Rahmen ihrer Sommertour im Kreis Wittenberg einen Überblick verschafft, was die Förderung ihres Hauses bewirkt. Am Vormittag war sie in Klein Korga, um eine rückgebaute Stauanlage zu besichtigen.

Am Nachmittag in Tornau, wo es um den Erhalt wechselfeuchter und nährstoffarmer Waldwiesen sowie die Revitalisierung des Mühlenteiches ging. Dazwischen lagen Streuobstwiesen, nicht nur die in Seegrehna, sondern auch jene in Möhlau.

Die ist deutlich größer, schnurgerade, umfasst rund drei Hektar und viel mehr Bäume, darunter auch Kirschen. Anne Hecht: „Sie ist eine der größten im Landkreis. Sie haben wir ebenfalls gepflegt, allerdings nicht alle Bäume geschafft, nur etwa 250.“ Rund 23 000 Euro standen dafür zur Verfügung.

Dass ihr das Sofortprogramm ein Herzensanliegen ist, merkt man der grünen Ministerin an. „Pläne“, sagt sie, „lagen in der Schublade“, seien allerdings bislang „durch den Rost gefallen“. Die Lücke habe nun mit den zehn Millionen Euro ein Stück geschlossen werden können.

„Es war allerdings eine Herausforderung, das Geld in tolle Projekte zu stecken.“ Weil alles sehr schnell gehen musste. Dalbert hofft, dass es eine Fortsetzung gibt. Fünf Millionen Euro pro Jahr für Umweltprojekte wie die in Kleinkorga, Tornau, Möhlau oder Seegrehna seien beantragt.

Die Pflege alter Streuobstwiesen, bemerkt die Ministerin, sei wichtig aus verschiedenen Gründen: Alte Sorten blieben erhalten, sie sind eine Art genetische Reserve - und natürlich ein Paradies für die Artenvielfalt. Wenn dann die Früchte wie in Seegrehna noch einem guten Zweck dienen, ist das eine runde Sache. (mz)