Zeitkapsel im Depot

Zeitkapsel im Depot: Warum der Fund vom Weißenfelser Markt gezeigt werden sollte

Weißenfels - Sie hatte Weißenfels vor gut einem Jahr in die Schlagzeilen der Region katapultiert: Eine Metallschatulle, die Archäologen am ehemaligen Standort des Kaiser-Wilhelm-Reiterstandbildes auf dem Weißenfelser Markt gefunden hatten. Versenkt wurde die Zeitkapsel anlässlich der Grundsteinlegung für das Standbild im März ...

Von andreas richter 10.10.2018, 08:43

Sie hatte Weißenfels vor gut einem Jahr in die Schlagzeilen der Region katapultiert: Eine Metallschatulle, die Archäologen am ehemaligen Standort des Kaiser-Wilhelm-Reiterstandbildes auf dem Weißenfelser Markt gefunden hatten. Versenkt wurde die Zeitkapsel anlässlich der Grundsteinlegung für das Standbild im März 1897.

Gut ein Jahr nach der öffentlichen Präsentation des bemerkenswerten Fundes im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle rückt das historische Stück erneut ins Blickfeld. Und das vor allem dank des Weißenfelsers Siegfried Hofmeister. „Dieses wertvolle Zeugnis der Heimatgeschichte sollte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, sagt Hofmeister, früherer Stadtrat und jetzt sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Stadtentwicklung.

Fund in Weißenfels: Dokumente wurden auf Kosten des Landes vor dem weiteren Verfall bewahrt

Nach der Präsentation in Halle wurde der Inhalt der Zeitkapsel, so unter anderem ein Adress- und Geschäftsbuch von 1896/97 und das Titelblatt einer Zeitung, „konservatorisch bearbeitet“, wie Georg Schafferer vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit des Landesamtes bestätigte. „Die Dokumente wurden auf Kosten des Landes vor dem weiteren Verfall bewahrt und befinden sich jetzt im zentralen Landesdepot für archäologische Funde“, sagte Schafferer. Wenn Weißenfels die historischen Stücke ausstellen will, müsse sich die Stadt zunächst an das Landesamt wenden.

Genau das erwartet Siegfried Hofmeister. Die Antwort auf eine Anfrage im Ausschuss stellt ihn dabei keineswegs zufrieden. Darin heißt es eher unverbindlich: „Um eine Ausstellung der gefundenen Dokumente zu ermöglichen, müsste eine Restaurierung erfolgen, die von der Stadt Weißenfels zu beauftragen und zu bezahlen wäre.“ Mit anderen Worten: Die Dokumente sind gesichert worden, jedoch nicht so aufgearbeitet, dass sie derzeit ausgestellt werden könnten.

Wo kann die Zeitkapsel in Weißenfels ausgestellt werden?

Nicht so einfach also. Auch weil das Land Eigentümer der Dokumente ist. Somit müsste zunächst ein Leihvertrag abgeschlossen werden, in dem die Bedingungen geregelt sind, unter denen das Land den Fund der Kommune zur Verfügung stellt.

Zudem fällt der Vorstoß in Sachen Zeitkapsel mitten in eine Phase des Umbruchs im Museum. Die Schuhausstellung wird schrittweise überarbeitet, die Dauerausstellung zur Barockzeit ist wegen statischer Probleme im Schloss nur zu einem kleinen Teil zu sehen. „Wir müssten auch klären, in welchem Rahmen die Zeitkapsel und ihr Inhalt präsentiert werden sollen“, meint Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos).

Ist es wirklich das städtische Museum? Oder würde sich nach der Fertigstellung nicht vielmehr das Foyer des sanierten Rathauses am Markt für eine öffentliche Präsentation eignen? Immerhin wenige Meter neben jener Stelle, an der die Dokumente vor mehr als 120 Jahren im Erdreich verschwanden. (mz)