Ruine in Weißenfelser Nikolaistraße

Ruine in Weißenfelser Nikolaistraße: Dieser barocke Schatz soll wieder strahlen

Weißenfels - Das Weißenfelser Hofmarschallhaus ist jetzt in privater Hand. Was die Eigentümer mit dem denkmalgeschützten Gebäude vorhaben.

Von Andreas Richter 07.11.2018, 07:00

Es erinnert ein bisschen an den märchenhaften Zauberspruch „Sesam, öffne dich!“. Wer die Schatzkammer, in diesem Fall das ehrwürdige Haus in der Weißenfelser Nikolaistraße 39, betritt, der spürt im Halbdunkel den Hauch längst vergangener Tage: Den muffigen Geruch, daumendicken Staub, Tapetenreste an den hohen Wänden, Schutthaufen und herabhängende Leitungen.

Dachdeckermeister aus Weißenfels saniert Prunkstück der Stadt

Stahlträger durchziehen die Räume und halten das Gebäude stabil. Sich neues Leben in diesen Mauern vorzustellen, braucht Fantasie, viel Fantasie und Zuversicht. Und doch soll es genau so kommen. Denn der Weißenfelser Dachdeckermeister Jens-Norbert Schmidt und seine Familie haben sich jetzt an ein kühnes Projekt gewagt. Sie haben den barocken Schatz von der Stadt gekauft und wollen ihn Schritt für Schritt aus seinem Dornröschenschlaf erlösen.

„Dieses Gebäude fristet seit langem ein kümmerliches Dasein. Dabei ist es etwas besonders Wertvolles“, weiß Jens-Norbert Schmidt und betrachtet das Hofmarschallhaus als eines der bedeutendsten barocken Gebäude in der Stadt. Dankbar ist er der Kommune dafür, dass sie das seit Jahrzehnten leerstehende Haus zwischen 2012 und 2014 notgesichert und damit vor dem weiteren Verfall bewahrt hat.

In zehn Jahren soll in das Hofmarschallhaus neues Leben einziehen

„Die Notsicherung war die letzte Rettung für das Haus“, sagt Schmidt. Nun haben sie als Eigentümer ein ehrgeiziges Ziel vor den Augen: In den nächsten zehn Jahren, so die Verpflichtung, soll das Gebäude saniert werden und neues Leben einziehen. Da trifft es sich gut, dass Sohn Maximilian Schmidt gerade sein Architekturstudium beendet hat.

Nach dem Bachelor will er nun erst einmal ein Jahr praktisch arbeiten und dann den Master machen. Und so soll der 24-Jährige gleich die Leitung vor Ort übernehmen. Vater Jens-Norbert Schmidt kümmert sich um die Finanzen und das Management des Langzeit-Projekts. „Noch überwiegt die Entdeckerfreude“, sagt Maximilian Schmidt. Dabei weiß er, dass die Mühen des Alltags im alten Hofmarschallhaus früh genug kommen werden.

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Mit einer „siebenstelligen Summe“ rechnen sie für die Sanierung des Hauses mit rund 600 Quadratmetern Nutzfläche. „Ohne Fördermittel wird das nicht gehen“, weiß Jens-Norbert Schmidt, der eng mit dem Denkmalschutz bei der Stadt zusammenarbeitet. Erste Vorstellungen, wie das Gebäude eines Tages genutzt werden könnte, haben sie schon. In der zweiten und dritten Etage könnten hochwertige Wohnungen entstehen, meint Schmidt und zeigt in der ersten Etage den „Prunksaal“ des Gebäudes mit Stuckdecke.

Denkbar seien hier auch eine Anwaltskanzlei oder Arztpraxis. Im Erdgeschoss können sich die neuen Eigentümer niveauvolle Gastronomie oder auch ein kleines Museum vorstellen.

Für die Sanierung braucht die Familie einen langen Atem

Bis dahin allerdings wird noch viel Wasser die nahe Saale hinabfließen. „Wir tasten uns langsam heran“, sagt Jens-Norbert Schmidt und steigt nach dem kurzen Rundgang die Außentreppe an der Rückseite des Hauses hinab. Innen geht da nichts, das Treppenhaus ist irgendwann eingestürzt.

Bei ersten Untersuchungen wurden keine weiteren als die schon bekannten Holzschäden festgestellt. Eine ermutigende Nachricht für ein mutiges Vorhaben. Erfahrungen mit der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude hat die Dachdeckerfamilie. Das Haus Jüdenstraße 33 ist ein Beispiel dafür. Doch nun wird es wohl einen besonders langen Atem brauchen, um ein barockes Juwel der Stadt zu neuem Leben zu erwecken. (mz)