Novalishaus in Weißenfels

Novalishaus in Weißenfels: Kosten steigen und steigen - Kommt die Notbremse?

Weißenfels - Die Sanierung eines Baudenkmals in Weißenfels kostet viel mehr als ursprünglich geplant. Mancher Stadtrat will deshalb gar die Notbremse ziehen.

Von andreas richter 26.09.2018, 06:33

Die Sanierung des hinteren Gebäudes des Weißenfelser Novalishauses wird deutlich teurer als ursprünglich geplant. Erste Schätzungen gingen von Kosten von rund 4,4 Millionen Euro aus. Wie Andreas Bischoff, Fachbereichsleiter bei der Stadt, auf der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am Montagabend informierte, liegen die Kosten mittlerweile bei rund 6,5 Millionen Euro.

Während sich im Novalishaus Stadtbibliothek und und Gedenkstätte für den Dichter Novalis befinden, steht das hintere denkmalgeschützte Gebäudeensemble seit dem Auszug der Stadtverwaltung im Jahr 2011 leer und verfällt zusehends. Nach der Sanierung soll es als Archiv genutzt werden. Ende 2017 hatte die Stadt die Zusage für Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) erhalten. Danach sollen 94 Prozent der ursprünglich geplanten Baukosten gefördert werden. Der Eigenanteil der Kommune läge mithin bei rund 300.000 Euro.

Novalishaus in Weißenfels: Gebäude ist in einem weitaus schlechteren Zustand als angenommen

Die weiteren Untersuchungen für das Millionenvorhaben brachten jedoch die Überraschung: Das Gebäude ist in einem weitaus schlechteren Zustand als angenommen. „Es wurden erhebliche Holzschäden festgestellt“, so Carmen Rex, Abteilungsleiterin Hochbau bei der Stadt. Etwa die Hälfte der Holzkonstruktion müsse ausgetauscht, die Fassade praktisch neu errichtet werden. Mehr noch: Proben haben ergeben, dass die Gründung des Gebäudes mit einem enormen Aufwand verbunden sein wird. „Der Baugrund ist selbst für Weißenfelser Verhältnisse außerordentlich schlecht. Die Bohrpfähle müssen bis zu 18 Meter tief ins Erdreich“, sagte Rex.

Um die deutlich höheren Kosten stemmen zu können, bemüht sich die Stadt nun um weitere Fördermittel. Entschieden sei hier jedoch noch nichts, musste Andreas Bischoff im Ausschuss zugeben. Im Klartext: Es könne auch sein, dass die Stadt den stolzen Rest von mehr als zwei Millionen Euro am Ende aus ihrer eigenen Kasse bezahlen muss.

Novalishaus in Weißenfels: „Wir sollten die Finger davon lassen“

Ein Szenario, das einen Teil der Stadträte laut darüber nachdenken lässt, die Notbremse zu ziehen. „Wir sollten die Finger davon lassen“, meinte Hans Klitzschmüller, Chef der Stadtratsfraktion Die Linke, und erhielt Unterstützung von Clemens Wanzke, Vorsitzender der Fraktion Bürger für Weißenfels/Landgemeinden. Gunter Walther (Fraktion Bündnis für Gerechtigkeit/Grüne) plädierte hingegen dafür, das Projekt trotz aller Widrigkeiten weiterzuverfolgen.

Den ganzen Zwiespalt machte Hans-Dieter Böckler (CDU/FDP-Fraktion) deutlich: „Die Bude wird im Grunde weggerissen und neu aufgebaut.“ Eine wirkliche Alternative gebe es jedoch nicht, da die Fördermittel zweckgebunden seien. Mit sechs Ja- und vier Nein-Stimmen sowie drei Enthaltungen empfahl der Ausschuss dem Stadtrat, das Vorhaben weiter voranzutreiben.

››Stadtrat: Donnerstag, 27. September, 17 Uhr, Ratssaal am Kloster (mz)