Steinbrüche in China geschlossen

Steinbrüche in China geschlossen: Darum wird der Marktplatz in Weißenfels teurer

Weißenfels - Die Granitplatten für die Innenstadt sollten aus China kommen. Doch nun gibt es Lieferschwierigkeiten und dadurch deutliche Mehrkosten.

Von Alexander Kempf 09.09.2017, 08:42

Die Granitplatten für den Weißenfelser Marktplatz können nicht geliefert werden. Das hat Oberbürgermeister Robby Risch am Donnerstagabend auf dem Händlerstammtisch der Industrie- und Handelskammer vor rund 50 Gästen verkündet. Er begründete die Lieferschwierigkeiten damit, dass in China in der Vergangenheit mehrere Steinbrüche geschlossen worden sind. Der Lieferant für die Steine auf dem Weißenfelser Marktplatz habe die Produktion eingestellt.

Die auf zwei Jahre angelegte Baustelle im Herzen der Stadt ist für die Bürger schon seit Wochen ein Ärgernis und bringt für viele Menschen Einschränkungen mit sich. „Die Bauarbeiten nerven einfach nur noch. Und dass es mal fertig wird in absehbarer Zeit, davon sieht man auch kein bisschen“, äußert sich etwa David Gaudig via Facebook.

Fülle der Baustellen im Zentrum empfindet mancher als Belastung

Insbesondere die Fülle der Baustellen im Zentrum empfindet mancher als Belastung. „Es ist schlimm in Weißenfels letzte Zeit. Warum die nicht erst eine Baustelle machen. Nee die müssen so viel aufmachen“, kritisiert Conny Schulze ebenfalls via Facebook.

Wie Oberbürgermeister Robby Risch auf Nachfrage erklärt hat sich die Stadt bereits um Ersatz für die Granitplatten bemüht. „Es wurde ein neuer Stein eines anderen Lieferanten ausgewählt, der passend zum bisher verwendeten ist“, erklärt er. Das Pflaster soll nun wohl aus Portugal kommen. Doch welche Auswirkung hat die Wendung auf die Bauzeit und die Kosten für den neugestalteten Weißenfelser Marktplatz?

Bauzeitende im November 2018 ist nicht gefährdet

Das Bauzeitende im November 2018 sei nicht gefährdet, teilt der Weißenfelser Oberbürgermeister mit, da nun parallel Arbeiten vorgezogen werden. So sollen zum Beispiel die Hausanschlüsse an der Ostseite oder zum Rathaus gelegt werden.

Am Donnerstagabend stand beim Händlerstammtisch eine Summe von rund 300.000 Euro Mehrkosten für das alternative Pflaster im Raum. Das sind angesichts der Gesamtkosten von rund 3,5 Millionen Euro für die Marktplatzsanierung weniger als zehn Prozent. Die Mehrkosten seien zur baufachlichen Prüfung weitergereicht worden, erklärt der Oberbürgermeister. Eine Bestätigung stehe noch aus. Der zentrale Platz soll nicht nur ein neues Pflaster, sondern auch einen Lichtteppich, Sitzbänke und ein Wasserspiel erhalten.

Probleme mit der Lieferung von Natursteinen aus China

Dass es derzeit Probleme mit der Lieferung von Natursteinen aus China gibt, bestätigt auch Geschäftsführer Helmut Ostermann von der Granitbau Nordhausen GmbH. Das Unternehmen hat von der Stadt Weißenfels den Auftrag für das Verlegen des neuen Pflasters auf dem Markt erhalten. „Die chinesische Regierung hat mehrere Steinbrüche geschlossen“, so Helmut Ostermann. Allein einer davon soll flächenmäßig so groß wie das Saarland sein. „Einige Steine sind bundesweit nicht mehr auf dem Markt“, erklärt der Geschäftsführer.

Die Schließung der chinesischen Steinbrüche stellt übrigens nicht nur die Stadt Weißenfels vor Herausforderungen. So haben sich deswegen auch in Altenburg bereits Bauarbeiten verzögert. Dort gibt es einen Notfallplan mit provisorischer Befestigung.

80 Prozent der Arbeiter in den Steinbrüchen krank

Laut der Osterländer Volkszeitung sieht Altenburgs Oberbürgermeister trotz der Probleme keine Alternative zu den Baustoffen aus China. Die seien hinsichtlich der Qualität und der Preise konkurrenzlos.

Andere stimmen dem nicht zu und haben die Arbeitsbedingungen in chinesischen Steinbrüchen in der Vergangenheit immer wieder scharf kritisiert. Oft werde dort ohne Gehörschutz oder Atemschutzmaske gearbeitet. „Die Arbeitshaltung ist ziemlich bedenklich, da sind Gelenkschäden, Rückenerkrankungen, all das“, zitiert der Deutschlandfunk im März Helmut Ehnes. Laut des Experten für internationalen Arbeitsschutz sei neben Arbeitsunfällen mit Brüchen und Quetschungen die Staublunge bei 80 Prozent der Arbeiter in den Steinbrüchen eine weit verbreitete Berufskrankheit. (mz)