Landwirtschaft in der Virtuellen Welt

Landwirtschaft in der Virtuellen Welt: Feldtag wegen Corona mal ganz anders

Wittenberg - Statt auf den Versuchsfeldern in Cunnersdorf treffen sich die Interessenten im Netz. SKW Piesteritz organisiert die Traditionsveranstaltung wegen Corona zum ersten Mal virtuell.

Von Marcel Duclaud

Das Digitale macht auch vor der Landwirtschaft nicht halt, ganz im Gegenteil. Von Smart Farming ist dann die Rede oder von Landwirtschaft 4.0. Neu ist, dass inzwischen auch Feldtage virtuell ablaufen. Corona macht es möglich.

Rund 1.500 Anmeldungen

Am Mittwoch kamen Landwirte, Händler, Berater, aber auch Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik erstmals nicht auf den Versuchsfeldern der Landwirtschaftlichen Anwendungsforschung der SKW Piesteritz in Cunnersdorf bei Leipzig zusammen. Treffpunkt für einen der größten Feldtage Mitteldeutschlands waren vielmehr PC, Laptops oder Tablets. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte fand die Traditionsveranstaltung virtuell statt. Laut den Organisatoren mit Erfolg, von rund 1.500 Anmeldungen ist die Rede.

Gäste hatten die Möglichkeit, verschiedene Optionen zu wählen, um mit anderen Besuchern oder Ausstellern in Kontakt zu treten. Eine Art Feldrundgang gehörte zu den Angeboten. Dort ging es etwa um Trends in Sachen Düngung, um Pflanzenschutz, Saatgut oder Maschinen. Wer wollte, konnte sich einen so genannten Avatar erstellen, eine künstliche Person also. Die Hemmschwelle, jemanden anzusprechen, heißt es, sei deutlich geringer als im wahren Leben.

Zudem liefen verschiedene Fachvorträge zu Themen wie der Situation am aktuellen Getreidemarkt, der umstrittenen Düngeverordnung, zum Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit oder dem dritten Trockenjahr in Folge.

Rüdiger Geserick, Vorsitzen-der der Geschäftsführung der SKW Piesteritz sagt zu dem Experiment: „Noch zu Beginn des laufenden Jahres wurde die Landwirtschaft in der öffentlichen Diskussion von Umweltthemen bestimmt. Kaum jemand interessierte sich dafür, dass unsere Landwirte jahrein jahraus effizient und zuverlässig für qualitativ hochwertige und dabei preiswerte Lebensmittel sorgen.“ Das habe sich im Frühjahr 2020 geändert. Das Virus habe eingespielte Routinen, Verhaltensmuster und Standpunkte durcheinandergewirbelt, so der SKW-Chef.

Die geplanten Feldtage können nicht stattfinden. Für das Wittenberger Unternehmen kein Grund, den Kundenkontakt einzustellen, „sondern der Ansporn, neue Wege zu gehen.“ Maximilian Severin, Leiter Düngemittelmarketing in Piesteritz ergänzt: „Der persönliche Kontakt fehlt. Aber das ist es eben, was langjährige Partnerschaften belebt.“ Wer den Kunden weiterhin erreichen wolle, der müsse sich mehr Gedanken machen.

„Man sollte in einer virtuellen Welt das rüberbringen, was auch im wahren Leben zählt – Emotionen. Nun, ein blühendes Feld in der virtuellen Welt riechen zu können, soweit sind wir zwar noch nicht. Aber wir können den Besuchern vermitteln, wie unterschiedliche Düngevarianten zu Hause vor dem Bildschirm aussehen, ohne das Haus verlassen zu müssen. Und zwar nicht in einem Film, sondern modelliert als 3D Animation.“ Ein Vorteil der virtuellen Welt sei, dass man Düngevarianten selbst ausprobieren könne, ohne an den Pflanzen etwas kaputt zu machen.

Beitrag zur Biodiversität

Auch eine virtuelle Pressekonferenz gehörte am Mittwoch zum Programm des Feldtages der ganz anderen Art. Dort ging es unter anderem um Züchtung und Technik, um das Thema Versicherung, die Beratung der Landwirte und die Konsequenzen der Coronakrise, natürlich um Digitalisierung ebenfalls. Zu Wort kam neben anderen Steffen Pingen, Leiter Umweltpolitik und Nachhaltigkeit beim Deutschen Bauernverband. Beides zu kombinieren, Naturschutz und Landwirtschaft, darin bestehe die Herausforderung, sagte er.

Die Landwirtschaft müsse ihren Beitrag leisten, die Biodiversität zu fördern. Allerdings muss das in betriebliche Abläufe passen und dürfe kein wirtschaftliches Risiko für die Unternehmen mit sich bringen, schränkte Pingen ein. Was die digitale Technik betrifft, sieht er eine hohe Bereitschaft in der Landwirtschaft, sie zu nutzen. Das Digitale sei kein Ersatz, aber eine gute Ergänzung, betont der Experte. Das bedeute aber eben auch, dass es eine angemessene Netzinfrastruktur im ländlichen Raum geben muss, so Pingen. (mz)