Kabinettausstellung mit Ur-Ur...-Enkelin

Kabinettausstellung mit Ur-Ur...-Enkelin: Cranach meets Cranach

Wittenberg - Die Wittenberger Stiftung zeigt Arbeiten einer Nachfahrin des Multitalents der Renaissance. Zur Vernissage ist Frederike von Cranach vor Ort.

Von Corinna Nitz

Manches an dieser Exposition ist ein Novum: Etwa stellt zum ersten Mal eine Nachfahrin von Lucas Cranach in Wittenberg aus - in seinem einstigen Wohnhaus am Markt 4 und bei jener Stiftung, die das Erbe der legendären Malerfamilie pflegt.

Auch für sie selbst, Frederike von Cranach, sei es neu gewesen, eine „Symbiose zu schaffen“ zwischen ihrer Arbeit und einer Arbeit ihres berühmten Ahnen. Das Ergebnis ist beeindruckend, überaus ästhetisch und ab dem Freitagabend zu sehen, dann wird die kleine Kabinettausstellung eröffnet.

Cranach, Jahrgang 1976, geboren in Heidelberg und aufgewachsen in Köln, hat zunächst Modedesign studiert. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie in Amsterdam und Rio de Janeiro. Inzwischen lebt und arbeitet sie mit Mann und zwei Kindern in London.

Der Weg von der Metropole an der Themse nach Wittenberg führte über eine andere Metropole - Berlin. Eine Ausstellung, die Cranach dort hatte, besuchte auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. Der Kontakt zur Cranach-Stiftung lief dann nach Auskunft von deren Kunsthistorikerin Marlies Schmidt über die Staatskanzlei und die Wittenberg Marketing GmbH. Vor anderthalb Jahren habe man die Schau verabredet.

Die firmiert unter dem Titel „Acheron“, in der griechischen Mythologie verband dieser Fluss das Diesseits mit dem Jenseits. Für ihre monochromen grafischen Arbeiten in der Wittenberger Ausstellung hat Cranach ein Werk ihres Urur...ahn übernommen, dabei handelt es sich um einen ziemlich kleinen Holzschnitt, der gerade einmal zwölf mal 29 Zentimeter misst und den Titel „Die Verdammten im Höllenfeuer“ trägt.

Die seltsamen Geschöpfe dieses Druckes hätten sie sofort angesprochen, zudem erinnern sie die Fabelwesen an die Bildwelten von Hieronymus Bosch und im Übrigen gebe es zahlreiche Redewendungen bis heute, die sich auf die Hölle beziehen. Dabei scheint es ihr ein Satz des britischen Dramatikers Oscar Wilde besonders angetan zu haben: „Jeder von uns ist sein eigener Teufel und wir machen uns diese Welt zur Hölle.“ Aktuelle Beispiele für die Richtigkeit dieser Behauptung gäbe es gewiss viele, sie würden indes den Rahmen hier sprengen.

Nun hat Cranach das alte Bild nicht einfach übernommen und in Linolschnitten oder im Handsiebdruck- und Stanzverfahren neu verarbeitet, sondern mit ihrem bevorzugten Sujet verbunden: den sogenannten Egagropili. Es gibt diese Seebälle am Mittelmeer, sie entstehen aus Neptungras im Wasser und das wird so zum verbindenden Element zwischen den Cranachs.

Wobei sich die gezeichneten und bearbeiteten Seebälle nicht nur auf den Grafiken finden, sondern ebenfalls als Skulpturen. Letztere lösen im Betrachter den unwiderstehlichen Impuls aus, sie zu berühren, doch sollte man vorsichtig sein oder, noch besser, sich zurücknehmen, so fragil wirken sie.

Zur Vernissage am 14. September um 19 Uhr wird Frederike Cranach übrigens vor Ort sein. Auch ihr Bruder wolle kommen. Der heißt Lucas - wie schon ihr Vater und Großvater... Ihr Stammbaum lässt sich 14 Generationen weit zurückverfolgen. Und, ja, der Name könne Türen öffnen. Er sei aber auch eine Verpflichtung im Hinblick an den „hohen Anspruch an sich selbst“.

(mz)