Schlossfest Weißenfels

Schlossfest Weißenfels: Mittelalterliche Spiele und Kopfschmuck begeistern die Besucher

Weißenfels - Am Wochenende fand in Weißenfels das Schlossfest statt, das die Besucher auf eine Zeitreise in das Mittelalter mitnahm.

Von Julia Reinard 28.08.2016, 19:59

Ein Ort für Entdeckungen, großer Spielplatz und unterhaltsames Ausflugsziel - das war am Wochenende das Schlossfest auf der Terrasse und im Innenhof von Neu-Augustusburg in Weißenfels.

Im langen Wollkleid, Leinenwäsche darunter und Haube auf dem Kopf sitzt Christine Leßmann von der Osterländischen Einung an einem Holztisch und sagt, sie schwitze nicht. Wie geht das bei mehreren Lagen? „Wenn man die Wäsche schon am Morgen anzieht, geht es“, sagt sie. Und ihr Freund Christoph Horn ergänzt: „Leinen nimmt Wasser auf und kühlt dadurch.“

Er selbst hat allerdings die Beinlinge, die bis zum Wams hochgehen und dort festgemacht werden können, nach unterhalb des Knies gerollt. So bekomme er Kühlung, sagt der Naumburger. Ausziehen würde man sie aber nicht: „Man lässt die Hose nicht irgendwo, das Wetter kann sich immer ändern.“

Die beiden und mit ihnen die ganze zehnköpfige Gruppe legen wert darauf, so authentisch wie möglich aufzutreten und bei solchen Festen zu leben. Dafür nähen sie die Sachen, die sie tragen, selbst. Natürlich aus damals üblichen Stoffen. Auch beim Schlossfest sitzen sie deshalb mit Nadel und Faden in der Hand.

Christine Leßmann zeigt sich noch unzufrieden über die selbst genähten Schuhe: „Mein erster Versuch, aber ich muss noch üben.“ Die Naht bildet nicht die Kante von der Sohle zum Schaft, sondern ist von oben zu sehen.

Mittelalterliche Spiele sind angesagt

Wird nicht genäht, dann gekocht, natürlich mittelalterlich, einen Tag Weißkrautsuppe, den anderen gibt es Bohnenmus. Oder es wird gespielt. Das ist ein Schwerpunkt der Osterländischen Einung: Spiele, wie sie im Mittelalter von Groß oder Klein gemacht wurden.

Man kann beispielsweise Schubkarren fahren oder kegeln. Beim historischen Kegeln werden die Pins in einer Linie nebeneinander aufgebaut und müssen mit drei Stöcken abgeräumt werden. Leon und seine Zwillingsschwestern Julia und Nina aus Nebra probieren es aus. Der Zehnjährige gewinnt.

Oder das Brettspiel „Glückshaus“, bei dem man je nach Augenzahl des Würfels einen „Mohrenkopf-Heller“ setzt, verliert oder - wenn einer die passende Zahl würfelt - alles gewinnt.

Es ist nur Spielgeld, wäre es aber echtes und das Spiel eines von wenigen Freizeitvergnügungen, kann man sich vorstellen, wie sich die Leute damals um Haus und Hof gespielt haben.

Blumenkränze faszinieren die Besucher

Kinder können auf der Terrasse auch Anhänger aus Steinen schnitzen und Ketten herstellen. Die Gruppe Fauxpas zeigt in schicken Gewändern barocke Tänze. Andrea Schweizer von der Gruppe Odins Wölfe lässt aus Treibholz Körbe entstehen, während die Frauen der Bierkrieger Kränze flechten.

„Wir tragen ja seit Jahren Kränze auf dem Haar und hatten immer Nachfragen, wie das geht, da dachten wir: Das können wir auch selbst anbieten“, erzählt Ines Solty.

Sie, Silke Uhlemann und ihre Mitstreiterinnen haben sich von einer Blumenbinderin die Grundlagen beibringen lassen und während des Fests eine Menge Häupter bekränzt. Und diese sah man dann auch im Schlossinnenhof wippen und schunkeln, zum Beispiel zur Musik von Veronika Fischer.

Ein tolles Ausflugsziel ist das Weißenfelser Schloss an diesem Wochenende für viele, wie auch Sebastian Faust mit Töchterchen Karlina findet. Es wird geschlendert und geschlemmt, geplaudert, eingekauft und man kann eine Menge lernen.

Gilden fürs Löschen zuständig

Am Stand der Interessengruppe Historische Feuerwehr Weißenfels kann man sein Wissen testen und erfährt auch, seit wann es Feuerwehren gibt. „Schon im Alten Rom gab es eine Einheit der kaiserlichen Garde, die dafür zuständig war“, weiß Sven Bergmann. Im Mittelalter seien dann die Hausbesitzer dafür zuständig gewesen, dass mit Wasser gefüllte Fässer, Leitern und Einreißhaken vorhanden sind. Die Gilden stellten das Personal zum Löschen.

Ein paar Jahrhunderte später hält die Feuerwehr auf der Schlossterrasse sogar Wasser vor - in Form eines großen Fasses, das bei den hochsommerlichen Temperaturen auch mal zur Erfrischung herhalten darf (siehe „Hitzetricks“).

(mz)