Rettungsstelle Weißenfels

Rettungsstelle Weißenfels: Kaum noch Zeit für Notfälle

Weißenfels - Warum die Abklärungspauschale in Weißenfels neue Probleme bringt. Zwei Minuten müssen reichen, um den Patienten einzuschätzen und zu entscheiden.

Von Angelika Andräs und Andrea Hamann-Richter 21.06.2017, 10:51

Die Krankenkassen haben die Abklärungspauschale für Notfallpatienten drastisch gesenkt. Das hat gravierende Folgen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser. Dem Arzt bleiben nun im Schnitt nur noch zwei Minuten, um den Krankheitsstand des Patienten einzuschätzen. Welche Auswirkungen hat das? Aufatmen in Weißenfels. Jeder Patient wird gründlich untersucht. Dann wird entschieden, ob eine Behandlung in der Notaufnahme gerechtfertigt, oder der Bereitschaftsarzt die bessere Adresse ist.

Die Ärzte in der Rettungsstelle und Notaufnahme arbeiten 24 Stunden am Tag am Limit. Mitunter beschweren sich Patienten in der Notaufnahme über zu lange Wartezeiten. Zudem werde die Behandlung von Notfallpatienten nicht ausreichend honoriert, heißt es oft. Umso mehr, als seit 1. April die „Abklärungspauschale“ gilt. 4,74 Euro statt wie bisher 13,37 Euro erhalten demnach Krankenhäuser als so genannte Abklärungspauschale.

Notfallbehandlung eines Patienten gerechtfertigt oder nicht

Was sich hinter diesem Wort verbirgt, erklärt die Pressesprecherin des Asklepiosklinikums, Madlen Redanz. „Das ist die Vergütung, die den Krankenhäusern seit dem 1. April 2017 dafür bereit gestellt wird, wenn in der Notfallambulanz für einen Patienten von einem Arzt nach einer Ersteinschätzung festgelegt werden soll, ob der Patient ein Notfall ist und sogar stationär behandelt werden muss oder ob der Patient am nächsten Werktag zu seinem Hausarzt gehen muss beziehungsweise Hilfe beim Kassenärztlichen Notdienst findet.“

Das bedeutet nicht nur deutlich geringere Erlöse, sondern legt auch fest, dass Ärzte innerhalb von zwei Minuten entscheiden sollen, ob die Notfallbehandlung eines Patienten gerechtfertigt ist oder nicht.

Wie sah es in Weißenfels mit dem Wegschicken von Patienten aus?

Kommt ein Patient außerhalb der Sprechzeiten seines Hausarztes in die Rettungsstelle und gibt an, ein Notfall zu sein, muss das ja zumindest überprüft werden. Das ist Berufs- und Haftungsrecht. Letztendlich wurde es in Weißenfels schon immer so gehandhabt. Wie sah es in Weißenfels mit dem Wegschicken von Patienten aus - und hat sich durch Neuregelung etwas daran geändert?

„Bei uns werden natürlich alle Patienten erstmal angenommen. Die Ersteinschätzung in der Notfallambulanz erfolgt mit dem Manchester Triage System“, sagt Madlen Redanz weiter. Beim Manchester-Triage-System (MTS) handelt es sich um ein standardisiertes Verfahren zur Ersteinschätzung in der Notaufnahme. Darunter wird die erste Eingruppierung in der Notaufnahme neu eintreffender Patienten verstanden. Ziel ist die schnelle Festlegung von sicheren und nachvollziehbaren Behandlungsprioritäten. Das Manchester Triage System legt die Behandlungsdringlichkeit fest bis zum ersten Arztkontakt, nicht die Wartezeit.“

Entlastung der Notfallambulanzen erhofft

Durch die gesetzliche Neuregelung erhofft man sich eine Entlastung der Notfallambulanzen. Denn Ärzte in der Notaufnahme haben - nicht erst seit 1. April - das Recht, Patienten an niedergelassene Ärzte zu verweisen, wenn sie kein akutes Leiden haben, das „sofortiger und umgehender Behandlung bedarf“.

In Ausnahmefällen und bei hohem Andrang in der Notaufnahme kann ein Patient dann auch abgewiesen werden. Ob das am Ende tatsächlich weniger Stress für das Rettungsstellen-Team in Weißenfels und mehr Zeit für die wirklichen Notfälle bringt, steht in den Sternen. 20.000 Patienten werden ohnehin schon jedes Jahr in der Notaufnahme in Weißenfels behandelt. Die Tendenz ist steigend. Das liegt daran, dass die meisten Patienten in den Abendstunden, an Wochenenden und Feiertagen die Notaufnahme im Klinikum aufsuchen. Das könnte auch anders funktionieren. Wenn sie ihre Situation realistisch einschätzen und erst einmal die zentrale Rufnummer des Bereitschaftsdienstes anrufen würden. (mz)