Nach Corona-Erkrankung

Nach Corona-Erkrankung: Brigitte Neumeisters Rückkehr ins Leben

Wittenberg - Die Wittenberger Pastorin Brigitte Neumeister erholt sich langsam von ihrer Corona-Erkrankung. Nun will sie eine Selbsthilfegruppe gründen.

Von Corinna Nitz 20.01.2021, 10:06

„Es liegt eine schreckliche Zeit hinter mir. So ein ,Zustand’ ist mir in meinem bisherigen Leben noch nie begegnet.“ Sätze von Brigitte Neumeister. Nachdem sich die Pastorin der Wittenberger Hoffnungskirche an Heiligabend in der MZ mit einem „Liebesbrief“ an ihre Gemeinde gewandt hat, meldet sie sich hier erneut. Man könnte auch sagen: Sie meldet sich zurück, denn Neumeister erkrankte im Dezember an Covid-19, es ging ihr schlecht.

Wer die 71-Jährige kennt, weiß, dass sie eine toughe Frau ist, die zudem ziemlich angstfrei wirkt. Sie selbst sagt: „Angst gehört nicht zu meinem Lebensstil.“ Und doch habe sich dieses Gefühl breitgemacht, als ihr Alltägliches kaum noch gelingen wollte.

Und wo sie früher, also vor ihrer Corona-Erkrankung, gern mehrere Dinge parallel in Angriff genommen habe, hatte sie nun Probleme, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Hinzu kamen die körperlichen Beschwerden. „Corona, ein Alptraum!“, fasst Neumeister zusammen.

Reden über die Folgen

Jetzt möchte die Pastorin eine Corona-Selbsthilfegruppe einrichten und zwar unter dem Dach des 2019 von ihr gegründeten Vereins „Suchet der Stadt Bestes“. Ermutigt fühlt sich Neumeister auch durch ein Gespräch mit einer Ärztin vom Gesundheitsamt beim Landkreis Wittenberg.

Laut Neumeister fand die Medizinerin den Gedanken gut, sie habe aber auch angeregt, dass in einer Selbsthilfegruppe über die Folgen einer Corona-Infektion gesprochen werden sollte. Daher hofft Neumeister nun, eine Ärztin oder einen Arzt für eine Mitwirkung gewinnen zu können. Sie selbst wird - sozusagen qua Beruf - den seelsorgerlichen Part übernehmen.

Aber natürlich kann sie auch über ihre eigenen Erfahrungen berichten. Wie sie sich seltsam unwohl fühlte, als sie Anfang Dezember dienstlich im Fränkischen unterwegs war, vorzeitig nach Wittenberg zurückkehrte und zum Arzt ging. Nach dem positiven Testergebnis begab sie sich - wie ihre Mitbewohner - in Quarantäne, die dauerte bis 23. Dezember.

In der ersten Woche sei sie kaum oder nicht in der Lage gewesen zu sprechen, Sätze zu formulieren war schwer. Weil das Atmen schwer fiel, habe sie das Kopfteil des Bettes so hochgestellt, dass sie wohl mehr saß als lag. Besonders heftig müssen Schwindelattacken gewesen sein, von denen Neumeister wiederholt spricht und die sie vergleicht mit Zuständen, welche sie früher bei „Drogenleuten“ miterlebt hat, wenn sie diese durch den Entzug begleitet hat.

Neumeister, das muss man wissen, war vor ihrem Wechsel zur Theologie im mittleren Dienst bei einer westdeutschen Staatsanwaltschaft tätig. Jahrelang hat sie sich auch persönlich um die Gestrauchelten gekümmert, also schon einiges erlebt und das verleiht ihren eingangs erwähnten Sätzen noch ein anderes Gewicht.

Ein Auf und Ab, immer noch

Erste spürbare Anzeichen von Besserung nach ihrer Covid-Diagnose hätten sich übrigens erst letzte Woche eingestellt. Aber noch immer, sagt Brigitte Neumeister, ist es ein Auf und Ab. „Es kommt mir vor, als ob ich auf einen Viertausender, na ja, 3.800er gegangen bin. Die Hütte ist schon zu sehen, aber trotzdem muss ich Pause machen.“

Noch bis Ende Januar ist Neumeister krankgeschrieben. Mit dem Aufbau der Selbsthilfegruppe möchte sie Anfang Februar beginnen, peu à peu. Zunächst könnten sich ohnehin nur allerkleinste Runden treffen, vorausgesetzt sie sind vorab negativ getestet worden. Nutzen will sie die Räume des Vereins „Suchet der Stadt Bestes“. Und zum Gespräch einladen möchte sie auch jene Zeitgenossen, die Corona leugnen.

Es gebe Menschen, die ihr Nachrichten aufs Handy senden und die „vermitteln wollen, was wirklich alles hinter dieser Pandemie angeblich stecken soll“. Wenn sie Betroffenen zuhören, dann, so Rekonvaleszentin Neumeister, überdenken sie vielleicht ihre Haltung.

››Wer Interesse an einer Corona-Selbsthilfegruppe in Wittenberg hat, kann sich telefonisch unter der Rufnummer 03491/8762032 mit Brigitte Neumeister in Verbindung setzen. (mz)