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(Keine) Integration in Wittenberg: Syrer wird von Fitness-Studio abgelehnt

Wittenberg - Ein Wittenberger Fitnessstudio lehnt die Aufnahme eines jungen Syrers als Mitglied ab. Die verärgerte Familienpatin wendet sich an die Öffentlichkeit.

Von Irina Steinmann 03.09.2018, 05:36

Auf der Homepage der Wittenberger „Fitness Arena“ finden sich verschiedene fröhlich sportelnde Menschen. Eine junge schlanke gebräunte Schönheit zum Neidisch werden, eine eher rundliche mittelalte Dame zur Aufmunterung und, dito, ein freundlich dreinschauender graubärtiger Senior. Dieses Sportstudio, das soll wohl die Botschaft sein, steht allen offen. Doch das ist offenbar nicht so.

Vor wenigen Tagen musste Christina Willam ihrem Schützling verklickern, dass es nun doch nichts wird mit seiner Mitgliedschaft in dem Wittenberger Fitnessstudio. Nach mehreren Tagen, die Willam als Hinhalten empfindet, habe man ihr jetzt gesagt, dass Mohammad Alnimad „nicht zu ihnen passt“.

Über mehrere Wochen hinweg hatte die Wittenbergerin, die ehrenamtliche Familienpatin für den jungen Syrer und dessen Frau und Söhne ist, den 29-Jährigen zum Training ins Studio mitgenommen, wo sie selbst seit bald drei Jahren Mitglied sei. Und dem jungen Mann, mit dem sie woanders auch Badminton spielt, hat das Schnuppertraining offenbar sehr gut gefallen. Jedenfalls wollte er, berichtet Willam, nach Ablauf der Probestunden jetzt selbst zahlendes Mitglied werden.

Aber wie gesagt, er passt hier angeblich nicht hinein. Für die engagierte Familienpatin ein klarer Fall von Rassismus. Eine Verhinderung von Integration. Und ein Verstoß gegen das seit 2006 geltende Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), vulgo: Antidiskriminierungsgesetz, das der allgemein geltenden Vertragsfreiheit Grenzen setzt. Ein befreundeter Rechtsanwalt habe bereits Interesse an der Angelegenheit gezeigt, berichtet Willam weiter.

Was die tatsächlichen Gründe für eine Nichtaufnahme des jungen Syrers sind, ob es sich aus Sicht von „Fitness Arena“ damit überhaupt so verhält, wie von der engagierten Patin geschildert, war seitens der MZ trotz mehrerer Anfragen nicht in Erfahrung zu bringen. In einer ersten Stellungnahme hatte es seitens des Studioleiters am Mittwoch lediglich geheißen, er müsse sich selbst erst einmal kundig machen, der Fall sei ihm nicht bekannt.

Ein vereinbarter Gesprächstermin mit der MZ am nächsten Tag kam aber nicht zustande, wiederholte Kontaktversuche seitens der MZ liefen ins Leere. Auch der Geschäftsführer der jungen ostdeutschen Fitness-Kette, Robert Blaseck, war am Donnerstag trotz mehrfacher Nachfragen für die MZ nicht erreichbar, ein zugesagter Rückruf blieb aus, auch Mailanfragen wurden nicht beantwortet. So bleibt Raum für Spekulationen.

Sind es mangelnde Sprachkenntnisse? Finanzielle Bedenken? Sie sei mit ihrem Schützling die „Hausordnung“ Punkt für Punkt durchgegangen und ein Konto habe er selbstverständlich auch, erklärte hierzu Christina Willam.

Mohammad Alnimad selbst zeigt sich gegenüber der MZ enttäuscht über die Entscheidung des Studios. Er habe „keine Ahnung“, warum man ihn dort nicht wolle, sagt er und bedankt sich mehrmals für das Interesse der Zeitung. „Die Familie ist erschrocken“, souffliert Willam. Mohammad Alnimads Deutsch ist noch sehr lückenhaft, derzeit besucht er aber einen Sprachkurs. Viel reden mit Einheimischen würde ihm zweifellos helfen, hier anzukommen. Christina Willam tut was sie kann. Im Fall Fitnessstudio hat es nicht geklappt.

Dessen Gästetraining zwecks Werbung neuer Mitglieder heißt übrigens „Bring your friend“. Und, in diesem Fall, nimm ihn bitte wieder weg? (mz)