Vom Pagen zum Politiker

Nachfahrin des Superministers aus Weißenfels kommt zur Lesung über Heinrich von Brühl

Historiker organisiert Lesung mit Christine von Brühl, Nachfahrin des gebürtigen Weißenfelsers Heinrich von Brühl. Was die Besucher erwartet.

Von Meike Ruppe-Schmidt
Historiker Thomas Krakow organisiert die Lesung mit Buchautorin Christine von Brühl und moderiert die Veranstaltung.
Historiker Thomas Krakow organisiert die Lesung mit Buchautorin Christine von Brühl und moderiert die Veranstaltung. (Foto: Meike Ruppe-Schmidt)

Weissenfels/MZ - Er war Geheimrat und Superminister. Unter Sachsenkönig August dem Starken arbeitete sich Heinrich Graf von Brühl bis zum königlich-polnischen Premierminister hinauf. Und noch heute erinnern die Brühlschen Terrassen in Dresden an sein Wirken. Die Wurzeln von Brühls aber liegen in Weißenfels. Hier wurde der Sohn des Hofmarschalls Hans Moritz von Brühl 1700 geboren, hier verbrachte er seine Kindheit. Jetzt hat seine Nachfahrin Christine von Brühl ein Buch über die Familiengeschichte geschrieben. „Schwäne in Weiß und Gold“ heißt es. Und sie wird es am 13. August, 19 Uhr in einer Lesung auf dem Weißenfelser Schloss sowie am 15. August um 16 Uhr im Merseburger Schlossgarten vorstellen.

„Der Fokus wird dabei auf die Zeit der Familie Brühl in Weißenfels liegen“, erzählt die Autorin. Hier wurde Heinrich von Brühl bereits im Alter von acht Jahren Page am Hof des Herzogs. Später besuchte er das „Gymnasium illustre Augusteum“, das heutige Goethegymnasium. „Die Stadt hat ihn ohne Zweifel geprägt“, ist sich Thomas Krakow sicher. Der Historiker aus Leipzig, der seit fast zwei Jahren in Weißenfels lebt und sich seither intensiv mit der Stadtgeschichte befasst, hat die Lesung mit Christine von Brühl auf dem Schlossgelände organisiert und wird die Veranstaltung moderieren.

Christine von Brühl
Christine von Brühl
(Foto: Thomas Kierok)

Interessierte können sich im Vorfeld bereits auf die Spuren Heinrich von Brühls begeben und um 18 Uhr an einer dem Thema gewidmeten Führung durch das Schloss teilnehmen. Krakow: „Als ich von dem Buch erfuhr, war ich sofort interessiert und habe die Autorin kontaktiert. Denn ich glaube, dass die Menschen hier wieder an die Wurzeln ihrer Stadtgeschichte erinnert werden müssen.“

„Heinrich von Brühl war ein großartiger Diplomat, erfolgreicher Netzwerker und loyaler Helfer“

In ihrem Buch rückt Christine von Brühl auch einige geschichtliche Fakten über ihren Vorfahren ins rechte Licht. Hintergrund: Zeitzeugenberichte beschrieben von Brühl als verschwendungssüchtig, manipulativ und führten den wirtschaftlichen Niedergang des Kurfürstentums Sachsen auf ihn zurück. In der jüngeren Geschichtsforschung wurden diese Aussagen jedoch relativiert. Krakow: „Heute würde man sagen, das von Brühl Opfer einer Hate Speech Kampagne wurde, die von seinem Erzfeind, dem Preußenkönig Friedrich II., initiiert wurde.“ Dieses Bild zeichnet auch Christine von Brühl in ihrem Buch.

„Heinrich von Brühl war ein großartiger Diplomat, erfolgreicher Netzwerker und loyaler Helfer“, sagt sie. „Sein Aufstieg war mühsam, da er aus keinem wohlhabendem Haus stammte.“ Mehrmals führten sie die Recherchen für das Buch in den vergangenen Jahren nach Weißenfels. „Ich war sehr überrascht von der Schönheit der Stadt mit der Schlossanlage, den barocken Gebäuden und großen Plätzen“, sagt sie und lobt das Engagement der Menschen, die sich um die kulturellen Einrichtungen kümmern. Umso mehr freue sie sich nun darauf, das Ergebnis ihrer Arbeit in der Saalestadt zu präsentieren.

Lesung mit Christine von Brühl, 13. August um 19 Uhr auf dem Schlossgelände. Führung durch das Schloss um 18 Uhr. Tickets sind im Museum und in der Stadtinformation erhältlich.