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Tote Rehe gefunden

Tote Rehe in Weißenfels: Treibt ein Wolf sein Unwesen in der Stadt?

Weißenfels - Sie sind sich ganz sicher, dass sie von einem Raubtier gerissen wurden.

Von Klaus-Dieter Kunick 11.03.2017, 08:00

War es ein Wolf, der das Reh gerissen hat? Eine 76-jährige Weißenfelserin informierte die MZ-Redaktion über abgenagte Knochen eines Rehs, das auf einer Wiese dicht am Stadtrand von Weißenfels gelegen habe.

Die Enkel seien mit dem Hund spazieren gewesen, als sie das tote Tier fanden, berichtet die Frau. Sie hätten gegrübelt, auf welche Art und Weise das Reh zu Tode gekommen ist. Am Ende seien sie darauf gekommen, dass es ein Wolf gewesen sein könnte.

Die Seniorin habe einen Jäger danach befragt, der ihr bestätigte, dass es ein Wolf gewesen sei. Aber auch andere Anwohner im Bereich zwischen Klemmberg und Lassalleweg haben - nicht nur einmal - tote Tiere gefunden.

Tote Rehe in Weißenfels - Stadtjäger sagt: „Nein, ein Wolf war das mit Sicherheit nicht.“

„Nein, ein Wolf war das mit Sicherheit nicht“, erklärt dagegen der Weißenfelser Stadtjäger Armin Deubel. „Der Wolf würde das Reh niemals auf der Wiese liegen lassen.“ Das Raubtier würde das Reh an eine sichere Stelle schleppen, da, wo es ungestört das Wild zerlegen und fressen könnte.

Den Hergang kann sich der Jäger nur so erklären, dass ein streunender Hund das Reh zur Strecke gebracht hat. Es könnte aber auch ein Hund gewesen sein, dessen Halter die Kontrolle über seinen Vierbeiner verloren hat.

„Es ist so, dass Hunde ihrem Urinstinkt nachgehen und jagen und wie in diesem Fall, Rehwild reißen“, sagt Deubel. Er fresse sich satt und überlasse den Rest anderen Tieren.

Dazu gehören unter anderem Fuchs, Eichelhäher, Elster, Kolkrabe, aber auch Wildschweine sind nicht auszuschließen. „Jeder von ihnen bedient sich an dem verendeten Reh“, fügt der erfahrene Jäger hinzu.

Warum sich gerissene Rehe in Weißenfels sich weitestgehend vermeiden ließen.

Ähnlich sieht es Jürgen Koschel. Dass ein Wolf das Reh zur Strecke brachte, glaube er nicht. „Es ist schwer einzuschätzen, was die Ursache für den Tod des Rehs war. Es blieb in jedem Fall dem natürlichen Kreislauf erhalten, nämlich Futter für Raubwild und Greife“, so der Sachgebietsleiter der Unteren Jagdbehörde in der Kreisverwaltung. Auch er tippt eher auf einen Hund.

Solche Vorfälle wie mit den gerissenen Rehen in Weißenfels lassen sich nach Ansicht von Deubel weitestgehend vermeiden.

Seit Anfang März bis 15. Juli gehörten Hunde wegen des Schutzes von Jungtieren und Jungvögeln an die Leine. In Landschaftsschutz- und Naturschutzgebieten herrsche das ganze Jahr Leinenzwang. „Bald beginnt die Brutzeit und Setzzeit, also die Kinderstube der Wildtiere: Darauf sollten wir Menschen mit unseren Freizeitaktivitäten, nicht nur mit Hunden, achten und die Wildtiere in ihrem Biotop nicht stören und beunruhigen.“

Wölfe streifen die Region Weißenfels immer wieder.

Dass Wölfe die Region streifen, davon ist Deubel fest überzeugt. Er habe selbst am 15. Mai 2015 den Riss und Kot des Wolfes, der Fachmann spricht hierbei von „Losung“, in der Nähe von Wiedebach gefunden.

Bei einer zweiten Begebenheit einige Zeit später habe er festgestellt, dass ein Wolf ein Reh, das bei einem Wildunfall zu Tode kam, innerhalb weniger Minuten über 100 Meter von der Unfallstelle weggezerrt und halb aufgefressen hatte.

Die Spuren am Ort sprachen eine eindeutige Sprache: Kein anderes Tier würde das zustande bringen, ist sich der Weißenfelser Stadtjäger sicher. „Der Wolf ist mit Sicherheit schon mehrfach durch die Randgebiete von Weißenfels gestreift und wird es wieder tun.“ (mz)