Steigende Energiepreise in Deutschland

So schätzt der Weißenfelser Stadtwerke-Chef die Lage auf dem Strom- und Gasmarkt

Preise für Gas und Strom haben sich seit Jahresbeginn stark verteuert. Warum für Stadtwerke-Chef die Tarife auf dem Prüfstand stehen.

15.10.2021, 16:30
Weißenfelser Stadtwerke-Chef Lars Meinhardt spricht über die steigenden Energiepreise.
Weißenfelser Stadtwerke-Chef Lars Meinhardt spricht über die steigenden Energiepreise. (Foto: Peter Lisker)

Weissenfels/MZ - Die Preisexplosion für Strom und Gas auf dem Weltmarkt ist derzeit in aller Munde. Müssen die Kunden der Weißenfelser Stadtwerke nun mit einer Preissteigerung im kommenden Jahr rechnen? Auf diese und andere Fragen hat MZ-Reporter Andreas Richter versucht, im Gespräch mit Lars Meinhardt, Geschäftsführer der Weißenfelser Stadtwerke, eine Antwort zu erhalten.

Werden die Stadtwerke die Preise für Strom und Gas im nächsten Jahr erhöhen?

Meinhardt: Wir befinden uns aktuell in der Erstellung des Wirtschaftsplanes für das Jahr 2022. In diesem Zusammenhang werden natürlich auch unsere Tarife für Strom und Gas überprüft. Eine konkrete Aussage kann deshalb im Moment noch nicht getroffen werden. Im Energieeinkauf versuchen wir immer, bestmögliche Konditionen für unsere Kunden zu erreichen.

Das aktuelle Marktgeschehen und die politischen Entwicklungen werden uns dabei vor Herausforderungen stellen, die es so in der jüngeren Vergangenheit noch nicht gab. Die Einkaufspreise für Strom und Gas haben sich in den vergangenen zwölf Monaten vervielfacht. Wir werden deshalb die Marktentwicklungen und politischen Aktivitäten weiterhin sehr genau beobachten.

Wie haben sich die Preise für Strom und Gas bei den Stadtwerken in den vergangenen Jahren entwickelt?

In den vergangenen fünf Jahren konnten wir die Preise im Tarifkundenbereich grundsätzlich stabil halten. Es gab lediglich Anpassungen auf Basis gesetzlicher Auflagen, zum Beispiel der coronabedingten temporären Absenkung der Mehrwertsteuer im Jahr 2020 oder die Einführung der CO2-Bepreisung, die wir an die Kunden weitergegeben haben.

Wie stehen die Weißenfelser Stadtwerke im Preisvergleich mit anderen Anbietern da?

Preisvergleiche sind zumeist Momentaufnahmen und der überwiegende Preisanteil ist von Energieversorgern ohnehin nicht beeinflussbar, da es sich um Abgaben, Entgelte und Steuern handelt. Insbesondere unsere Online-Tarife im Strom und Gas erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Kundinnen und Kunden, zumal sie für Neukunden auch mit einem Willkommensbonus verbunden sind.

Wie bewerten Sie die allgemeine Preisentwicklung auf dem Weltmarkt?

Nüchtern betrachtet, sind Schwankungen im Energiemarkt normal. Beim Blick auf die Kraftstoffpreise wird dies täglich gut sichtbar. Allerdings sind die Preissprünge in diesem Jahr rekordverdächtig. Als Stadtwerke sind wir von diesen globalen Entwicklungen, die viele verschiedene Gründe haben, nicht abgekoppelt. Insofern spüren wir auch in Weißenfels, wenn der Energiebedarf von großen Wirtschaftsnationen wie China oder den USA konjunkturbedingt wächst.

Auch wetterbedingte Ursachen – weniger Windenergie in der ersten Jahreshälfte hierzulande oder eine fatale Dürre in Brasilien – sowie technische Probleme, zum Beispiel bei der Förderung von Erdgas in der Nordsee, haben Auswirkungen auf die Preisbildung am Energiemarkt. Es gibt jedoch auch Faktoren, die zu einer Entspannung des überhitzten Marktes beitragen könnten: ein milder Winter, die Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream 2 oder eine Senkung der EEG-Umlage. Insofern bewerten wir die aktuelle Situation als besondere Herausforderung, die wir im Sinne unserer Kundschaft bestmöglich meistern müssen.

Die Stadtwerke sind ein wichtiger Förderer des Kultur- und Sportlebens in der Kommune. Sind hier künftig Abstriche zugunsten stabiler Preise für die Kunden zu erwarten?

Selbstverständlich ist es unser Anspruch, auch in den kommenden Jahren verlässlicher Partner für Vereine und Institutionen in den Bereichen Kultur, Sport und Soziales in Weißenfels zu sein. Wir sind uns unserer Rolle als Förderer des vielfältigen Engagements in der Stadt und den Ortschaften bewusst. Deswegen gehen wir aktuell nicht davon aus, dass es hierbei Abstriche geben wird. Im Rahmen der Preisbildung sind andere Faktoren wesentlich entscheidender, wie eben zum Beispiel die Entwicklung der Einkaufspreise, der Abgaben und Steuern.