Altstadt

Bewegung am Thalia-Haus in Wittenberg

Die Debatte um die bestmögliche Entwicklung von Bau-Erbe dauert an.

Von Irina Steinmann
Zentral und leer: „Thalia“
Zentral und leer: „Thalia“ (Foto: Klitzsch)

Wittenberg

Kritik an der Altstadtsanierung in den zurückliegenden bald drei Jahrzehnten hat AfD-Fraktionschef Volker Scheurell geübt. Er äußerte sich als Mitglied des Bauausschusses auf dessen Sondersitzung am vergangenen Montag anlässlich der geplanten Aufhebung der Sanierungssatzung zum Jahresende.

Als „Fehler“ bezeichnete Scheurell den Bau des „Arsenals“, örtliche Händler seien dorthin umgezogen und hätten so zusätzlichen Leerstand in der umliegenden Altstadt verursacht. Zudem habe man das produzierende Gewerbe aus dem Stadtzentrum vertrieben. „Wir haben nicht einen einzigen Bäcker oder Tischler mehr“ in der Altstadt.

Bürgermeister und Chef-Stadtentwickler Jochen Kirchner widersprach Scheurells Darstellung: „Es war erklärtes Ziel, störendes Gewerbe zu verdrängen“, so Kirchner, für nicht störendes Gewerbe, wie eben beispielsweise Bäcker, sei man dagegen „offen“. Er nannte die bisherige Entwicklung der Altstadt dank Sanierungssatzung erneut eine Erfolgsgeschichte. Allein an klassischen Städtebau-Fördermitteln seien dort 19 Millionen Euro hineingeflossen, wobei Fördermittel etwa das Sechs- bis Siebenfache an Privatkapital nach sich zögen.

Kirchner berichtete allerdings auch, wie schwierig es sei, Lücken im Stadtbild verschwinden zu lassen. Man habe deren Eigentümer „mindestens zwei Mal“ angeschrieben, allerdings mit „wenig Rücklauf“. Die weitere Entwicklung der Altstadt erfordere ein ganzes Bündel an Maßnahmen, sagte er. Die geplante neue Gestaltungssatzung, über die die MZ am Mittwoch berichtete, ist eines davon. Kirchner unterstrich, dass es Nachfrage nach Zuzug in die Altstadt gebe.

Zu konkreten Gebäuden oder Lücken hatte sich ebenfalls auf der Sondersitzung des Bauausschusses am vergangenen Montag Martin Stein von der Landesentwicklungsgesellschaft Saleg geäußert, mit der die Stadt Wittenberg seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Demnach sei es zum Beispiel bei einer Brache in der Collegienstraße so, dass der Eigentümer derzeit gar nicht in der Lage sei, dort tätig zu werden.

Begründete Hoffnung sieht Stein indes fürs Gebäude Markt 23/Coswiger Straße 2, besser bekannt als Thalia-Haus. „Da sind wir dran“, so Stein wörtlich, es gebe einen Bauantrag. Die Buchhandlung Thalia war vor knapp zehn Jahren mit ins „Arsenal“ eingezogen, seither steht das Gebäude in zentralster Lage leer. Bewegung gebe es auch bei der Mittelstraße 4, so Stein.

Scheurell forderte unterdessen ein Notprogramm für Dächer von Nebengebäuden in Hinterhöfen. Diese würden, behauptete er, von manchen Eigentümern nicht instand gehalten, um am Ende störende Gebäudeteile abreißen zu können. Die Stadt sollte doch mal eine Drohne über die Höfe fliegen lassen... Helmut Zühlke (CDU) äußerte die Befürchtung, dass bei zu strengen Regeln Investitionen in den Höfen unterbleiben. (mz)